6.09.2018 16:56
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Landwirtschaftsinitiativen
Händler gegen Agrarinitiativen
Der Schweizer Verband der Früchte- und Gemüsehändler Swisscofel empfiehlt die Ablehnung der Volksinitiative für „Ernährungssouveränität“ und auch der „Fair-Food-Initiative“, heisst es in einer Mitteilung.

Beide Initiativen würden eine Kehrtwende in der Agrarpolitik verlangen. Sie würden fordern, dass der Bund „faire Preise“ für die Produzentinnen und Produzenten gewährleistet. Zudem würden staatliche Vorschriften in der Landwirtschaft im In- und Ausland durchgesetzt werden. Als Instrumente würden primär höhere Zölle, strengere Vorschriften, eine neue Verteilung der Direktzahlungen und mehr Kontrollen im In- und Ausland gefordert.

Vor einem Jahr habe das Schweizer Stimmvolk den Verfassungsartikel für mehr «Ernährungs-sicherheit» angenommen. Mit diesem Artikel sei dem Bund der Auftrag erteilt worden, die Schweizer Land- und Lebensmittelwirtschaft bezüglich Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu entwickeln. Dies ohne dabei die Wahlfreiheit der Konsumenten unnötig einzuschränken.

Staat bestimmt Lebensmittelverkauf

Bei einer Annahme der aktuellen Initiativen würden die staatlichen Interventionen massiv zunehmen, steht in der Mitteilung. Die Zölle für eine Vielzahl von Lebensmitteln würden deutlich erhöht werden müssen, was selbstverständlich auch eine Verteuerung der Lebensmittelpreise zur Folge hätte. Letztlich würde der Staat bestimmen, welche Lebensmittel auf den Schweizer Markt kommen dürfen.

Die Fair-Food-Initiative verlange, dass Rechtsbestimmungen der Schweizer Landwirtschaft auch für Betriebe und Lieferanten im Ausland gelten müssen, falls sie ihre Lebensmittel in die Schweiz exportieren wollen. Von den Bauern im Ausland werde die Einhaltung von ‚Schweizer Recht‘ gefordert. Eine Forderung, welche die Schweizer Landwirte in umgekehrter Richtung niemals akzeptieren würden.

Negativ für ganzen Aussenhandel

Es sei absehbar, dass die klassischen Lieferländer nicht bereit sein werden, sich von der Schweiz die Regeln aufzwingen zu lassen. Vielmehr würden sie auf die Einhaltung der internationalen Verträge bestehen, welche die Schweiz mit ihnen abgeschlossen habe. Eine Annahme der Initiativen würde sich darum nicht nur negativ auf die Schweizer Lebensmittelbranche auswirken, sondern auf den gesamten Aussenhandel der Schweiz.

Auch die zusätzliche staatliche Bürokratie würde den Handel mit Lebensmitteln enorm belasten und letztlich auch zu höheren Preisen führen. Rund 50% der in der Schweiz konsumierten Früchte und Gemüse würden aus klimatischen Gründen importiert werden müssen. Die Konsumenten hätten heute die Freiheit, sich die Produkte aus einem breiten Sortiment aus dem In- und Aus-land und in verschiedensten Qualitäten auszuwählen.

Swisscofel sei überzeugt, dass beim Obst und Gemüse faire Preise und eine marktgerechte, nachhaltige Produktion mit dem bewährten Importsystem, mit internationalen Standards (welche auch soziale Aspekte abdecken) und mit einer transparenten Herkunfts- und Label-Strategie wesentlich besser zu erreichen seien, als mit der Erhöhung von Zöllen oder mit der Einführung neuer bürokratischer Hürden oder Verbote.

 

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