13.07.2017 14:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Lisa Gysin/lid
Biodiversität
Biodiversität: Projekt erfolgreich
Das Biodiversitäts-Projekt "Mit Vielfalt punkten" ist abgeschlossen. Die getroffenen Massnahmen brachten messbare Verbesserungen für die Artenvielfalt.

Die roten Listen zeigten, dass ein Drittel aller heimischen Arten und fast die Hälfte aller Lebensräume gefährdet seien, so Projektleiter Lukas Pfiffner vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) an einer Tagung zum Abschluss des gemeinsamen Projekts mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. So habe der Index der Brutvögel in den letzten 25 Jahren um mehr als 25 % abgenommen. Eine Ursache dafür sei der Mangel an Biodiversitäts-Flächen in ausreichender Qualität.

In der Schweiz wird rund ein Drittel der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Trotz Umweltagrar-Massnahmen seit 1990 nehme die Artenvielfalt in der Schweiz in vielen Landschaften immer weiter ab und Populationen stürben aus, sagt Pfiffner. Die ökologische Tragfähigkeit der Landwirtschaft sei überschritten, so die Vizedirektorin des Bundesamts für Umwelt Franziska Schwarz an der Abschlussveranstaltung des Projekts MVP.

Neue Instrumente und Beratungen für Landwirte

Mit dem Projekt MVP versuchten das FiBL und die Vogelwarte, neue Instrumente für Landwirte und Berater zu entwickeln sowie gesamtbetriebliche partizipative Beratungen anzubieten. Dazu wurde ein Punktesystem entwickelt, das ein Mass für die Biodiversität eines Betriebes darstellt. Im Rahmen des Projektes wurden 2009 22 Betriebe beraten und ihre Entwicklung bis 2016 verfolgt. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit IP-Suisse und Bio Suisse durchgeführt.

Bei den ausgewählten Landwirtschaftsbetrieben wurden zuerst die verschiedenen Kulturen sowie die Biodiversitätsförderflächen (BFF) und die naturnahen Lebensräume erfasst. Danach konnten die Anzahl verschiedener Arten und deren Häufigkeit festgehalten werden. Das Projekt beschränkte sich vorwiegend auf die Umweltziele Landwirtschaft (UZL-Arten). Nach sechs Jahren zeigte sich deutlich, dass beratene Betriebe mehr und qualitativ wertvollere BFF anlegten, als die nicht beratenen Betriebe (siehe Infografik)

Zudem wurde ein Handbuch mit Praxistipps angefertigt sowie eine Online-Plattform mit konkreten Massnahme-Vorschlägen für Leitarten erstellt. Der Bauer kann sich informieren, was er konkret unternehmen kann, um die Chancen für das Vorkommen gewisser Arten auf seinem Hof zu erhöhen. Das Projekt zeigte deutlich, dass die Massnahmen der Natur und den Landwirten sichtbare und messbare Mehrwerte bringen.

Biodiversität soll schon bei der Ausbildung anfangen

"Das Verständnis für Biodiversität muss bereits vor der Beratung, sprich bei der Ausbildung verankert werden", sagt Bruno Cabernard, Leiter Nachhaltigkeit bei Coop. Dass lediglich 0,25 % der Ausbildungszeit über Biodiversität gelernt wird, sei schockierend. Diesen Punkt unterstützt auch Markus Ritter. Er sagte, Biodiversität sollte ein Grundbildungsfach sein - dafür wolle er sich einsetzen.

Biodiversität lohnt sich

SP-Nationalrat Beat Jans betonte, dass nicht nur die Biodiversität zunehme, sondern es sich auch finanziell für die Betriebe lohne, auf Artenvielfalt zu setzen. Er könne deshalb nicht verstehen, weshalb dies nicht bei allen Betrieben ankomme. Es gebe aber auch Fälle in denen Bauern hohe Zuschläge für Biodiversität erhalten würden, selbst aber gar nicht mehr produzieren - dies dürfe auch nicht sein, so Jans. Dass die Bauern sehr wohl merkten, dass es sich lohnt, sagte Bauernverbands-Präsident Markus Ritter. Dies zeige sich in der Zunahme der BFF seit der Einführung der Agrarpolitik 14-17.

Die Auswertung des Langzeitprojektes ergab, dass das Punktesystem ein geeignetes Instrument ist, um Biodiversität zu messen. Es sei recht einfach und zudem problemlos von Landwirten oder Beratern auszufüllen, so Judith Zellweger-Fischer, eine Mitarbeiterin im Projekt MVP.

Nachhaltigkeitslabel in Zukunft weiter fördern

Es zeigte sich jedoch, dass auf vielen Betrieben die Rote-Listen-Arten fehlten und diese nur wenig mit der erreichten Punktezahl korrelierten. Somit könne man mit dem entwickelten Punktesystem nicht direkt Rote-Liste-Arten fördern. Dazu brauche es andere spezifische Massnahmen. Fritz Rothen, Geschäftsführer der IP-Suisse, erläuterte wie gut das Punktesystem bei IP-Suisse funktioniert. Der Schnitt lag 2016 bei 23,45 Punkten - vorgeschrieben wären nur 17 Punkte. Dies zeige, dass sich die Bauern auch auf freiwilliger Basis noch weiter engagierten, so Rothen.

Trotzdem sei das Thema Biodiversität noch sehr weit weg vom Konsumenten, so Manfred Bötsch, Leiter Nachhaltigkeit der Migros und ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Deshalb sei es schwer, die Konsumenten für diese Produkte zu sensibilisieren. Zukünftig will er das Nachhaltigkeitslabel weiter fördern und vor allem auch weiterentwickeln. Es sei wichtig, den Bauern wieder Freude bei der Arbeit zu geben, indem ihnen aufgezeigt werde, welchen Impact sie hätten. Auch müsse das Verständnis beim Konsumenten geweckt werden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE