15.03.2016 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Hochstamm
Hochstammobstbau soll ausgedehnt werden
Mostereien wie Möhl und Ramseier reiten mit ihren Säften auf der Erfolgswelle. Dazu sind sie auf gutes Mostobst angewiesen. Um dessen Produktion langfristig zu sichern, soll der Hochstammobstbau ausgedehnt werden.

An der Tier&Technik wurden Ernst und Markus Möhl mit dem Agrostar ausgezeichnet. Die Mosterei Möhl hat sich mit Produkten wie Shorley oder Saft vom Fass einen Namen gemacht. Und auch  die Ramseier Suisse AG hat laut ihrem Geschäftsführer Christian Consoni Erfolg, speziell mit trüben Säften und Schorlen: «Most liegt im Trend. Wir sehen noch Marktpotenzial bei regionalen, Bio- und Labelprodukten.»

Verarbeiter verkaufen Bäume

Um der Nachfrage zu begegnen, sind Möhl und Ramseier auf gute Mostäpfel angewiesen. Ernst Möhl von der Mosterei Möhl hat deshalb bereits vorgesorgt: «Wir haben unseren Obstlieferanten in den letzten Jahren jeweils über 1000 Bäume jährlich verkauft, damit wir weiterhin genügend Spezialmostäpfel – also besonders geeignete Mostobstsorten – erhalten.»

Für Stephan Durrer vom Verein Hochstamm Suisse genügt das aber noch nicht: «Damit es mittelfristig keine Versorgungslücken beim Mostobst gibt, müssen jetzt Bäume gepflanzt werden.» Doch damit sei es noch nicht getan: «Der Hochstammobstbau muss    ausgebaut und professionalisiert werden. Es braucht Feldobst-Profis.»

Spezialmostobst immer gesuchter

Dieser Meinung ist auch Guido Schildknecht, Präsident des Vereins Hochstammobstbau Schweiz. Er will diese Woche an einer Tagung die Frage aufwerfen, ob der Bedarf an Mostobst künftig noch gedeckt werden kann. Schildknecht selber ist skeptisch: «Das  Wissen im professionellen Feldobstbau geht verloren. Hochstämme muss man pflegen, damit sie Ertrag bringen.» 

Spezialmostobst wird laut Durrer künftig umso gesuchter sein, weil die Anbaufläche bei den Tafeläpfeln sinkt: «Deshalb gelangt   immer weniger konventionelles Mostobst, also Ausschuss aus dem Tafelobstanbau, in die Verarbeitung.»

Überschussverwertung nicht mehr mitfinanzieren

Von dieser Tatsache dürften die Produzenten von Hochstammobst zunehmend auch finanziell profitieren. Laut Durrer liegen die Produzentenpreise für Spezialmostobst zwar heute schon bei 33 Franken pro 100kg, was ein fairer Preis sei. «Das Problem ist vielmehr, dass die Hochstammproduzenten in den letzten Jahren mit hohen Rückbehalten die Überschussverwertung aus dem Tafelobstanbau mitfinanzieren mussten. Wir hoffen, dass sich das nun aber ändern wird.»

Die Bewirtschafter von Feldobstbäumen dürfen nicht nur auf tiefere Rückbehalte hoffen, sondern auch auf weniger administrativen Aufwand. Judith Ladner Callipari vom Bundesamt für Landwirtschaft  bestätigt: «Das komplizierte System mit Qualitäts-, Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsbeiträgen soll auf die AP 22–25 hin vereinfacht werden.»

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