19.04.2019 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Pflanzenschutz
Vietnam verbietet Glyphosat
In Vietnam ist die Herbizidbekämpfung mit glyphosathaltigen Mitteln ab Juni 2019 untersagt. Den entsprechenden Beschluss hat der stellvertretende Ressortchef Le Quoc Doanh vergangene Woche in Hanoi unterzeichnet.

Das Verbot betrifft auch den Import und die Produktion glyphosatbasierter Herbiziden. Die noch im Land vorhandenen Bestände sollen noch ein Jahr lang eingesetzt werden dürfen.

USA kritisiert Entscheid

Der Leiter der vietnamesischen Pflanzenschutzbehörde (PPD), Hoang Trung, begründete die Entscheidung damit, dass Glyphosat die Umwelt beeinträchtige und schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Menschen habe, die diesen Wirkstoff einsetzten. In Vietnam gebe es alternativ 54 sichere und wirksame Herbizidwirkstoffe, so der Fachmann.

Auf scharfe Kritik stiess diese Entscheidung in den USA. Landwirtschaftsminister Sonny Perdue warnte vor „verheerenden Folgen“ für die globale Agrarproduktion. „Wenn wir im Jahr 2050 rund 10 Milliarden Menschen ernähren wollen, dann brauchen die Landwirte weltweit alle verfügbaren Mittel und Technologien“, betonte der Agrarminister. Sein Haus habe Vietnams Agrarressort wissenschaftliche Studien der US-Umweltschutzbehörde (EPA) und von anderen international anerkannten Behörden zur Verfügung gestellt.

Sri Lanka mit Ernteverlusten

Diese hätten ergeben, dass glyphosatbedingte Krebserkrankungen beim Menschen unwahrscheinlich seien. Ausserdem warnte Perdue, dass die Entwicklung des vietnamesischen Agrarsektors durch das Wirkstoffverbot gehemmt werden könnte. Zudem bestehe das Risiko, dass die dortigen Landwirte Glyphosat durch illegale Chemikalien ersetzen würden.

Schlechte Erfahrungen mit einem Glyphosatverbot hat bereits Sri Lanka gemacht. Dort durfte der Wirkstoff ab 2015 vorübergehend nicht eingesetzt werden, weil es vermeintlich Nierenversagen verursachte. Allerdings wurde das Verbot als Reaktion auf gegenlautende Erkenntnisse im vergangenen Jahr wieder aufgehoben.

Der deutsche Bayer-Konzern bezifferte die jährlichen, durch das Anwendungsverbot verursachten Verluste der Teeindustrie Sri Lankas mit Verweis auf Medienberichte auf rund 100 Mio. Euro. Ausserdem seien die dortige Maisernte um 20% und die Reiserzeugung um die Hälfte kleiner ausgefallen. Unterdessen erwägt die thailändische Regierung, die Herbizide Glyphosat und Paraquat sowie das Insektizid Chlorpyrifos ab 2021 aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen zu verbieten.

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