27.08.2019 06:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Nischenproduktion
Entscheidend ist Wassertemperatur
Hans Mühlheim aus Schwadernau nahe Biel ist passionierter Ackerbauer. Seit fünf Jahren wächst bei ihm Reis.

So wie letztes Jahr müsste es immer sein. Das sehen nicht alle Bauern so. Aber für Hans Mühlheim und sein Reisfeld wäre das ideal. «Die letztjährige Ernte war bei vier Tonnen. Heuer bin ich zufrieden, wenn es eine gibt», gibt Mühlheim zu verstehen.

Heuer zu kalt

Zusammen mit fünf Landwirten hat er die IG Nassreis gegründet, eine Produzentengemeinschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Reisanbau nördlich der Alpen voranzutreiben. Dies hat das Interesse von Agroscope und der Hochschule Hafl geweckt, die die Bestrebungen aufmerksam mitbeobachten. Weitere Interessenten können sich bei ihm melden.

Weshalb wird die Ernte dieses Jahr kleiner ausfallen? «Entscheidend ist die Wassertemperatur. Die Reispflanze reagiert sehr sensibel darauf. Letztes Jahr war das Wasser schon im Juni über 20 Grad, Im Juli und August 24 Grad und mehr. Im Juli lag die Temperatur wegen dem vielen Schmelzwasser noch nicht über 18 Grad. Dann hört die Reispflanze mit Wachsen auf, wie auch bei zu kühlen Nächten», so Mühlheim. Das Nass pumpt er aus dem Nidau-Büren-Kanal, der unmittelbar neben seinem Feld von 50 Aren fliesst. Die Pflanzen müssen idealerweise etwa 3cm tief im Wasser stehen.

Tausende von Reissorten

Begonnen hat Mühlheim mit Landreis. Wieso jetzt Nassreis? Das habe bisher noch niemand nördlich der Alpen probiert. Und wenn man sehe, dass das bei japanischen Reisbauern, die noch nördlicher liegen, funktioniert, wollte die IG das auch versuchen. Beim Landreis gehe es nicht ohne Pflanzenschutz. Mit Alternaria und Spelzenbräune sei regelmässig zu rechnen. Beim Nassreis sei dies bisher noch nicht aufgetreten. Dies, obwohl für beide Produktionsformen dieselbe Sorte verwendet wird: Loto.

«Allerdings gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende von Reissorten», weiss Mühlheim. Die Kulturdauer ist ähnlich wie beim Mais. Bis Anfang Juni kann gesät werden. Bezüglich Saatbeet sei Reis nicht sehr anspruchsvoll. Mit Setzlingen würde das immer funktionieren, ist Mühlheim überzeugt. Neben den Enten, die die frischen Keimlinge liebend gerne fressen, sei die Hühnerhirse als Begleitunkraut das grösste Problem. «Und natürlich Frost nach dem Keimen, das verträgt er gar nicht. Aber wir bezahlen immer noch Lehrgeld», schmunzelt er. Noch existieren keine Anbaurichtlinien, erst ein Merkblatt.

Teure Produktion

Wobei wir bei weiteren Produktionsfaktoren angelangt sind, die nicht zu unterschätzen seien. Erstens müsse ein Feld perfekt planiert sein, das koste pro Hektare rund 10'000 Franken. Dann die Stromkosten fürs Pumpen des Wassers. Er produziere selber Solarstrom, das sei sein Vorteil. Wasser müsse aus einem Oberflächengewässer kommen, das genügend Wasser führe. «Mit Grundwasser funktioniert das nicht, das ist zu kalt», weiss er. Willkommene  Nebenerscheinungen sind die Pechlibellen und die Bekassine, die er letztes Jahr gesehen hat. «Die nistet sonst in der Gegend nicht mehr.»

Die Tessiner Riseria Taverne SA, ein Reishändler, der auch Magadino-Reis verarbeitet, würde ihm die Ernte schon abkaufen. Dennoch habe er eine eigene Reismühle angeschafft. Denn es sei das Ziel, den Risottoreis selber zu vermarkten und so mehr Wertschöpfung im Betrieb zu behalten.

Risottoreis praktisch ausverkauft

Die mit dem Mähdrescher geernteten Reiskörner kochfertig zu machen, sei aufwendiger als bei herkömmlichem Getreide. Neben Trocknen und Entspelzen werden die Körner noch poliert. Doch das stresst ihn nicht. Der Schwadernauer Risottoreis ist praktisch ausverkauft. In seinem Hofladen findet man aber auch Bramata-Polentamais oder selber gepresstes Raps- und Sonnenblumenöl.

Auf seinen Feldern des knapp 40 Hektaren umfassenden Betriebes wachsen noch weitere nicht alltägliche Kulturen. «Das Neuste sind Kichererbsen, die ganz schön aussehen», lächelt er. Und ein Rebberg wird auch bald Früchte tragen.

IG Nassreis

Die IG Nassreis ist ein gemeinnütziger Verein, der Mittel zur Etablierung und Erforschung des Reisanbaus nördlich der Alpen akquiriert und unter den Mitgliedern einen Erfahrungsaustausch ermöglicht. Der Reisanbau soll den Landwirten ein Einkommen auf schwierig zu bewirtschaftenden Flächen generieren. Gleichzeitig soll die Biodiversität gefördert werden: Durch einen möglichst hilfsstoffarmen und umweltschonenden Anbau sowie durch die Schaffung von Lebensräumen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die auf wechselfeuchte Habitate angewiesen sind. ral

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