4.06.2013 07:23
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Weinbau
Italiener lehrten Franzosen Weinproduktion
Die Etrusker aus Italien brachten den Franzosen vermutlich die Weinherstellung bei. Sie lieferten ihnen vor etwa 2500 Jahren die wichtigsten Kenntnisse und Grundlagen für den Weinanbau, berichten Forscher nach der Untersuchung alter Amphoren und einer Weinpresse.

Zunächst exportierten die Etrusker ihren Wein noch per Schiff nach Frankreich. Spätestens gut 400 Jahre vor Christus begannen dann die Franzosen selbst, Wein anzubauen und zu keltern, wie ein internationales Forscherteam in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) schreibt. Es sei wahrscheinlich, dass sie dabei auf die Kenntnisse der Etrusker und auch auf deren domestizierte Weinpflanzen zurückgegriffen haben. 

Vor 9000 Jahren im Nahen Osten entwickelt

Der Anbau von Wein ist eine sehr alte Kulturtechnik, die vor etwa 9000 Jahren im Nahen Osten entwickelt wurde. Wie das Handwerk nach Westen und in den Mittelmeerraum gelangte, sei weniger gut bekannt, erläutern die Autoren um Patrick McGovern von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia. 

Die Ägypter bauten im 4. Jahrtausend vor Christus Wein an, von dort verbreiteten Seefahrer das Handwerk vermutlich im Mittelmeerraum. Ab etwa 625 vor Christus brachten die Etrusker Wein aus Zentralitalien in Amphoren per Schiff an die Küsten Südfrankreichs. 

Etruskischer Wein in Amphoren

Die Forscher um McGovern untersuchten nun solche etruskischen Amphoren, die in der Hafenstadt Lattara in Südfrankreich ausgegraben worden waren. Sie wählten drei Amphoren aus, die besonders gut erhalten waren und Rückstände von einer Flüssigkeit am Boden zeigten. Diese untersuchten sie mit verschiedenen, hauptsächlich massenspektrometrischen Verfahren.  

Sie fanden dabei unter anderem Hinweise auf Weinsäure in den Gefässen - und damit dafür, dass in ihnen tatsächlich Wein aufbewahrt worden war. Zudem untersuchten die Forscher eine alte Presse aus Stein, die ebenfalls in Lattara gefunden worden war und aus der Zeit um 425 bis 400 vor Christus stammt. Auch daran wiesen die Wissenschaftler Spuren von Weinsäure nach - was der erste eindeutige Beweis von Weinherstellung auf französischem Boden sei. 
 
Wein als Medizin 

Die Forscher fanden zudem Spuren von Baumharz, vermutlich Pinienharz, und von bestimmten Gewürzen, wie Rosmarin, Thymian oder Basilikum. Diese Zusätze könnten auf eine medizinische Anwendung des Weins hindeuten, die Baumharze zudem die Haltbarkeit des Weins beim Transport per Schiff verbessert haben.  

Zusammen mit den Resten von Traubenkernen, Stielen und Früchten, die in Lattara in grossen Mengen gefunden worden waren, liefere ihre Untersuchung gute Anhaltspunkte dafür, wie der Wein nach Frankreich kam und wie dort eine eigene Wein-Industrie begründet wurde. 

Heute ist Frankreich das wichtigste Weinanbauland der Welt. Knapp dahinter folgt Italien, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) kürzlich in Paris mitteilte. 

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