17.09.2020 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/mgt
Nischenproduktion
Bald Mandeln in der Schweiz?
Mandeln könnten künftig auch in der Schweiz angebaut werden. Welche Potenziale besteht für den Anbau und den Absatz? Erste Antworten liefern Forschende von Agroscope in Zusammenarbeit mit Vertretern aus Praxis und Verwaltung, unterstützt von der Fondation Sur-la-Croix.

Auf der Suche nach Optionen für die Zukunft untersuchten Agroscope-Fachleute das Potenzial der Mandel für einen Anbau in der Schweiz. Der Hochstamm-Feldobstbau bietet viele zwar ökologische Vorteile, steht aber wirtschaftlich unter Druck.

Die Forscher befragten in- und ausländischen Fachleuten aus Forschung, Praxis und Markt. Zudem wurden Literaturrecherchen Informationen und Erfahrungen zusammengetragen und auf das Anbaupotenzial für die Schweiz ausgewertet.

Gibt bereits Betriebe

Das Fazit der Forscher fällt verhalten optimistisch aus: Gemäss Agroscope gibt es bereits mehrere Betriebe, die Mandeln in der Schweiz mit (kleinem) Ertrag anbauen. So gibt es mindestens zwanzig Betriebe, die über 330 Mandelbäume gepflanzt haben.  "Diese Betriebe unterstreichen, dass gerade die zu erwartenden Klimaveränderung mit steigenden Temperaturen und vermehrter Trockenheit das Potenzial für den Mandelanbau stetig erhöhen", halten die Forscher in der Mitteilung fest.

Auch am Markt gibt es Potenzial. Die «Schweizer Mandel» als Produkt können sich einige Abnehmer gut vorstellen. Als wirtschaftliche Einschränkungen wurden hohen Ernte- und Kulturführungskosten, die sich im Hochstamm-Anbau ergeben, genannt. Darüber hinaus wurden Bedenken laut, dass die Schweizer Mandeln preislich nicht mit Importware konkurrieren können und auch keinen Schutz durch Importzölle haben, wie dies bei Aprikosen, Kirschen, Pflaumen, Äpfeln und Birnen der Fall ist.

50 bis 100 Bäume pro Hektare

In der Plantagen-Produktion wird mit einer durchschnittlichen Produktionsdauer von 20 bis 25 Jahren kalkuliert. Im Hochstamm-Feldobstbau werden etwa 50 bis 100 Mandelbäume pro Hektare gepflanzt. Bei einer Neuanlage müssen für das Pflanzenmaterial etwa 90 bis 140 Franken pro Hochstamm kalkuliert werden.

Die Ernte erfolgt im September bzw. Oktober. Die Mandeln können mittels Herunterschlagen oder Schüttler geerntet werden. In Frankreich wird mit einem durchschnittlichen Ertrag von 1000 kg Mandelkerne pro Hektare gerechnet. In Spanien erreichten 2018 einige Plantagen eine durchschnittliche Produktion von über 2000 kg Mandelkerne pro Hektare.  Schweizer Mandeln werden bisher noch nicht am Markt gehandelt. Produktpreise für Importmandeln belaufen sich zwischen 15 Franken pro kg Mandeln mit Schale  bis 56 Franken pro kg Kerne ohne Schale. 

Sortenprüfung mit zwanzig Mandelsorten

Es sind also noch viele Fragen zu klären: Vom optimalen Standort, den geeigneten Sorten, der optimalen Kulturführung, einer angepassten Strategie bezüglich Management und Verarbeitung bis hin zum Absatzmarkt. Dank des Projekts gebe es bereits erste Massnahmen, um Wissen zu vertiefen und weiterzugeben, heisst es weiter.

An einer Informationsveranstaltung gab es einen Austausch zwischen Praxis, Forschung, Handel und Verwaltung. Darüber hinaus wird das Agroscope-Steinobstzentrum Breitenhof eine Sortenprüfung mit zwanzig Mandelsorten starten.

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