4.07.2013 13:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Pflanzenschutz
Vorsicht bei Einfuhr von Pflanzen in die Schweiz
Der Import von exotischen Pflanzen erfreut sich in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit - darauf deutet zumindest die steigende Zahl der illegalen Einfuhren hin. Dadurch können Schädlinge ins Land gelangen, die verheerende Schäden anrichten.

Die Vergehen gegen die Pflanzenschutzvorgaben nahmen in den letzten Jahren zu, wie die Forschungsanstalt Agroscope sowie die Bundesämter für Landwirtschaft und Veterinärwesen am Donnerstag mitteilten. 

Immer mehr illegale Einfuhren

Im internationalen Artenschutzabkommen, das die Schweiz wie rund 180 weitere Länder unterzeichnet hat, sind über 25'000 Pflanzenarten aufgeführt. Diese Pflanzen, zu denen etwa Orchideen oder fleischfressende Pflanzen gehören, dürfen entweder gar nicht oder nur mit einer Bewilligung des Herkunftslandes in die Schweiz gebracht werden. 

Offenbar foutieren sich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer um die Bestimmungen, oder aber sie haben keine Kenntnis davon. Denn während 2009 und 2010 noch zwischen 50 und 60 Pflanzeneinfuhren beanstandet wurden, waren es 2011 rund 100 Fälle und im vergangenen Jahr deren 180. 

Im laufenden Jahr seien bis Juni bereits wieder über 100 illegale Einfuhren entdeckt worden, heisst es in der Mitteilung. Diese Fälle umfassen laut Markus Bünter von der Forschungsanstalt  Agroscope nur die privaten Einfuhren, der gewerbliche Import sei  davon nicht erfasst. Die beanstandeten Pflanzen kommen aus allen Weltgegenden, besonders beliebt sind gemäss Mitteilung aberGewächse aus Asien. 

Es braucht ein Zeugnis 

Bei den illegalen Einfuhren handelt es sich aber nicht nur um Verstösse gegen den Artenschutz. Oft fehlt auch das sogenannte Pflanzenschutzzeugnis. Ein solches braucht es gemäss Markus Bünter grundsätzlich für sämtliche Pflanzen und Pflanzenteile, die aus Nicht-EU-Ländern stammen. 

Besonders scharfen Einfuhrbestimmungen unterliegen gemäss Bünter die möglichen Träger von Feuerbrandbakterien. Dazu gehören etwa Apfel- und Birnbäume. Die Einfuhr von Zwergmispeln und Lorbeer-Glanzmispeln ist wegen der Feuerbrandgefahr aus allen Ländern verboten - auch aus der EU. 

Höchstmengen beachten

Ansonsten dürfen Pflanzen und Pflanzenteile aus der EU grundsätzlich frei importiert werden, solange sie nicht unter den Artenschutz fallen. Für einige Arten braucht es analog zum Pflanzenschutzzeugnis für Nicht-EU-Länder einen Pflanzenpass. 

Daneben gilt es die Höchstmenge zu beachten: Für Früchte und Gemüse liegt diese mit Ausnahme von Kartoffeln aus allen Ländern bei 10 Kilogramm, für Schnittblumen bei 3 Kilogramm. 

Kontrolle auf Fruchtfliegen 

Mit den Auflagen sollen die einheimischen Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen geschützt werden. Zu letzteren gehören etwa Frucht- und Bohrfliegen. Zahlreiche der weltweit 4500 Fruchtfliegen-Arten richten erhebliche landwirtschaftliche Schäden an. Die Experten des Eidgenössischen Pflanzenschutzdienstes kontrollieren deshalb am Zoll Pflanzen und Früchte von ausserhalb Europas auf einen allfälligen Fruchtfliegen-Befall. 

Verdächtige Pflanzen werden in die Agroscope-Labors nach Wädenswil ZH geschickt. Das gilt laut Markus Bünter für sämtliche Pflanzen, bei denen der Verdacht auf Schädlings- oder Krankheitsbefall besteht. Bestätigt sich im Labor der Verdacht, werden die Pflanzen schliesslich zurückgewiesen oder vernichtet. Früchte und Gemüse (ausser Kartoffeln) bis 10 Kilogramm und Schnittblumen bis 3 Kilogramm dürfen ohne Kontrolle eingeführt werden.

Weitere Infos finden Sie hier

Pflanzen, Pflanzenteile und Blumenzwiebeln aus anderen als EU-Ländern unterliegen der Kontrolle durch den Pflanzenschutzdienst oder dürfen gar nicht importiert werden. Nicht importiert werden dürfen folgende Pflanzen:

•Apfelbaum (Malus)
•Birnenbaum (Pyrus)
•Bitterorange (Poncirus)
•Eiche (Quercus)
•Eberesche, bzw. Vogel- und Mehlbeere (Sorbus)
•Feuerdorn (Pyracantha)
•Kartoffeln und ähnliche Nachtschattengewächse (Solanacea)
•echte, essbare Kastanie (Castanea)
•Kumquats (Fortunella)
•Mispel (Mespilus)
•Nadelgehölze (Koniferen)
•Quittenbaum (Cydonia)
•Reben (Vitis)
•Rosen
•Steinobstbäume (Aprikose, Kirsche, Mandel, Pfirsich, Pflaume und Zwetschge) und alle Zierformen der Gattung Prunus
•Weissdorn (Crataegus), alle Arten und Sorten
•Wollmispel (Eriobotrya)
•Zier- oder Scheinquitte (Chaenomeles)
•Zitrusgewächse (Citrus)

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE