23.10.2017 18:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Glyphosat
Umfrage: Glyphosat verbieten?
Pestizide haben derzeit einen schweren Stand. Von verschiedener Seite wird der Einsatz kritisiert, vor allem jenen vom Herbizid Glyphosat. Die IP-Suisse-Produzenten sollen ab nächstem Jahr beim Anbau von Getreide auf Glyphosat verzichten. Was halten Sie davon? Soll der Einsatz des umstrittenen Glyphosats verboten werden? Oder kann auf eine Anwendung nicht verzichtet werden? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Der Einsatz von Glyphosat ist hoch umstritten. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung hatte im März 2015 erklärt, Glyphosat sei «wahrscheinlich krebserregend».

Die EU-Chemieagentur ECHA hält ein solches Risiko hingegen für «unwahrscheinlich». Sie erklärte im März 2017, dass verfügbare wissenschaftliche Erkenntnisse nicht die Kriterien erfüllten, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten. Die Substanz schädige indes ernsthaft die Augen und sei giftig für Organismen im Wasser.

Keine Rückstände im Getreidekorn


Der Wirkstoff Glyphosat ist in einer ganzen Reihe von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Es wird vor allem dazu genutzt, Unkraut beim Anbau von Feldfrüchten zu bekämpfen. Auch auf Getreide- oder Rapsfeldern kommt es vor der Aussaat zum Einsatz. Im Wasser wurden Rückstände nachgewiesen, aber immer unter den Grenzwerten.

Fritz Glauser, Landwirt und Präsident des Getreideproduzentenverbandes, betont, dass Glyphosat in der Schweiz nicht wie im Ausland mit dem Getreide in Berührung komme: «Untersuchungen haben bewiesen, dass keine Glyphosat-Rückstände im Schweizer Getreidekorn zu finden sind, was für uns sehr wichtig ist.» Der Verzicht auf Glyphosat sei nicht gänzlich möglich.  «In einigen Situationen brauchen wir Glyphosat gegen problematische Unkräuter», sagte Glauser gegenüber «Schweizer Bauer».

Druck auf Landwirtschaft


Sollte das Herbizid verboten werden, erwarten die Göttinger Agrarökonomen, dass mittelfristig die reine Mulchsaat zurückgedrängt wird und an ihre Stelle der situative Pflugeinsatz treten würde. Damit würde zugleich die Erosionsgefährdung ebenso zunehmen wie negative Effekte durch Starkregenereignisse, folgern die Göttinger.

Die IP-Suisse will ab 2018 beim Anbau von Getreide auf Glyphosat verzichten. Die Organisation verbietet den Einsatz von Glyphosat-haltigen Herbiziden ab der Ernte der Vorkultur bis zur Ernte der Hauptkultur – dem IP-Suisse-Getreide. «Der Druck auf die Landwirtschaft, auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten, nimmt zu», begründet IP-Suisse-Geschäftsführer Fritz Rothen gegenüber «Schweizer Bauer» den Entscheid.

Mehr Pflug, mehr Erosion

Es gäbe mittlerweile Alternativen zum Herbizid. Zudem sind Ausnahmen möglich. «Wo ein Einsatz von Glyphosat unumgänglich ist – etwa bei der Direktsaat –, besteht die Möglichkeit, eine Sonderbewilligung bei der Geschäftsstelle zu beantragen», so Rothen. Auch bei anderen Label-Produkten könnte der Glyphosat-Einsatz eingeschränkt werden, so Rothen.

Für Beat Wyss, Landwirt und Lohnunternehmer aus Oberramsern SO, birgt der Entscheid von IP-Suisse Gefahren: «Wenn die Bauern statt der Much- oder der Direktsaat den Pflug einsetzen, steigt das Erosionsrisiko. Für den Boden ist das keine gute Sache.» Positiv sei, dass mit der neuen Richtlinie Ausnahmen möglich seien.

300 Tonnen in der Schweiz

Glyphosat wird weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt, wie das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group berichtete. Zum Vergleich: Die Agrarflächen in der Schweiz umfassen 1,05 Millionen Hektar.

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850'000 Tonnen solcher Mittel, in der Schweiz werden knapp 300 Tonnen eingesetzt.

Was denken Sie? Ist eine Landwirtschaft ohne Glyphosat die Zukunft? Ist ohne Glyphosat die Versorgungssicherheit gefährdet? Oder ist die Gefahr bei richtiger Dosierung minimal? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab


Der Vorsitzende der europäischen Landwirte-Organisation Copa, Joachim Rukwied, warnte, ein Verbot von Glyphosat in der EU könnte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft sowie die Versorgungssicherheit gefährden.

Die französische Organisation der Getreideproduzenten (OPG) schreibt in einem offenen Brief an Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, die Landwirte würden bei einem Verbot von Glyphosat ernsthafte wirtschaftliche Schäden erleiden, weil sie dann grössere Mengen anderer Pflanzenschutzmittel verwenden müssten.

In dem Brief weist die OPG auch darauf hin, «dass die Europäische Union – mit Zustimmung der Kommission – seit Jahren Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine importiert, einem Land mit riesigen und sehr wettbewerbsfähigen Produktionsstrukturen, die Glyphosat grossflächig einsetzen.»

Für die französische Bauerngewerkschaft FDSEA ist derweil klar, dass es derzeit keine Alternative zu Glyphosat gibt: «Die Landwirte haben sich verbesserte Praktiken und mechanische Alternativen angeeignet, soweit das möglich war. Es gibt aber bis heute keinen äquivalenten Ersatz für Glyphosat. Es ist daher sehr wichtig, dass die Forschung weiter betrieben wird und tragfähige Lösungen entwickelt werden.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE