5.03.2014 09:22
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Gewässer
«Pestizidcocktail» in Schweizer Flüssen - mit Folgen für Landwirtschaft?
Forscher der Eawag haben im Auftrag des Bundes Fliessgewässer auf Wirkstoffe untersucht. 100 der 300 zugelassenen Stoffe wurden auch gefunden. Für 31 Substanzen ist der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt worden. Ein Grossteil der Pestizidbelastung schreiben die Forscher den Pflanzenschutzmitteln und damit der Landwirtschaft zu.

Im Auftrag des Bundes hat die Eawag zusammen mit fünf Kantonen in fünf mittelgrossen Flüssen sämtlichen löslichen synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nachgespürt, schreibt die Eawag am Mittwoch in einem Communiqué. Untersucht wurde das Wasser der Flüsse Salmsacher Aach (SG), Furtbach (ZH), Surb (AG), Limpach (SO) und Mentue (VD). Die Flüsse waren in der Messperiode von März bis Juli erheblich durch verschiedenste Pestizide belastet, halten die Forscher fest.

Von rund 300 zugelassenen und analytisch nachweisbaren Wirkstoffen wurden 104 in den Proben gefunden, 82 davon waren reine Pflanzenschutzmittel. „Der Grossteil der Pestizidbelastung heute ist den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben“, so das Fazit der Eawag.

Hohe Summen-Konzentration

In 78 Prozent der Proben lag die aufaddierte Pestizidkonzentration über 1μg/L. Was dies für die Wasserqualität und die Auswirkung auf Organismen im Gewässer bedeute, könne nicht generell beurteilt werden, schreiben die Forscher. Sie zogen aber Vergleiche mit dem pauschalen Anforderungswert der Gewässerschutzverordnung (maximal 0,1μg/L pro Einzelstoff) und dem toxikologisch abgestützten Qualitätskriterium für eine chronische Belastung (CQK).

40 Substanzen wurden als problematisch taxiert, 21 Pestizide überschritten den Wert aus der Verordnung, 9 Stoffe das CQK und 10 beide Kriterien. Problematisch aus Sicht der Forscher sind zwei Aspekte: der «Cocktail» an Pestiziden sowie die teilweise hohen Konzentrationen pro Stoff.

Zwei Herbizide kommen fast überall vor

Zwei Herbizide haben die Forscher in beinahe allen Wasserproben entdeckt: Mecoprop und S-Metolachlor. Mecoprop wird gemäss der Studie sehr vielfältig in Garten und beim Getreide verwendet, jedoch auch in Bitumenbahnen von Flachdächern. Aufgrund der Anwendungsmengen müsse vermutet werden, dass alle drei Quellen substanziell zur Belastung der Gewässer beitragen, schreiben die Forscher.

Das Herbizid S-Metolachlor wird hingegen nur in der Landwirtschaft genutzt. Es wird in verschiedenen Kulturen angewendet, hauptsächlich bei Rüben und Mais. sda

Vereinzelt wurden Konzentrationen über 1 Mikrogramm pro Liter festgestellt. Das sei hoch, schreiben die Forscher. Die kurzfristigen Spitzenkonzentrationen dürften teils vielfach höher liegen, für einzelne Substanzen wohl über der Grenze, über welcher sie akut toxisch wirken. Der „Pestizid-Cocktail“ führe zur Beeinträchtigung der Organismen im Wasser, befürchten die Forscher.

Differenzierte Beurteilung und Vorsorge nötig

«Ganz so sauber, wie immer wieder betont, scheinen die Schweizer Gewässer doch nicht zu sein», lässt sich  Juliane Hollender, Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie, im Communiqué zitieren. Die Studie mit einer nahezu kompletten Detektion aller Pestizide trage viel dazu bei, den relevantesten Wirkstoffen auf die Spur zu kommen.

Diese würden nun gezielter überwacht. Für die Landwirtschaft könnte dies bedeuten, dass der Einsatz dieser Wirkstoffe unter Umständen eingeschränkt werden könnte. Neben Tests mit einzelnen Stoffen sei eine „Beurteilung der Mischungstoxizität“ nötig, macht Hollander deutlich.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE