18.12.2015 08:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St.Gallen
Dem Obst auf die Sprünge helfen
Der Obstkonsum nimmt europaweit stetig ab. An der St. Galler Obstbautagung waren sich die Fachleute einig, dass dieser Trend vor allem über die Qualität und neue Ideen gestoppt werden kann.

Helwig Schwartau von Agrarmarkt Informationsgesellschaft Hamburg stellte an der St.Galler Obstbautagung in Mörschwil SG nüchtern fest: «Der Obstkonsum in Europa geht zurück, bei den Äpfeln in Deutschland zum Beispiel um jährlich fünf Prozent.» Gründe dafür sah er unter anderem darin, dass junge Menschen neue Konsumgewohnheiten hätten.

Auch gehe der Konsument nicht mehr so oft in den Laden und kaufe Obst. Wenn, dann wünsche er kleinere Verpackungen. Doch nicht überall gelte dieser Rückgang. Premium-Sorten wie zum Beispiel  Pink Lady würden vermehrt konsumiert. Auch Kirschen seien immer mehr gefragt.

Qualität produzieren

Seine Lösung heisst Qualität. «Egal, ob Premium- oder Standardsorten, der Konsument ist bereit, für gute Qualität mehr zu bezahlen», betonte er. «Wir können also die Wertschöpfung durch hochpreisige Sorten erhöhen. Zudem haben die Regionalität und die Nähe zum Produkt eine grosse Bedeutung.»

Entscheidend sei das Sortiment, das in Bezug auf Farbe, Geschmack und Grösse auf die Bedürfnisse der Konsumenten abgestimmt werden müsse. Es gelte auch, den Exportmarkt ausserhalb von Europa weiterauszubauen. Bei all dem seien neue Ideen und eine neue Positionierung gefragt, um dem Obst auf die Sprünge zu helfen.

Neugierde wecken

Welche weiteren Massnahmen neben der Qualität helfen könnten, versuchte ein Podium zu ergründen. Vonseiten  Handel betonte Marc Wermelinger von Swisscofel, dass man die Lust auf den Apfel fördern müsse. Mit geschickten Promotionen sollte die Neugierde auf die Frucht geweckt werden, auch bei Spontankäufern. Er sprach sogar von «sexy» Werbung.

Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbandes, nannte es «frisch und frech» mit Betonung auf  die Gesundheit. Einig waren sich die Fachleute über die Chancen von Premium-Sorten. Benno Neff, Geschäftsführer der Tobi Seeobst AG, warnte allerdings vor einer Verzettelung mit zu vielen Sorten. Rico Lehmann, Präsident des St.Galler Obstverbands, sah Potenzial bei den Kirschen, wobei ebenfalls die Qualität entscheidend sei.

Zu viele Mostbirnen

In seiner Beurteilung zum Bestand an Lagerobst war Georg Bregy mit 59000 Tonnen Ende November zufrieden (Zielmenge 57000 Tonnen). Das bedeute, dass der Absatz gut verlaufen sei, sagte er. Beim Mostobst wies er auf die rund 65570 Tonnen Mostäpfel hin, was den Bedarf decke.

Die 11280 Tonnen Mostbirnen stufte er allerdings als viel zu hoch ein. Im Bereich Pflanzenschutz müsse bei der Bekämpfung des Feuerbrands und der Kirschessigfliege weitergeforscht werden. Beteiligt sei auch der Kanton St.Gallen, ergänzte Richard Hollenstein von der Fachstelle Obstbau. Zudem arbeite der Bund einen nationalen Aktionsplan zur Risikoreduktion bei Pflanzenschutzmitteln aus.

 

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