Donnerstag, 28. Oktober 2021
12.09.2021 09:37
Obst

Ein Pfirsich für Likör

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Von: sum
Die blühenden Bäume des Roten Weinbergpfirsichs bereichern den kahlen Rebberg.
Andi Schmid

Der Rote Weinbergpfirsich, eine fast verschwundene Frucht, wird wieder etabliert. Er ist besonders zur Verarbeitung geeignet und gedeiht traditionell in Rebbergen. Dort bereichert er das Landschaftsbild.

Bis Ende 2022 sollen in Schweizer Rebbergen 1000 Bäume des Roten Weinbergpfirsichs gepflanzt sein. Dieses Ziel möchte Andi Schmid erreichen. Der Biobauer führt in Scharans GR einen Betrieb mit Spezialkulturen. Er hat schon beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau und bei Bio Grischun gearbeitet und sich dann 2017 mit seiner Agentur «Realisation Schmid» selbstständig gemacht – und sich quasi dem Roten Weinbergpfirsich verschrieben, einer Frucht, die kaum jemand kennt.

Von 2017 bis 2020 hat er auf seinem Betrieb im Auftrag von Pro Specie Rara eine Einführungssammlung der Roten Weinbergpfirsiche aufgebaut, die Sorten beschrieben und die besten ausgelesen. Nun geht es darum, sie auch zu verbreiten, zu nutzen und so zu erhalten. Mit dem Projekt «Rote Weinbergpfirsiche – alte neue Vielfalt für Schweizer Rebberge», das vom Fonds Landschaft Schweiz unterstützt wird, sollen in den kommenden Jahren neue, in der Schweiz noch weitgehend unbekannte Pfirsichspezialitäten auf den Markt kommen. «Gleichzeitig wird aber auch die Biodiversität gefördert und das Landschaftsbild bereichert», betont der engagierte Pfirsichfachmann.

Durch Samen vermehrt

Doch was ist der Rote Weinbergpfirsich, und was hat ein Pfirsich mit Rebbergen zu tun? Andi Schmid erklärt: «Weinbergpfirsiche sind ursprünglich durch Samen vermehrte Pfirsiche, die traditionell in Rebbergen gepflanzt wurden. Es gibt weiss-, gelb- und rotfleischige Typen. Aus den rotfleischigen Weinbergpfirsichen lassen sich zum Beispiel edle Brände und fruchtig-feinherbe Liköre oder Konfitüren herstellen.»

Natürlich könne man sie auch frisch essen, bestätigt er, «gerade die Roten Weinbergpfirsiche sind aber etwas herb und für die Verarbeitung gedacht, da sie stark behaart sind. Weisse und gelbe Sorten sind etwas milder. Beim neuen Projekt konzentrieren wir uns allerdings auf Rote Weinbergpfirsiche.»

24 Sorten in Sammlung

Dank der Samenvermehrung fand er sehr viele lokale Sorten. In der Sammlung auf Andi Schmids Biohof in Scharans wachsen 24 Sorten aller Farben – für ihn erst der Anfang: «Ziel sind 50 Sorten Weinbergpfirsiche, darunter etwa 15 bis 20 rote.» Selektiert werden diese durch Andi Schmid nach Reifezeitpunkt und Krankheitsanfälligkeit. «Frühblühende Sorten sind gefährdeter für Spätfröste», betont er, «Rote Weinbaupfirsiche sind aber sowieso nur für begünstigte Lagen, in denen auch Reben wachsen, geeignet. Sie sind etwas robuster als Aprikosen.»

Bezüglich der Blüte hebt er besonders hervor: «Speziell ist die Bereicherung der Landschaft. Zur Blütezeit sind die einzelnen oder in kleinen Gruppen gepflegten Roten Weinbergpfirsiche eine Augenweide in den zu dieser Zeit noch kahlen Rebbergen.»

Der Rote Weinbergpfirsich, hier die Sorte Wil, eignet sich vor allem für die Verarbeitung. (
Andi Schmid

1112 Bäume bestellt

Sein Ziel, bis Ende des nächsten Jahres 1000 gepflanzte Bäume zu erreichen, wird Andi Schmid ganz sicher erreichen: «Aktuell sind 1112 Bäume bestellt oder schon gepflanzt. 106 Weingüter vom Waadtland bis in die Ostschweiz haben schon Bäume bestellt, manche nur einen, manche gleich 50 Stück.» Die Baumproduktion läuft über Glausers Biobaumschule in Noflen BE, die fünf Sorten anbietet, gegliedert nach Reifezeitpunkt.

Es gibt etwa die frühen bis mittelfrühen Sorten Wil und Charrat, die etwas spätere Sorte Bioley-Orjulaz oder die späte Nidau. «Die Sorten sind nach ihren Herkünften benannt», erklärt der Fachmann. «Das Sortiment kann sich mittelfristig noch ändern, da wir immer mehr Erfahrungen im Anbau haben. In der Verarbeitung gibt es keine grossen Unterschiede.»

Der Segelfalter steht auf der Roten Liste. Er profitiert von den Weinbergpfirsichen.
Andi Schmid

Seltene Falter

Einen wichtigen Beitrag leisten die Roten Weinbergpfirsiche laut Andi Schmid für die Biodiversität: «Die Raupe des Segelfalters, der auf der Roten Liste steht, frisst an den Blättern der Roten Weinbergpfirsiche. Diese Bäume bieten für viele Tierarten einen Lebensraum in den Reben, die sonst recht eintönig sein können.»

Wenn die 1000 Bäume gepflanzt sind, ist zwar das Projekt abgeschlossen, für Andi Schmid aber soll es weitergehen: «Ich habe Kontakte zu den Produzenten und erhalte auch Rückmeldungen, die mir sehr wichtig sind. Die Produkte, die aus den Roten Weinbergpfirsichen hergestellt werden, sind noch weitgehend unbekannt. Sie können aber für die Weinbauern auch Türöffner sein, um neue Kunden zu gewinnen. Wenn das gelingt, sehe ich noch viel Potenzial.»

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