2.01.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Umweltschutz
Schleppschlauchpflicht wird hinterfragt
Die Nationalräte Marcel Dettling, Martin Haab und Andreas Gafner hinterfragen das Obligatorium für den Schleppschlauch.

Per 1. Januar 2022 plant der Bundesrat ein Obligatorium für die emissionsmindernde Ausbringung von Gülle. Das heisst, wo immer es topografisch möglich ist, soll die Gülle mit dem Schleppschlauch ausgebracht werden müssen. Nun hinterfragen gleich drei bäuerliche Nationalräte diesen Plan. 

Viele negative Folgen 

Marcel Dettling (SVP, SZ) hält in seiner Interpellation fest, dass das Obligatorium neben möglichen Vorteilen betreffend Ammoniakemissionen vor allem auch grosse negative Erscheinungen in diversen anderen Bereichen hätte. Er denkt dabei an den höheren Bodendruck und an eine Erhöhung des CO2-Ausstosses, weil Güllefässer mit Schleppschlauch in der Regel schwerer seien als solche ohne. Solche Fässer seien auch breiter, was auf den Strassen gefährlicher sei.

Und die Güllebänder könnten zu Futterverschmutzungen und Fehlgärungen bei der Silage führen. Zu all den genannten Bereichen will Dettling wissen, inwiefern der Bundesrat dazu Untersuchungen angestellt habe und was die Ergebnisse seien. Insgesamt ist für Dettling fraglich, ob der Bundesrat bei diesem Thema wirklich eine Gesamtbetrachtung vorgenommen hat. 

Woher die Grundlagen? 

Nationalrat Martin Haab (SVP, ZH) hat zum Schleppschlauch ebenfalls eine Interpellation eingereicht. Er verweist auf die theoretische Annahme, dass mit dem Schleppschlauch die Ammoniakemissionen beim Ausbringen der Gülle  um bis zu 35%  reduziert werden. Doch bei den  Ammoniakprojekten, die in den Jahren 2008 bis 2018 in 21 Kantonen durchgeführt worden seien, fehle dieser Nachweis bei den angeordneten Messungen.

Nun will Haab vom Bundesrat wissen, auf welche wissenschaftlichen Grundlagen sich der Bundesrat hierbei gestützt habe. In die gleiche Kerbe haut Nationalrat Andreas Gafner (EDU, BE). Er fragt den Bundesrat: «Kann die Wirksamkeit des Schleppschlauchs mit fundierten Zahlen belegt werden? Ist das momentane Berechnungsmodell überhaupt realistisch und in die Praxis übertragbar?» Gafner hält auch kritisch fest, dass viele Betriebsleiter wegen des Obligatoriums Investitionen tätigen müssen  oder auf die schwereren Geräte der Lohnunternehmer ausweichen müssen.  

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