26.08.2017 06:16
Quelle: schweizerbauer.ch -
Früchte
300 seltene Beerensorten gedeihen auf 10 Aren
In der Nationalen Beerensammlung in Riehen BS finden Stachel-, Him-, Brom-, Erd- und Johannisbeeren ihren Platz. Sie ist Schaugarten und gleichzeitig auch eine Erhaltungs- und Sichtungssammlung.

Beeren, so weit das Auge reicht. Auf gut 10 Aren gedeihen die süssen Früchte. Rund 300 verschiedene Sorten sind es am Standort in Riehen BS in der Nationalen Beerensammlung (NBS). Auf zusätzlichen Parzellen in der Region stehen noch rund 300 weitere Sorten. Das Besondere: Sie sind alle selten und bedroht.

Schaugarten für Besucher

«Die Nationale Beerensammlung ist in erster Linie ein Schaugarten, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist», sagt Claudio Niggli, Projektleiter Beeren bei Pro Specie Rara.

Interessierte Personen können den Garten jeweils von Mitte Mai bis Mitte Juli besuchen und von geführten Rundgängen mit dem Beerenexperten Martin Frei profitieren. «Zusätzlich zum Schaugarten ist die NBS auch eine Erhaltungs- und Sichtungssammlung», fährt Niggli fort.  Hier werden alte Sorten beobachtet, beschrieben und erfasst.  Es erstaunt deshalb nicht, dass sich auf der Parzelle in Riehen BS auch Pflanzen befinden, die dem nationalen Bundesprojekt zur Erhaltung der genetischen Ressourcen angehören. 

Mit der Zeit gewachsen

Die Beerenpflanzen gehören der Stiftung Pro Specie Rara (siehe Kasten), die Parzelle, auf der sich die NBS befindet, ist in Privatbesitz, und das Projekt wird zu einem grossen Teil von der Margarethe-und-Rudolf-Gsell-Stiftung getragen. Auffällig ist das unterschiedliche Alter im Bestand. «Der Garten ist mit der Zeit gewachsen. Es sind laufend neue Pflanzen dazugekommen», erklärt der Projektleiter.  

Pro Specie Rara

Pro Specie Rara (PSR) ist eine schweizerische nicht profitorientierte Stiftung. Sie wurde 1982 gegründet, um gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren und zu erhalten. Spiegelschafe, Wollschweine, Rote Gartenmelde, Gelbmöstler und viele andere beleben seither wieder Felder, Höfe und Wiesen. 

Angefangen hat alles mit Stachelbeeren im Jahr 1997, als eine private Stachelbeersammlung aufgelöst wurde. Um die Genetik nicht zu verlieren, hat man die Sträucher nach Riehen umgesiedelt.  Die Beerensammlung wurde dann schliesslich 2002 offiziell eingeweiht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Anbau alter Sorten

Seitdem wird an dem Standort in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit für alte Beerensorten und für Pro Specie Rara gemacht. Die Sammlung dient auch als Beratungsplattform:

Privatgärtner, aber auch Professionelle können sich Tipps und Tricks zum Anbau alter Sorten abholen und deren Früchte gegebenenfalls auch gleich degustieren. 

Wichtige Beerengärten 

«Damit man die alten Beerensorten langfristig erhalten kann, braucht es eine Kombination von verschiedenen Massnahmen», sagt Niggli. Dabei spielt die zentrale Absicherung in Form einer Freilanderhaltung, wie sie in Riehen stattfindet, aber auch in Folientunnels und im Labor auf Nährmedien eine wichtige Rolle.   Ein weiteres Standbein ist die dezentrale Absicherung in Form von Beerengärten, die von Privatpersonen und öffentlichen Institutionen betrieben werden.  

Die Pflanzenbestände dieser externen Beerengärten werden ebenfalls erfasst und in einer Datenbank verwaltet. Zurzeit will man vor allem das Sortenangebot in Gärtnereien und Baumschulen ausbauen, damit interessierte Leute innert nützlicher Frist zu ihren Pflanzen kommen können. «Wir sind auch auf der Suche nach privaten Anbietern, welche die Pflanzen betreuen und Steckhölzer, Ausläufer oder Absenker an Interessierte weitergeben können», betont Niggli. Zurzeit würden alte Sorten vor allem in Privatgärten kultiviert, grossflächig werde bisher noch nicht gearbeitet. 

Anbau erweitern

Der Kauf grösserer Pflanzenmengen für Anbauer ist üblicherweise nur auf Vorbestellung möglich. Der professionelle Anbau seltener Beeren soll zukünftig ausgebaut werden, denn eine breite Nutzung der alten Sorten garantiert deren Überleben nicht nur als Pflanze, sondern auch in den Köpfen der Menschen.

Niggli sieht aber eine Chance für die Zukunft nicht nur direkt in Kulturen, sondern vor allem auch, wenn es um Neuzüchtungen geht: «Das breite genetische Potenzial alter und züchterisch weniger stark bearbeiteter Sorten ist wertvoll», meint er.

Beerensammlung

Die Beerensammlung von Pro Specie Rara in Riehen ist eine einzigartige schweizweite Vergleichssammlung. Auf einem Privatgrundstück werden seit 1997 systematisch alte und seltene Beerensorten gesammelt. Hier findet man Raritäten wie zum Beispiel die weisse Erdbeere «Weisse Ananas» und die schwarze Himbeere «Bristol». 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE