16.04.2020 12:18
Quelle: schweizerbauer.ch - khe
Coronakrise
«Das Hin und Her macht uns wütend»
Wegen der Corona-Krise sind Selbstpflückfelder mit Blumen geschlossen. Nicht überall wird die Regelung gleich strikt eingehalten. Das ist für Familie Bucher aus Meikirch BE kaum nachvollziehbar.

Man könnte meinen, während einer Krise seien fröhliche Farbtupfer wichtiger denn je. Doch dem scheint nicht so zu sein.

Abstand problemlos einhaltbar

Während des Lockdowns kommt niemand drum herum, öffentliche Einrichtungen, die nicht der Deckung des alltäglichen Lebensbedarfs dienen, zu schliessen. Auch die Blumenhändler nicht. Egal, ob draussen oder drinnen. Keine Ausstellungen, kein Markt und auch keine Selbstpflückfelder.

Für die Familie Bucher aus Meikirch BE ist die Regelung nur schwer zu verstehen. «Auf dem Feld können Kunden problemlos Abstand voneinander halten», gibt Markus Bucher zu bedenken. «Der Grossteil schneidet die Blumen mit dem eigenen Messer. Hat also keinen Kontakt mit fremden Gegenständen. Auch zahlen die Kunden bar oder mit Twint und stehen keiner Verkäuferin gegenüber.» 

Regel nicht einheitlich

Buchers Sohn setzte sich beim Kanton, seinem Arbeitgeber, für eine Sonderregelung ein. Mit Erfolg. Mit schriftlicher Bewilligung durften Buchers kurze Zeit später die Absperrbänder um die blühenden Tulpen wieder entfernen. Wer jedoch denkt, damit sei die Sache erledigt gewesen, liegt falsch. Gärtnereien und Floristen reagierten. Sie fühlten sich ungleich behandelt, worauf das Bundesamt Blumenfelder ausdrücklich verbot.

Buchers blieb nichts anderes übrig, als ihre Blumen wieder abzusperren. Fortan erzählten Kunden und Kundinnen von Feldern, auf denen Landwirte weiterhin pflücken liessen. «Offenbar griff die Polizei nicht überall gleich streng durch», so Buchers Eindruck. Sie wagten einen neuen Versuch – und wieder stand die Polizei da. Mittlerweile hatten Buchers ihr Feld zweimal geöffnet und dreimal wieder geschlossen. «Das ganze Hin und Her macht uns wütend», so Bucher, «ich bin nicht gegen das Schliessen, aber dann sollen überall die gleichen Regeln gelten.» 

Bestellen lohnt sich nicht

In der Zwischenzeit haben Buchers auf Abholservice umgestellt. Die Tulpen verblühen lassen, das wollen sie nicht. Und Abholen ist erlaubt, obwohl die Ansteckungsgefahr dabei wahrscheinlich grösser ist als beim Selberpflücken. Die Kunden stehen beim Warten nämlich weder weiter voneinander entfernt noch vermeiden sie Kontakte. Durch das Übergeben der Blumen entsteht gezwungenermassen ein Austausch, der beim eigenhändigen Schneiden auf dem Feld nicht entstehen würde. 

Trotzdem: Buchers halten sich an die Regeln. Auf Bestellung pflücken nun sie die Tulpen und stellen diese auf dem Feld zum Abholen bereit. Das, für einen Franken pro Stück. Denselben Betrag, den eine Tulpe beim Selbstpflücken kosten würde. «Finanziell lohnt sich der Aufwand für uns nicht», sagt Bucher. «Es ist eine Dienstleistung für unsere Kunden, die Jahr für Jahr bei uns Blumen kaufen. Der Aufwand für die Administration, die Telefonate, das Pflücken und Bereitstellen ist enorm. Und wir wurden schlichtweg mit Aufträgen überfahren. Wir sagten Bestellungen ab, weil uns die Zeit und die Ware dafür fehlten – an einem Tag waren es 800 Tulpen.»

Baldige Lockerung

Damit die Arbeiten auf dem Hof nicht zu kurz kommen, nehmen Buchers nun nur noch an zwei Tagen Bestellungen an. Die Familie erhofft sich, dass der Bundesrat die Einschränkungen gelockert haben wird, wenn Bartnelken, Glockenblumen und Pfingstrosen blühen. «Wir werden wohl zu den Ersten gehören, die nach dem 26. April wieder öffnen dürfen», sagt Bucher zuversichtlich.

Der Betrieb

Der Bucherhof umfasst 54 ha, davon 20 ha Wald und 34 ha LN. Nebst Rindviehmast setzt der Betrieb auf Spezialkulturen wie Kürbisse, Weihnachtsbäume und Selbstpflück-Blumenfelder – 30 und 50 Aren in Zollikofen und Münchenbuchsee. khe

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