13.02.2013 17:41
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/spu
Obstbaumwettbewerb
Der grösste bekannte Kirschbaum der Schweiz
Zusammen mit Michel Brunner (Pro Arbore) lancierte der «Schweizer Bauer» am 24. 10. 2012 einen Wettbewerb, bei dem die dicksten Obstbäume des Landes gesucht wurden. Es gingen höchst beeindruckende Meldungen ein.

Der Wettbewerb animierte viele Bauern, ihre alten Bäume zu vermessen. Das Nachmessen hat sich gelohnt. Michel Brunner besuchte die interessantesten Funde und machte Fotos dieser einmaligen Zeitzeugen. Die Gewinner der drei bedeutendsten Meldungen erhalten je Fr. 100.– Preisgeld. So viel war Michel Brunner die Kenntnis über die letzten alten Obstbäume der Schweiz wert.

Keine seltenen Arten

Teilnahmeberechtigt waren die meisten in Frage kommenden Baumarten, auch seltenere Arten wie Speierling, Kirschpflaume oder Maulbeere (Liste der Arten siehe unten). Interessanterweise handelt es sich bei den Funden ausschliesslich um Kirschbäume. Das hat in erster Linie natürlich damit zu tun, dass viele dieser selteneren Arten im Landschaftsbild verschwunden sind. Erfreulich ist es aber, dass immerhin noch einige alte Kirschen entdeckt wurden.

Kirsche Wollerau 3,75 m

Bauer Mathias Marty besitzt auf seinem Land eine Kirsche der Sorte Mistler, die ursprünglich fast 4 Meter Stammumfang aufweisen konnte und deren Stamm heute nur noch zu zwei Dritteln besteht. Das Einzigartige ist aber nicht nur die Dicke des Stammes, sondern der Aufsitzerbaum. Ein «Aufsitzer» entsteht beispielsweise, wenn ein Vogel einen Kern auf einen hohlen Stamm trägt.

Im Falle dieses Baumes handelt es sich aber um eine Birke. Der Samen ist wohl dank des Windes auf den Baum gekommen. Die Birke wächst praktisch nahtlos aus einer Stammseite und ergänzt geradezu symbiotisch die ansonst nur noch hälftige Krone. So blüht im Frühling nur die eine Kronenhälfte des Baumes weiss, und im Herbst teilt sich der Baum die Farben Rot (Kirsche) und Gelb (Birke).

Kirsche Aesch, 3,95 m

Ein anderer Baum steht auf der Honeriweid in Aesch LU und gehört der Bauernfamilie Huwiler. Eine so urwüchsige Kirsche findet man europaweit nur noch ganz selten. Dieser Baum wurde glücklicherweise frühzeitig zurückgeschnitten, womit die Gefahr eines kompletten Kronenbruchs gebannt wurde. Der Baum ist trotz seines Alters noch sehr vital, und es scheint, als throne er oberhalb des Hallwilersees über der Niederstammanlage.

Kirsche Möhlin 4,13 m

Die letzte Meldung, die einging, war gleichzeitig auch die vielversprechendste. Das Massband überschritt tatsächlich erstmals die 4-m-Marke. Damit ist dieser Rekordbaum der Bauernfamilie Kaufmann die bisher dickste bekannte Kirsche der Schweiz. Erstaunlicherweise ist der Baum noch voll im Saft und hat eine riesige Krone. Das einzige Anzeichen fortgeschrittenen Alters sind zwei Dolden, von denen mindestens eine beim Sturm Lothar abgerissen wurde. Der Baum zeigt aber gute Reaktion und begann an betreffender Stelle zu überwallen.

Pro Arbore sucht weiterhin grosse Bäume  

Mindest-Stammumfang (gemessen auf 1m Höhe ab Boden) beträgt: Apfel 2,45m; Birne 4,05m; Kirsche 3,65m; Pflaumenkirsche 2,50 m; Zwetschge 1,75m; Pflaume 1,45m; Kirschpflaume 2,50m; Mirabelle 2,65m; Aprikose 2,50m; Quitte 2,35m; Kornelkirsche (Tierlibaum) 2,55m; Holunder 2,35m; Rebe 0,75m; Mispel 1,45m; Walnuss 4,65m; Hasel 2,65m. Seltenere Arten: Holzapfel 1,95m; Wildbirne 2,45m; Speierling 2,25m; Weichselkirsche 1,75m; Felsenbirne 0,80m; Maulbeere 2,35m; Mandel 1,30m; Olive 3,50m.

Baumfunde bitte an: Michel Brunner, Bruggackerstr. 38, 8152 Glattbrugg (lindenbaum@gmx.ch).

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