30.12.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold und Michael Wahl, lid
Jahresrückblick 2018 (7/8)
Ideale Bedingungen für Obst
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) zieht Bilanz über das Jahr 2018. In der achtteiligen Serie erfahren Sie das Wichtigste zum Landwirtschaftsjahr 2018. Im siebten Teil geht es um den Obst- und Traubenanbau und den Wald.

Rekordhohe Zwetschgen-Ernte, überdurchschnittliche Erträge bei Äpfeln, Birnen, Kirschen, Aprikosen und Himbeeren. Nach den frost-bedingt schlechten Ernten des Vorjahres meinte es die Natur heuer besser mit den Obstbauern.

Gründe für das Grosserntejahr: Die Bäume waren heuer in vielen Regionen weitgehend "ausgeruht", weil sie im letzten Jahr wegen des Frosts nur wenige oder gar keine Früchte trugen. Zum anderen herrschten ideale Bedingungen: anhaltend trocken-warmes Wetter, viel Sonne sowie ein geringer Krankheits- und Schädlingsdruck.

Volle Äpfel-Lager

Ende November 2018 lagen rund 60 Prozent mehr Äpfel an Lager als vor einem Jahr. Die wichtigsten Sorten sind Gala und Golden Delicious.

Randvolle Birnen-Lager

Ende November 2018 waren viermal mehr Birnen an Lager als im Vorjahr. Die wichtigsten Sorten sind Kaiser Alexander, Conférence und Gute Luise.

Grosse Aprikosen-Ernte

Die Aprikosen-Ernte 2018 liegt 17 Prozent über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Hauptanbaugebiet ist das Wallis.

Zwetschgen: Rekord-Ernte

4'645 Tonnen: Noch nie haben die Obstbauern so viele Zwetschgen gepflückt wie 2018. Die Rekordernte liegt rund 50 Prozent über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Überdurchschnittlich viele Kirschen

Die Kirschenernte 2018 liegt mit rund 2'500 Tonnen knapp 20 Prozent über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Heuer gab es nicht nur mehr Kirschen, sondern auch deutlich mehr grosse Kirschen (Durchmesser ab 28mm). Hauptanbaugebiet ist die Nordwestschweiz.

Erdbeeren: Kein gutes Jahr

Die Erdbeeren-Ernte 2018 liegt 11 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Die Erdbeeren-Saison startete heuer früh, das warm-trockene Wetter hat die Reife beschleunigt.

Himbeeren: Gutes Jahr

Die Himbeeren-Ernte 2018 liegt 13 Prozent über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Die Anbaufläche ist mit 168 Hektaren heuer um 3 Prozent grösser als im Schnitt der letzten 5 Jahre.

Wein: Ein tolles Jahr

Die Winzerinnen und Winzer können nach dem wegen Spätfrost schwierigen Jahr 2017 auf ein ausserordentliches, hervorragendes Weinjahr 2018 zurückblicken - so tönt es vom Waadtland über Bern bis nach Schaffhausen und Graubünden.

Das trockene und warme Wetter mit viel Sonne gefiel den Reben und sorgte für wenig Krankheitsdruck. Dem Wetter entsprechend begann die Ernte früh und fiel reichhaltig - teils mit kantonalen Rekordwerten - aus. Und auch die für Wein so wichtige Qualität fiel hervorragend aus.

 

Wald: Ein schmaler Jahrring für die Schweizer Waldeigentümer

Winterstürme, Sommerdürre, Borkenkäfer und Absatzprobleme auf dem Holzmarkt. 2018 war kein gutes Jahr für die Schweizer Waldwirtschaft. Die Unbill begann bereits am 3. Januar mit dem Sturm Burglind. Frederike, Evi und lokale Föhnstürme folgten. Insgesamt warfen die Winterstürme über alle Landesteile verstreut geschätzte 1.5 Millionen Kubikmeter Holz zu Boden. Dies entspricht rund einem Drittel der üblichen Jahresnutzung.

Der heisse Sommer und die anhaltende Trockenheit setzten den Bäumen weiter zu und liessen die Kronen da und dort innert weniger Tage verdorren. Noch ist unklar, wie viel Vitalität in die Bestände zurückkehren wird. Geschwächte Bäume und die Witterungsverhältnisse sorgten dafür, dass sich die Borkenkäfer stark vermehren konnten. Die Forstleute machten einen guten Job und rüsteten das Sturm- und Käferholz vorzu auf. Doch erhebliche Schadholzmengen konnten bis zum Jahresende nicht aus dem Wald abgeführt werden, weil die Lager der Schweizer Sägewerke überquollen.

Aus Waldeigentümersicht lässt die Nachfrage nach Schweizer Holz sowieso zu wünschen übrig. Das Holz kennt keinerlei Zollschutz und wird global gehandelt. Wegen des starken Frankens, den verhältnismässig hohen Ernte- und Transportkosten und den unterschiedlichen Verarbeitungskapazitäten sind viele Holzelemente auf den europäischen Märkten günstiger und flexibler erhältlich; so wird mehr importiertes als eigenes Holz verbaut. Zudem verharren die Sägerundholzpreise seit Jahren auf tiefem Niveau. Mehr als die Hälfte der Schweizer Forstbetriebe schreibt daher rote Zahlen, woran hat sich im Berichtsjahr nichts geändert haben dürfte.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation sucht die Waldeigentümerschaft nach neuen Wegen, auch sogenannte Nichtholz-Waldleistungen zu vermarkten. Bei den Erholungsleistungen gelingt dies erst punktuell. Leistungen für die Biodiversität werden vermehrt von der öffentlichen Hand abgegolten. Sauberes Trinkwasser, frische Luft, Schutz vor Hochwassern und vieles mehr liefert der Schweizer Wald hingegen zum Nulltarif.

Text: WaldSchweiz

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