10.02.2019 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - ats/blu
Detailhandel
Erdbeeren-Kritik: Migros wehrt sich
Auch im Winter bietet die Migros Erdbeeren an. Dafür erntet der Grossverteiler im Netz Kritik. Dieser wehrt sich mit deutlichen Worten, schreibt «20 Minuten». Grund für das Angebot sei das Bedürfnis der Konsumenten nach Abwechslung im Winter.

Der Grossverteiler Migros bietet von Januar bis Oktober Erdbeeren an. Auch Mitbewerber Coop hat die Früchte im Winter in den Regalen stehen. Die Erdbeeren werden aus Spanien in die Schweiz. Dafür wird die Migros wie in den Jahren zuvor in den Sozialen Medien scharf kritisiert.

Twitter-Userin Frau Joller schreibt beispielsweise: «Ich musste heute kurz prüfen, ob ich den Winter verpennt habe. Erdbeeren? WTF? Ein Unternehmen trägt Verantwortung.» Dies liess die Migros nicht auf sich sitzen. Sie schaltete sich in die regen Diskussionen ein.

Hitzige Diskussionen eröffnet


"Alors. Erstens die Fakten: Die Erdbeeren werden fossilfrei produziert und nicht eingeflogen. Im milden Klima können sie schon gut produziert werden. Wir schauen bei den Produzenten auf klare ökologische und soziale Bedingungen, auch im effizienten Umgang mit Wasser», twitterte die Migros gereizt..

Drei Stunden nach diesem Post schrieb der Grosskonzern: «Meine Antwort macht euch wahrscheinlich nicht glücklicher. Dass eine andere Kundengruppe als ihr die Erdbeeren wünscht und kauft, ist klar. Wir können gerne generell darüber diskutieren. Was wünscht ihr euch konkret? Keine nicht-einheimischen Produkte mehr?»

Kunden schätzen Abwechslung

«Die Migros fördert eine gesunde Ernährung, und viele unserer Kunden schätzen im Winter die Abwechslung bei Früchten», sagt Migros-Sprecherin Cristina Maurer zu 20 Minuten. Die Erdbeeren hätten zudem nur eine minim schlechtere Ökobilanz als Schweizer Beeren.

Auch Coop begründe sein jetziges Erdbeerangebot mit dem Bedürfnis der Kunden nach Abwechslung. Konsumpsychologe Christian Fichter entgegnet: «Im Winter hat kaum jemand gezielt die Idee, einen Erdbeerkuchen zu backen.» Grossverteiler würden ein künstliches Bedürfnis schaffen, stellt sie klar. 

Jedes Jahr das gleiche Theater 

Das aussersaisonale Erdbeerangebot bei den Grossverteilern führt jedes Jahr zu grossen Diskussionen. Nicht nur die Konsumenten, sondern auch die heimischen Produzenten stören sich daran. Im Februar 2018 die Migros eine 500-Gramm-Schale zum Aktionspreis von 2.60 Franken. «Mich stört es nicht grundsätzlich, dass Erdbeeren importiert werden, da wir aktuell keine liefern können. Dass der Erdbeerverkauf Ende Februar aber mittels Aktionen gepusht wird, stört mich», sagte Landwirt Mario Portner aus Bäriswil damals zu schweizerbauer.ch. 

Weiter forderte er von den Grossverteilern, dass sie ihrer Verantwortung bezüglich Ökologie, Nachhaltigkeit und Saisonalität nachkommen sollten. «Nachhaltige Produktion heisst, dass in allen Anbaugebieten ökologische und soziale Bedingungen eingehalten werden», erklärte eine Migros-Sprecherin gegenüber schweizerbauer.ch

Wie Coop und Migros verkaufte auch Fenaco-Tochter Volg im März 2018 Erdbeeren. Muss das wirklich sein, fragte schweizerbauer.ch. «Ja, es muss sein. Es ist leider Realität, dass die Kunden nicht mehr wissen, was wann Saison hat. Erdbeeren sind ein Ganzjahresartikel», machte Ferdinand Hirsig deutlich. Aber könnte Volg nicht einfach auf den Verkauf verzichten? «Aus welchem sollten wir den Umsatz der Konkurrenz überlassen», sagte Hirsig zu schweizerbauer.ch.

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