29.01.2018 10:55
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Aargau
600 Aprikosenbäume im Tunnel
Vor vier Jahren gründete Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg mit den beiden Seetaler Bauern Robert Siegrist und Urs Baur eine Interessengruppe für den Anbau von Aprikosen. Nun rückt der Bau von zwei grossen Plantagen im Seetal AG näher.

Sollte alles wie geplant klappen, können im kommenden Herbst oder Winter in Seengen und Egliswil bis zu 600 Aprikosenbäume gepflanzt werden, schreibt die Aargauer Zeitung in einem Bericht. Das Vorhaben ist aber durchaus anspruchsvoll. Der Jahrhundertfrost im vergangenen März vernichtete damals auf einen Schlag rund 95 Prozent aller Aargauer Aprikosen.

Dies sei aber kein Grund, sich davon entmutigen zu lassen, meint Urs Baur vom Egliswiler Eichhof. Die grössten Sorgen in der Region würde ihnen die Feuchte bereiten. «Im Freilandanbau verursacht sie in unserer Gegend einen Ausfall von etwa 20 Prozent der Bäume. In den grossen Anbaugebieten im Wallis und in Frankreich liegt der Baumausfall nur bei etwa 5 Prozent», wird Urs Baur in der Aargauer Zeitung zitiert.

Selber anbauen statt kaufen

Weil die Frau von Robert Sigrist, Ursula, sehr gerne Aprikosen mag, diese aber nicht mehr im Detailhandel kaufen wollte, pflanzten die beiden zum Ausprobieren 30 Bäume an. Der Aprikosenanbau gestalte sich im Freiland sehr schwierig. Es sei zu feucht und das Wetter zu unberechenbar. Kleine Temperaturschwankungen würden reichen, verfrühtes Spriessen in einer kalten Nacht zum Absterben der Blüten zu bringen.

Aprikosen seinen bedeutend heikler als anderes Steinobst. Werfe ein Baum in einem Sommer 20 Kilo Aprikosen ab, könne dieser im nächsten Sommer mit lediglich fünf bis sechs Früchten behangen sein.

Folientunnel als Lösung


Nun sollen Folientunnel die Probleme lösen. Und so unternahmen die Bauern gemeinsam mit Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg eine Reise an das deutsche Ufer des Bodensees. Dort wurden die drei auf diese Methode aufmerksam gemacht. Unter den langen transparenten Kunststoffbahnen der Folientunnels sind die Bäume wettergeschützt und können bei Bedarf deutlich einfacher beheizt werden als unter freiem Himmel.

Frost, Feuchte und Regen, welcher zur Reifungszeit die Früchte beschädigen kann, sind damit kein Problem mehr. Die beiden Bauern Robert Siegrist und Urs Bauer wollen im kommenden Sommer mit dem Bau einer solchen Anlage beginnen. Inzwischen sind sie mit diesem Unterfangen nicht mehr allein.

Die IG hat Zuwachs bekommen

Die Interessengemeinschaft um Daniel Schnegg ist mittlerweile im ganzen Kanton vernetzt. Neun Aargauer, ein Zürcher Bauer und mehrere Spezialisten machen inzwischen mit. Mit diesen Spezialisten werden verschiedene Anbaumethoden und Möglichkeiten bei der Zucht und Veredelung erforscht. Mittlerweile verfügt die Interessengemeinschaft über viel Know-how in diesen Bereichen.

Das zertifizierte Pflanzenmaterial fürs Seetal wird im Wallis eingekauft und anschliessend im Aargau gezüchtet und weiter aufgewertet. «Wir wollen möglichst viel von der Wertschöpfungskette hier im Kanton haben», sagt Schnegg der Aargauer Zeitung gegenüber. Widerstandsfähige Bäume mit grossen, aromatischen Früchten sollen das Resultat der Arbeit sein.

Absatz scheint kein Problem zu sein

Schnegg macht sich über den Absatz der Aprikosen keine Sorgen. Dorfläden, Verkauf ab Hof sowie die Märkte in Aarau und Lenzburg könnten seiner Einschätzung nach schon reichen, um die Seetaler Aprikosen regional abzusetzen. Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft ist keine Früchtesaison in der Schweiz so kurz wie die von Aprikosen und Nektarinen. Die Erntesaison der meisten in der Schweiz angebauten Apfelsorten beträgt mindestens sieben Monate.

Um mit den schnell reifenden Aprikosen überhaupt auf zwei bis drei Monate zu kommen, kaufen die Seetaler Bauern gleich sechs verschiedene Sorten ein. 2000 Aprikosenbäume gibt es im Kanton Aargau. Die Anbaufläche von 2,7 Hektare ist in den letzten drei Jahren um 130 Aren gewachsen. Das Projekt der Gruppe um Daniel Schnegg wird den Bestand um weitere tausend Bäume ansteigen lassen. Allein 600 Bäume pflanzen die beiden Seetaler Bauernhöfe an. Für das Unterfangen werden extra Marienkäfer aus Andermatt angeliefert. Diese sollen eine der letzten Gefahren bannen: Läuse, die Leibspeise von Marienkäfern.


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