28.12.2019 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Jahresrückblick 2019 (6/8)
Neuer Schädling etabliert sich
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) zieht Bilanz über das Jahr 2019. In der achtteiligen Serie erfahren Sie das Wichtigste zum Landwirtschaftsjahr 2019. Im sechsten Teil geht es um Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse.

Die Gemüsesaison startete gut, Anfangs wurden Erträge wie im Vorjahr erreicht. Ab Juni rutschte die Gemüseproduktion deutlich unter die Produktionsmenge der vergangenen Jahre, denn wenig Licht und viel Regen gefolgt von einer Hitzeperiode waren dem Wachstum der meisten Gemüsepflanzen nicht zuträglich. Der Import fiel trotzdem tiefer aus als in vorherigen Jahren.

Der Regen im Herbst hat die Karottenernte beträchtlich verzögert. Insgesamt vergrösserte sich die Fläche für Bio-Karotten, gleichzeitig nahm die Fläche für Suisse Garantie-Karotten ab.

Der Lagerbestand von Zwiebeln ist mit Vorjahresmengen vergleichbar. Die Bewässerung und der Krankheitsdruck haben für hohen Aufwand auf Seiten Produktion gesorgt. Aufgrund von Hagelschäden in einigen Regionen kann die Lagerqualität noch nicht abschliessend beurteilt werden. Es wird davon ausgegangen, dass nicht durchgehend Schweizer Ware angeboten werden kann. 

 

Ein Schädling hält Einzug: Die marmorierte Baumwanze

Die marmorierte Baumwanze wurde bei den Obst- sowie Gemüseproduzenten zu einem nationalen Problem. Gegenüber dem Vorjahr haben sich im Obstbau die Schäden verdoppelt. 2018 lagen sie bei 10%, 2019 sind es bereits 20% und mehr Schadbefall. Besonders betroffen sind Birnenkulturen angrenzend an Häuser, Scheunen oder Siedlungsgebiete.

Im Gemüsebau hat sie dieses Jahr besonders in den Gewächshäusern bei Peperoni, Gurken und Auberginen Schaden angerichtet. Langsam dringt sie auch ins Freiland.

Weil die Klimabedingungen günstig sind, erwarten Obst- sowie Gemüseverband zukünftig mehr Schäden.

Eine chemische Bekämpfung ist zurzeit nicht möglich. Um das Problem in den Griff zu bekommen, braucht es vermutlich kombinierte Strategien mit Einnetzung von Kulturen, bewilligten Pflanzenschutzmitteln oder auch Nützlingen, die aber noch eine Zulassung brauchen. Grosse Hoffnung liegt auf der ebenfalls ursprünglich aus Asien stammenden Samurai-Wespe, die Wanzeneier frisst.

 

 

Äusserst schwierig gestaltete sich dieses Jahr auch die Tomatenproduktion. Anfänglich entwickelten sich die Mengen ähnlich wie in der Vergangenheit, in der Saisonmitte nahm die Produktion jedoch rapide ab und erholte sich danach nicht mehr. Schuld daran waren die heissen Temperaturen. Das warme Wetter führte zu einer hohen Nachfrage.

Bei der Gurkenproduktion fiel der grosse Peak Anfang bis Mitte Juni aus, aber insgesamt entwickelte sich der Markt ähnlich zu den Vorjahren.

Tiefe Lagerbestände bei den Kartoffeln

Die diesjährige Ernte liegt gemäss Schätzungen der Branchenorganisation Swisspatat rund 33'000 Tonnen unter der Vorjahresernte bei 414'337 Tonnen. Mit 428 Kilo pro Are konnten etwas weniger Kartoffeln geerntet werden als im Vorjahr (453 kg/Are).

Während der Pflanzung waren die Witterungs- und Bodenbedingungen ideal. Aufgrund des heissen Sommers waren im August viele Bestände noch nicht so weit entwickelt wie in einem normalen Jahr. Daher verzögerte sich die Ernte, und der nasse Oktober war für die Ernte von Industrieware eine zusätzliche Herausforderung.

Bei den Kartoffeln für den Frischkonsum sind die Qualitäten erfreulich mit den üblichen regionalen Unterschieden. Bei der Industrieware führen die generell eher tiefen Stärkegehalte und teilweise Fäulnis dazu, dass die Ernte 2019 nicht die gesamte Nachfrage zu decken vermag. 

Nachfrage nach Zucker nicht gedeckt

Dieses Jahr werden in der Schweiz gemäss ersten Schätzungen rund 240'000 Tonnen Zucker einschliesslich Bio produziert. Rund 90 Prozent des konventionellen Zuckers stammt aus Schweizer Rüben. Die Produktion reicht erneut nicht, um die Nachfrage nach Schweizer Zucker zu decken. "Wir werden wieder bedeutende Mengen importieren müssen und wir unternehmen grosse Anstrengungen, um die Anbaufläche in der Schweiz zu stabilisieren", sagt Guido Stäger, CEO der Schweizer Zucker AG.

In den beiden Fabriken in Aarberg und in Frauenfeld sorgte das nasse Herbstwetter zudem für Probleme bei der Verarbeitung. Weil viel Erde an den Rüben haftete, wurden Filter verstopft. Das wirkte sich auf die Tagesleistung der Fabriken aus. Die Verarbeitung verlief in beiden Fabriken über die Weihnachtstage hinaus.

Positiv ausgewirkt hat sich die befristete Hilfe des Bundes, der den Einzelkulturbeitrag um 300 auf 2'100 Franken pro Hektare erhöht und den Mindestgrenzschutz von 7 Franken pro 100 Kilo eingeführt hat. Die Massnahmen des Bundes hätten auf jeden Fall positive Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Wertschöpfungskette, so Stäger. So profitieren die Pflanzer zum Beispiel vom erhöhten Einzelkulturbeitrag, auch wenn die Zuckererträge wetterbedingt tief sind.

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