8.11.2019 09:48
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutzmittel
SBV: Verzicht auf Chlorothalonil
Der Schweizer Bauernverband fordert die Bauern auf, bis auf weiteres auf das Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Derzeit überprüft das Bundesamt für Landwirtschaft die Zulassung des Fungizids.

Chlorothalonil wird seit rund 50 Jahren, vor allem in Getreide, Gemüse und Reben, gegen Pilzbefall eingesetzt. Abbauprodukte können ins Grundwasser und somit auch ins Trinkwasser gelangen.

Abbauprodukte als Problem 

«Der Wirkstoff schützt zum Beispiel Weintrauben vor dem gefürchteten falschen Mehltau, der unbehandelt zum totalen Verlust der Ernte führen kann. Chlorothalonil kommt aber auch auf Sportrasen, Blumen, Sträuchern oder Zierpflanzen zur Anwendung», schreibt der Schweizer Bauernverband (SBV) in einem Communiqué am Freitag.

Anfang August änderte sich auf Aufgrund einer Neubeurteilung der Einsatz von Chlorothalonil schlagartig. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit teilte die Abbauprodukte von Chlorothalonil – sogenannte Metaboliten – von «nicht relevant» in «relevant» um. Die Behörden können bei sechs Metaboliten oder Abbauprodukten nicht ausschliessen, dass die Abbauprodukte negative gesundheitliche Auswirkungen haben. Sie gelten damit als relevant.

Über Nacht zum Problemfall

Für die Bauern änderte sich die Lage damit schlagartig, schreibt der SBV. Die Erkenntnis sei für die Schweiz und Europa neu gewesen. «Über Nacht ist ein bis vor kurzem als bedenkenlos geltendes und rechtmässig eingesetztes Produkt zum Problemfall geworden», so der SBV.

Derzeit überprüft das Bundesamt für Landwirtschaft die Zulassung des Fungizids. Weil die unklare Lage die Wasserversorger und die Bevölkerung verunsichert, fordert der Bauernverband, dass so rasch als möglich Klarheit herrscht. Bis zum Entscheid der Zulassungsbehörden fordert der SBV die Bauern auf, Produkte mit dem Wirkstoff Chlorothalonil nicht mehr einzusetzen. «Für den Schutz der Kulturen stehen ausreichend andere Wirkstoffe zur Verfügung», heisst es in der Mitteilung.

Im März hatte die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde erstmals darauf hingewiesen, dass für die Abbauprodukte von Chlorothalonil eine Gesundheitsgefährdung bestehen könne. Die EU erliess daraufhin ein Verbot des Pflanzenschutzmittels ab 2020.

Neue Weisung bei Chlorothalonil-Rückständen

Der Bund hat eine neue Weisung für den Umgang mit Risiken durch Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser erlassen. Wird bei bestimmten Abbauprodukten des Fungizids der Höchstwert von 1 Mikrogramm pro Liter überschritten, müssen Massnahmen ergriffen werden. Wenn rasche Abhilfe möglich ist, müssen die Kontrollstellen verfügen, dass der Höchstwert für die relevanten Abbauprodukte von Chlorothalonil spätestens einen Monat ab Beanstandung eingehalten werden. Sind Massnahmen wie Mischen oder das Nutzen einer anderen Wasserquelle nicht möglich, muss eine Frist von zwei Jahren gesetzt werden.

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