13.07.2020 17:31
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/mge
Cannabis
Kontroverse schon vor 250 Jahren
Für die einen ist es eine gefährliche Droge, für die anderen ein Genuss- und Heilmittel: Diesen Streit über Cannabis gibt es schon lange, verdeutlicht eine Historikerin. Sie berichtet über den mexikanischen Priester und Wissenschaftler José Antonio Alzate y Ramírez, der sich im 18. Jahrhundert für den Einsatz der Hanfpflanze als Heilkraut einsetzte und sich dabei mit der Kirche anlegte.

Soll Cannabis als Genussmittel beziehungsweise zu medizinischen Zwecken legalisiert werden oder soll es eine illegale Droge bleiben? Dies werde in vielen Ländern seit Jahren kontrovers diskutiert.

Vor allem vor dem Hintergrund der allgemeinen Akzeptanz der „Volksdroge Alkohol“ erscheine vielen die Verurteilung von Cannabis als Doppelmoral. Es sei hinlänglich bekannt, dass beide bei einem problematischen Einsatz als Genussmittel zu Schäden führen. Doch im Gegensatz zum Alkohol könnten die Wirksubstanzen des Cannabis auch medizinische Effekte entfalten und sind deshalb bereits seit einiger Zeit Gegenstand der Forschung.


Ein "verteufeltes" Gewächs

Das medizinische Potenzial von Cannabis schätzte bereits der mexikanische Gelehrte José Antonio Alzate y Ramírez (1737 bis 1799), wie die Historikerin Laura Dierksmeier von der Universität Tübingen in ihrer Veröffentlichung berichtet. Ramírez sei als ein Allrounder, Priester, Wissenschaftler, Historiker, Kartograph und Journalist tätig gewesen. Seine Methoden seien europäisch und typisch für die Aufklärung gewesen.

"Er sei auf die natürliche Umgebung Mexikos stolz gewesen und habe die Verwendung von einheimischen Kräutern gefördert, auch wenn dies bedeutete, sie vor dem Verbot der Kirche zu verteidigen“, sagt Dierksmeier. Im Fall des Hanfs war dies besonders problematisch: Die spanische Inquisition betrachtete das potenziell berauschend wirkende Kraut als ein Mittel, um mit dem Teufel in Verbindung zu treten und hatte es daher verboten.

Bereicherung für aktuelle Debatten

Alzate habe einen Zeitungsartikel über den wertvollen, medizinischen Nutzen bei verschiedenen Leiden wie Husten, Gelbsucht, Tinnitus, Tumoren und auch Depressionen, publiziert. Zudem hob er hervor, dass die Hanfpflanze einen hervorragenden Rohstoff zur Herstellung von Seilen für Segelschiffe darstellt. „Die Erkenntnisse der Studie können helfen, die gegenwärtige Legalisierungs-Debatte zu bereichern oder zumindest die verhärteten Fronten aufzubrechen“, sagt Dierksmeier.

„Denn laut Alzate und den von ihm zitierten Wissenschaftlern überwiegt der Nutzen der Hanfpflanze als Baustoff oder Medizinpflanze die möglichen Nebenwirkungen. Oder wie Ramírez selbst sagte: ‚Ich glaube, ich habe die Vorteile der Nutzung von Pipilzitzintlis demonstriert, und wie wir in der Sprache der Theologen sagen: Es ist schlecht, weil es verboten ist, nicht verboten, weil es schlecht ist‘“, zitiert Dierksmeier den Priester und Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts.

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