29.11.2016 12:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Zibelemärit
Bis zur letzten Zwiebel
Wenn die Bise durch die Gassen zieht, bunte Konfetti auf der Strasse tanzen, der Kaffee durch Glühwein ersetzt wird und zahlreiche Leute zu Frühaufstehern werden, dann ist in Bern wieder der «Zibelemärit».

Der Berner «Zibelemärit» gehört zum Schweizer Kulturgut und ist zur Tradition geworden. Genau diese Tradition motiviert Markus Löffel immer wieder, mit seinen sorgfältig geflochtenen «Zibelezöpfen» nach Bern zu kommen und das schon zum 36. Mal.

«Mir geht es darum, die Tradition zu erhalten», erklärt der Gemüsebauer aus Müntschemier BE. Eine Tradition, die er von seinem Vater übernommen hat und gerne an seine Kinder weitergeben möchte. «Es steht aber noch offen, ob sie das später weiterführen wollen oder nicht», so Löffel.  

2 Wochen lang  «zöpfeln»

Die kunstvollen Zöpfe  werden nämlich alle von Hand geflochten – und das braucht Zeit.  «Zwei Wochen brauchen wir, um die 600 kg Zwiebeln für Bern zu flechten», so Löffel. Das Flechten sei der schöne Teil der Arbeit, davor müsse man die Zwiebeln aber zuerst einmal ernten und vor allem reinigen.

Angebaut werden sie aber nicht mehr auf dem eigenen Land. Vor 16 Jahren hat der Gemüsebauer sein Land verpachtet. «Unsere Fläche war zu klein, wir hätten Land dazukaufen oder uns mit anderen Gemüsebauern zusammenschliessen müssen», erklärt Löffel.  

Land von Witzwil BE

Nun gedeihen seine Zwiebeln auf dem Boden des grössten Landwirtschaftsbetriebs der Schweiz, der Strafanstalt von Witzwil. «Ich pachte für meinen Zwiebelanbau eine kleine Fläche  auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Anstalt.» Seit er vor 16 Jahren seinen eigenen Betrieb verpachtet hat, ist Markus Löffel in Witzwil für den Gemüsebau und die Versorgung der Küche und des Hofladens mit Gemüse zuständig.

Die Pacht komme ihm sehr entgegen, da er auch die vorhandenen Maschinen benutzen dürfe. Zurück zum Zibelemärit: Über die Jahre habe die Grösse des Marktes abgenommen, es gebe weniger Anbieter. Die Anzahl Helfer an seinem Stand sei ebenfalls gesunken. «Früher waren wir 35 Leute, heute noch rund 6», bestätigt Löffel. Am Tag des «Zibelemärit» sei jeweils  um halb zwei Uhr  Tagwach. Der Kaffee werde noch zu Hause getrunken, bevor es auf den Markt gehe.

Preispolitik durchziehen

Wann dieser beendet ist, entscheiden die Käufer. «Wir bleiben  so lange, bis die letzte unserer Zwiebel verkauft ist», so  Löffel. Das sei Ehrensache, genauso wie die Preispolitik. «Wir schreiben unsere Preise fix an und ziehen sie bis zum Schluss durch», betont Löffel. Alles andere wäre nicht fair gegenüber den Kunden, die früh am Morgen gekommen seien.

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