14.06.2017 10:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Solothurn
«Ich muss noch unabhängiger werden»
Weil in Zukunft noch mehr Bio-Gemüse auf den Markt kommen werde, sucht Niklaus Müller eigene Verkaufskanäle. Mit dem Gemüseabo will er in Zukunft einen Teil der Produktion selber vermarkten.

Der «Buechibärg» ist bisher nicht gerade bekannt für reiche Gemüsekulturen. Bisher. Denn es tut sich was in Bibern SO. Heute werden auf dem Betrieb «Müller’s Bioprodukte», der Generationengemeinschaft von Hans-Ulrich und Niklaus Müller, mit Doppelt- und Dreifach-Bepflanzungen auf rund 40 Hektaren Gemüse und Beeren geerntet.

85 Prozent in Grosshandel

«Broccoli, Blumenkohl, Zwiebeln, Randen, Rüebli, Rosenkohl und eine breite Varietät an Salaten können wir heute anbieten», erklärt der 27-jährige Niklaus Müller. Mit rund 85 Prozent der Menge geht der Löwenanteil der Produktion in den Grosshandel. 10 Prozent wird über den Biofachhandel und kleinere Kunden vermarktet.

Niklaus Müller, der nach der Lehre zum Gemüsebauer am Strickhof die höhere Fachschule besuchte, denkt aber bereits weiter. «Heute ist die Nachfrage nach Biogemüse noch gut. Aber in fünf bis zehn Jahren kommt der Druck, es werden weitere Betriebe auf Bio umstellen. Ich muss in Zukunft noch unabhängiger werden», stellt Niklaus Müller fest.

Bereits 300 Abos 

Deshalb hat er vor einem Jahr das «Biogemüse-Abo» lanciert. Ein Zustelldienst für Konsumenten in der Region, denen einmal wöchentlich Gemüse, Brot, Käse oder Milch nach Hause geliefert werden. Müller setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit weiteren Direktvermarktern, um das Sortiment so zu erweitern. Dazu hat Müller mit zwei Kollegen eine eigene Firma gegründet und auch einiges investiert, zum Beispiel in ein Logistikprogramm.

Ein mutiger Schritt, der sich aber bereits zu lohnen scheint. «Wir sind vor einem Jahr mit 50 Kunden gestartet. Jetzt beliefern wir 300 Haushalte, wir sind positiv überrascht», so Müller, der für den Erfolg die Regionalität mindestens so hoch einschätzt wie die Bio-Knospe. Heute könne man rund 3 bis 5 Prozent der Menge so vermarkten.

Im Schnitt 1,5 km

Ein weiteres Erfolgskriterium der Müllers scheint, dass sie stets genau wissen, wovon sie sprechen. Sätze wie: «Für die Verteilung der Produktetaschen fahren wir im Schnitt 1,5 km und brauchen 5 bis 6 Minuten.» Oder: «Wir kennen unsere Produktionskosten und wissen, was der Konsument für regionales Gemüse zu zahlen bereit ist.» Dies zeigt, dass die Generationengemeinschaft ihre betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben gemacht hat. Nicht umsonst bietet der Betrieb heute zehn Jahresvollzeitstellen an.

Tag der Offenen Tür

Diesen Samstag, 17. Juni 2017, lädt die Familie Müller zum Tag der offenen Tür auf ihren Betrieb ein. Die Besucher können sich dabei selber ein Bild des Betriebs und des Geschäftsmodells von Müllers Bioprodukten machen. Von 10.00 bis 18.00 Uhr sind Besucher dabei auf dem Betrieb Goltern 20 in Bibern, Solothurn, herzlich willkommen. Die Generationengemeinschaft von Hans-Ulrich und Niklaus Müller stellt dabei ihre Produktion vor. Aber auch das System der Direktvermarktung wird den Besuchern näher vorgestellt. Jeweils alle zwei Stunden, um 11.00 Uhr, 13.00 Uhr, 15.00 Uhr und 17.00 Uhr, werden von der Familie geführte Betriebsbesichtigungen durchgeführt.

Dabei wird über den Hof generell, den realisierten Neubau, die Feldbewirtschaftung, also den Gemüse- und Beerenanbau, oder die Aboverpackung informiert. Ebenfalls vorgestellt wird die neue Solaranlage. Auch für Aktivitäten sowie den kulinarischen Genuss ist gesorgt. So können sich die erwachsenen Besucher im Traktorfahren versuchen. Für Kinder stehen zudem Trettraktoren bereit. Auch wird eine Festwirtschaft betrieben. Fleisch und Gemüsespiesse zum Selberbraten stehen bereit. Zudem werden natürlich auch verschiedene Salate frisch ab Feld zu degustieren sein. rab


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