6.09.2020 11:59
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/mge
Deutschland
Aquaprodukte haben Potenzial
Die als Aquakultur bezeichnete kontrollierte Erzeugung von Fischen, Muscheln, Garnelen oder Algen ist in Deutschland kaum verbreitet, hat aber Potential.

Wie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) am Dienstag in seinem „IGB Policy Brief“ ausführte, wird derzeit in Deutschland weniger als 3 % des Fischkonsums durch die heimische Aquakultur abgedeckt, womit die im Rahmen des „Nationalen Strategieplans Aquakultur“ (NASTAQ) bis 2020 gesetzten Produktionsziele klar verfehlt würden.

Genügend Ressourcen

Die Folge sei eine starke Importabhängigkeit, wobei der Nutzungsdruck auf aquatische Ökosysteme und mögliche Umweltfolgen ins Ausland verlagert würden. Den Forschern des IGB zufolge verfügt Deutschland prinzipiell über genügend Ressourcen wie Wasser, Fläche, Technik, Know-how und Kaufkraft, um die eigene Produktion von Speisefischarten für den Binnen- und Exportmarkt mit nachhaltigen Verfahren deutlich zu erhöhen.

Potential wird insbesondere bei landbasierten, teilweise geschlossenen Kreislaufanlagen (KLA) gesehen, die auch in andere bestehende Produktionskreisläufe - wie Energie-, Wasser-, Wärme- und Kälteversorgung - integriert werden können. Ob eine nachhaltige Aquakultur in Deutschland aber eine Zukunft habe, sei jedoch keine rein technisch oder wissenschaftlich zu lösende, sondern auch eine gesellschaftliche und politische Frage, stellten die Wissenschaftler fest.

Höhere Zahlungsbereitschaft ist ein Muss

So würden Aquaprodukte aus heimischen Kreislaufanlagen wegen Investitions-, Energie- und Fachpersonalkosten einen höheren Preis haben als günstige Importe, bei denen oft Umweltkosten ins Ausland verlagert seien. „Ohne höhere tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Handel und Konsumenten wird sich diese Form der Aquakultur voraussichtlich nicht flächendeckend in Deutschland durchsetzen können“, erklärte IGB-Forscher Dr. Fabian Schäfer.

Eine weitere Herausforderung bestehe darin, das Verbraucherverständnis für eine Fischhaltung in technischen Systemen zu erlangen, denn natürliche oder in die Natur eingebettete Produktionssysteme würden emotional häufig als „stimmiger“ wahrgenommen. „Insgesamt zeigt die Situation, dass eine öffentliche und politische Diskussion über die Ansprüche an und Vorstellungen von moderner und nachhaltiger Aquakultur geführt werden muss“, betonte der IGB-Abteilungsleiter für Ökophysiologie und Aquakultur, Prof. Werner Kloas. Dabei gehe es vor allem um Vorbehalte und Anregungen aus der Gesellschaft.

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