21.07.2018 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Gemüse
Erntestau auf dem Gemüsefeld
Frischgemüseware kann wegen dem wüchsigen Wetter und dem kleineren Konsum im Sommer nicht geerntet werden. Es staut regelrecht. Qualitativ schlechte Lagerware wird grosszügig in der Biogasanlage «verstromt».

In diesem aussergewöhnlichen Sommer beschäftigt die Gemüsebauern nicht nur das Wetter. Gute Erträge stossen auf teils hohe Lagerbestände. Dies sorgt für Verzögerungen bei der Ernte.

Witterung, Ferien und Anbauplanung


Laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID lagerten in der Schweiz Anfang Jahr bereits rund 10000 Tonnen mehr Karotten als im Vorjahr. Das ist ein Plus von rund einem Drittel. Bei Sellerie und Co. zeigt sich ein ähnliches Bild. Einzig der Lagerbestand bei den Zwiebeln fiel tiefer aus. Gemäss dem Verband der Schweizer Gemüseproduzenten liege die Ernteverzögerung nicht nur an vollen Lagern. 

Ein Erntestau könne wegen der sehr wüchsigen Witterung und dem etwas tieferen Konsum in der Ferienzeit oder einer falschen Anbauplanung entstehen. Was aber nicht heisse, dass das Gemüse nicht mehr angenommen werde. Zudem funktionieren die Märkte ganz unterschiedlich. Beim Sellerie wird oft  ohne Vertrag angebaut, bei den Karotten meistens mit. Auch die Setzlingsproduzenten merken den Stau bei der Ernte. Es seien Bestellungen storniert oder gekürzt worden.

Preis trotz Vertrag Kampfthema

Ein Gemüseproduzent aus der Ostschweiz erlebt die Situation so: «Vor allem die Produktion ausserhalb der Verträge macht uns zu schaffen. Die Händler halten sich wegen der günstiger angebotenen Ware nicht mehr an die Abnahmeverträge.» Der betroffene Landwirt hat zwar seine Ware an den Handel absetzen können, jedoch sei der Preis trotz Vertrag immer ein Kampfthema gewesen. «Ja, wir haben deshalb auch Waren entsorgt», so der Produzent. Er sieht die tiefen Milch- und Getreidepreise als Gründe für die wilde Produktion. «Man steigt halt noch auf Gemüse wie Karotten um, einfach ohne Vertrag.» Auch im Berner Seeland sei dies so.

Im Bio-Bereich sieht die Lage entspannter aus. Die Marktsituation bei Bio-Lagergemüse sei ausgeglichen. Die sehr gute Ernte 2017 habe aber gezeigt, dass der Anbau immer in Absprache mit Abnehmern erfolgen sollte, damit auch in guten Erntejahren die Mengen zu fairen Preisen abgesetzt werden könnten. Die noch vorhandene Lagerware, z.B. beim Kabis, könne noch vermarktet werden, bis die richtigen Kaliber herangewachsen seien.

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