4.11.2018 18:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Roland Müller
Zürich
20 Jahre Kürbisbeleuchtung
Am vergangenen Freitag- und Samstagabend fand in Rudolfingen die 20. Kürbisbeleuchtung statt. Weit über 1‘000 kunstvoll geschnitzte Kürbisse zogen an beiden Abenden über 10‘000 Besucher in Bann.

Für einmal mehr sorgte am vergangenen Freitag- und Samstagabend das 250 Seelen zählende Dorf Rudolfingen bereits zum 20. Mal für einen ganz speziellen Lichterzauber. Bei eher milden Temperaturen und trockener Witterung erlebten im völlig verdunkelten Dorf über Generationen hinweg Tausende von Besuchern eine eindrucksvolle Ausstellung, welche einmal mehr für Jung und Alt zum eigentlichen Erlebnis wurde.

Praktisch nur flüsternd zogen die Besucher still durch die Dorfstrassen und bewunderten die über 1‘400 liebe- und oftmals sehr kunstvoll geschnitzten leider aber auch vergänglichen Kunstwerke. Viele fragten sich wohl auch oftmals, wie diese Kunstwerke von einer derart grossen Präzision und Genauigkeit angefertigt werden konnten. Zugleich sorgten die zahlreichen Festbeizli und auch Verpflegungsstände dafür, dass der kulinarische Teil rund um den Kürbis nicht zu kurz kam. 

Kein Food Waste

Für das Aushöhlen und Herrichten der Kürbisleuchten setzt man bei den benötigten Kürbissen auf eine doppelte Nutzung, indem man ganz bewusst selber gemeinsam angebaute Speisekürbisse verwendet. Ein Grossteil des beim Aushöhlen anfallenden Fruchtfleisches und teilweise auch die Kerne der auch als „Panzerbeeren“ bezeichneten Feldfrüchte wird als vielseitig verwendbarer Speisezusatz für die verschiedensten an Ständen und in den Festbeizli angebotenen Kürbisspezialitäten eingesetzt und verwendet.

So haben die vielen Gäste einmal mehr in den grossen Genuss in der Rösti, in verschiedenen Wurstwaren oder auch in Lasagne, in Eintopfgerichten, Kebab, Risotto, Hamburger,  und vielem mehr Kürbis geniessen dürfen. Dabei gilt der Kürbis mit seiner Heimat und Herkunft Süd- und Nordamerika eigentlich als Neophyt. Erst mit der Entdeckung der neuen Welt, kam diese einjährige Pflanze nach Europa

Erhalt des Dorfladend als Auslöser

Die Kürbisbeleuchtung geht auf den Erhalt des Volg-Dorfladen in der ehemaligen Zivilgemeinde Rudolfingen, welche zur politischen Gemeinde Trüllikon gehört zurück. Aufgrund des geringen Umsatzes geriet dieser Mitte der Neunziger Jahre in wirtschaftliche Schieflage und nur eine finanzielle Absicherung konnte den Fortbestand dieser durchaus auch als sozial wertvollen Treffpunkt  für das kleine Dorf sicherstellen. Die Bevölkerung erkannte, dass dies nur mit einem zusätzlichen Einsatz der gesamten Dorfbevölkerung möglich war.

Wohl gewährte die politische Gemeinde dem Laden einen jährlich nach oben limitierten Defizitbeitrag. Doch dies nur in Verbindung, wenn sich eine örtliche Institution anteilsmässig ebenfalls beteiligt. So wurde 1997 der Ladenverein gegründet. „Da aber die Mitgliederbeträge nicht ausreichten, den nötigen Betrag an das Defizit aufzubringen, suchten wird eine zusätzliche Einnahmequelle“, schreibt die in den heutigen Dorf-Ladenverein überführte Institution. Man war sich bewusst, dass Adventsfenster, Bazars oder andere Aktivitäten bereits vorhanden waren, so dass man nach etwas neuem suchte.

So kam 1999 die erste Kürbisbeleuchtung auf der Dorfstrasse mit mehreren Hundert Kürbisleuchten zu Stande. Zugleich sorgten kleinere Festbeizli und Verpflegungsstände für den kulinarischen Teil. Damit konnte gleich ein direkter und indirekter finanzieller Beitrag an den Dorfladen geleistet werden. Einerseits sind seither Festwirtschafts- und Standbetreiber angehalten, ihre Einkäufe für den Event (siehe Kasten) im Dorfladen zu tätigen und somit für einen Mehrumsatz sorgen.

In der Zwischenzeit ist dieser Anlass, welcher jeweils am ersten Freitag und Samstag im November stattfindet zu einem kleinen Kult geworden, welcher bis heute nichts an Attraktivität, Beliebtheit und Begeisterung eingebüsst hat.  Zugleich liefern alle 10% des Gewinnes in die Vereinskasse ab. In den letzten Jahren konnte der Verein insbesondere durch die eingenommenen Parkplatzgebühren weitere Projekte wie eine Grillstelle oder auch ein neues Parkplatzregime vor dem Laden Mitfinanzieren. 

 

Über Halloween zurück nach Europa

Der Ursprung von den heutigen Kürbislichtern in der Tradition des keltischen Samhain-Festes in der Nacht zum 1. November zu suchen, welches in Irland und England mit Lichtern zelebriert wurde und im direkten Zusammenhang mit der Christianisierung stand.  Irische Auswanderer nahmen diesen Brauch in die neue Welt mit, wo nun die Kürbisse ins Spiel kamen.

Für das Anfertigen dieser Lichter wurden ausgehöhlte Kürbisse verwendet in den Halloween überführt. Dieser kam nicht zuletzt auch dank dem durch die Jucker’s Farmart ausgelösten Kürbisboom wieder zurück nach Europa und somit in die Schweiz. Diese dabei in Übersee verwendeten Kürbisse wurden mit verschiedenen Fratzen verziert und von innen heraus mit einer Kerze beleuchtet.

Dabei ist auch eine Sage und legende im Spiel, welche diese Leuchten auch als  „Jack O’Lantern“ bezeichnen. Diese besagen, dass ein alter Ire namens Jack mehrfach den Teufel austrickste und diesem das Versprechen abnahm, niemals seine Seele zu holen. Da Jack in seinem Leben jedoch ein Streit- und Trunkenbold war, blieb ihm nach seinem Tod die Himmelstüre versperrt.

Aufgrund des Versprechens, verwehrte ihm auch der Teufel den Einlass. Er schenkte dem zum herumgeistern verdammten Jack jedoch glühende Kohlen zum Wärmen und Leuchten auf dem dunklen Weg. Dieser steckte die Kohlen in einen als Wegzehrung mitgeführten und ausgehöhlten Kürbis. Und dieser soll bis heute jedes Jahr um diese Zeit den toten Seelen den Weg nach Hause leuchten.


SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE