30.03.2018 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Dossier Pflanzenschutz (1/11)
Pestizide sind Reizthema
Pflanzenschutzmittel stehen in der öffentlichen Kritik. Den Landwirten sichern sie seit Jahrzehnten ihre Ernten. Die zentralen Fragen sind: Was sind die Alternativen? Welche Rolle spielen die Abnehmer und die Konsumenten? Was würde der vollständige Verzicht auf den chemischen Pflanzenschutz bedeuten? Im elfteiligen Dossier werden verschiedene Thematiken rund um den Pflanzenschutz aufgegriffen. Im ersten Teil wird die aktuelle Situation rund um Pflanzenschutzmittel beleuchtet.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft ist ein Reizthema. Glyphosat lässt grüssen: Für die einen ist das Herbizid Heilbringer für die anderen ein Gift, das die Menschheit akut bedroht. Gleich zwei aktuelle Initiativen wollen den Bauern die Verwendung von Pestiziden künftig stark begrenzen respektive ganz verbieten.

Die Volksbegehren sind nur die Fortsetzung der in den letzten Jahren intensiv geführten Diskussion über Sinn und Unsinn der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.

Reduktion als Ziel

Als Folge setzte bereits vor ein paar Jahren eine Trendwende ein in Richtung weniger und gezielterem Einsatz von Insektiziden, Fungiziden und Co. Der Bundesrat gibt mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel die Richtung vor.

Das Ziel: Reduktion der Pflanzenschutzmittel-Einträge in Gewässern und im Boden sowie Förderung des Einsatzes von alternativen Pflanzenschutzmassnahmen.

Rosenkohl leidet ohne Pflanzenschutz

Viele Wirkstoffe wurden bereits vom Markt zurückgezogen. Was dies bedeuten kann, zeigte sich im letzten Jahr bei Rosenkohl. Hier kämpften die Gemüsegärtner mit einem hohen Befall der Weissen Fliege, unter anderem als Folge eines von den Behörden zurückgezogenen Insektizides.

Dazu kamen hohe Temperaturen, welche zu einer explosionsartigen Vermehrung des Schädlings führten. Diese saugen den Saft aus der Pflanze und sondern dabei Honigtau ab, oft bildet sich an diesen Stellen Russtaupilze.

Produktionskosten steigen

Der Rosenkohl erfüllte die strengen Qualitätsanforderungen der Abnehmer nicht mehr, weil die Röschen kleine äussere Verunreinigungen als Folge des Pilzbefalls aufwiesen. Ein Nachrüsten des Gemüses von Hand wäre nötig gewesen, was aber zu teuer war und durch den Abnahmepreis nicht gedeckt werden konnte.

Erste Flächen waren bereits vernichtet worden, als sich die Branche schliesslich mit den Abnehmern doch noch auf eine Anpassung der Qualitätsanforderungen einigen konnte. Für die nächste Ernte prüfen die Rosenkohlanbauer nun die Möglichkeit eines maschinellen Nachrüstens. Die Produktionskosten würden dadurch aber steigen. 

Landwirte stecken in Dilemma

Das Rosenkohl-Beispiel zeigt das ganze Dilemma auf, in dem die Landwirte beim Pflanzenschutz stecken. Eigentlich produzieren sie ein Naturprodukt, an das aber Anforderungen gestellt werden, wie sie sonst nur aus industriellen Prozessen bekannt sind: Hohe Stückzahl, gleiche Kaliber ohne Fremdstoffe, einwandfreie äussere Qualität und das alles möglichst günstig.

Ein zuverlässiger Helfer bei der Erreichung dieser hochgesteckten Ziele war hier bisher der chemische Pflanzenschutz, der nun aber in der Kritik steht.

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE