27.06.2019 12:12
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Pflanzenschutzmittel
SBB: Ab 2025 kein Glyphosat
Die SBB will ab 2025 auf das bisher zur Unkrautbekämpfung eingesetzte Herbizid Glyphosat verzichten. Derzeit werden Alternativen geprüft. Eine davon ist der Einsatz von Heisswasser.

Glyphosat sei in der Schweiz der einzige zugelassene Wirkstoff zur Bekämpfung von Unkraut im Bereich von Bahnanlagen, schreibt die SBB am Donnerstag in einer Mitteilung. Die SBB setze das Herbizid so zurückhaltend und umsichtig wie möglich ein, heisst es weiter.

2 Tonnen pro Jahr

Die Bekämpfung von Pflanzen im Gleisbereich wird zu Fuss sowie mit optimierten Geräten, deren Spritzdüsen nahe am Boden geführt werden, durchgeführt. Die SBB sei aber schweizweit nur eine kleine Verbraucherin. Gemäss Unternehmensangaben entfallen 2 Prozent des gesamtschweizerischen Verbrauchs auf die Bahn.

«Für die mehr als 3000 Kilometer Streckenlänge werden pro Jahr rund 2 Tonnen Wirkstoff (also rund 5500 Liter ausgebrachte Menge) benötigt», sagte SBB-Sprecher Reto Schärli im Oktober 2016 gegenüber Schweizer Bauer. «Damit die Funktionen des Gleisbetts nicht beeinträchtigt werden – Wasser muss ungehindert abfliessen können –, muss Unkraut auf den Bahnstrecken bekämpft werden», führte Schärli weiter aus. 2016 wurde in der gesamten Schweiz 204 Tonnen Glyphosatz verkauft. Das waren 92 Tonnen weniger als 2014.

Heisswasserspritzfahrzug

Die SBB hat in den letzten Monaten ein rund eine Million Franken teures Heisswasserspritzfahrzug entwickeln lassen. Es verfügt über einen Sensor für die Pflanzenerkennung und kann so das rund 95 Grad heisse Wasser auf einer Breite von 4,6 Metern direkt aus 116 Düsen auf die Pflanzen sprühen.

Das am Donnerstag in Däniken SO vorgestellte Fahrzeug hat die ersten Testfahrten bereits absolviert. Der Testeinsatz soll Aufschluss darüber geben, ob sich die Methode technisch und betrieblich bewährt. In den vergangenen 18 Monaten wurde das Verfahren auf SBB-Parkplätzen getestet. Die Wirkungsdauer ist gemäss einem Bericht des Tages-Anzeiger etwa gleich lang wie jene von Glyphosat. Nach sechs bis sieben Wochen wächst das Unkraut nach. Ein SBB-Experte geht davon aus, dass rund vier Applikationen mit heissem Wasser pro Jahr nötig sein werden.

Nachteil der Methode: Das heisse Wasser tötet Kleinlebewesen. Neben der Bekämpfung mittels Heisswasser untersucht die SBB deshalb auch andere Alternativen zum Glyphosat. Eine davon ist der gezielte Einsatz von Bodenbedeckungspflanzen, um das Wachstum von Unkraut im Randbereich zu verhindern. Mögliche Saatmischungen wurden bereits ausgebracht. In diesem Bereich arbeitet die SBB mit der französischen SNCF zusammen.

Elektroherbizid

Geprüft wird auch der Bau des Geleisebereichs mit aufwuchshemmenden Materialien. 20 Möglichkeiten wurden bisher untersucht. Sechs davon werden weiterverfolgt und ab nächstes Jahr eingebaut und überwacht. Noch etwas länger geht es, bis zur Unkrautbekämpfung Roboter zur Verfügung stehen. Dies dürfte frühestens 2025 der Fall sein.

Eine andere Massnahme besteht im Einsatz von Bioherbiziden. In diesem Bereich wird derzeit noch geforscht. Solche Mittel sollen erst zum Einsatz kommen, wenn sicher ist, dass keine negativen Auswirkungen auf die Gewässer zu erwarten sind. Bei der Deutschen Bahn in der Testphase befindet sich eine Methode, das Unkraut mittels Elektroherbizid auszumerzen. Dabei soll den unerwünschten Pflanzen mittels Hochspannung auf Gleichstrombasis oder mit hochfrequentiertem Wechselstrom der Garaus gemacht werden.

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