2.10.2013 09:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner, lid
St. Gallen
Pfirsich-Anbau auf 600 Meter über Meer
Pfirsiche gedeihen auch auf einer Höhe von 630 Metern über Meer einwandfrei. Dies beweisen zwei Tonnen der süssen Früchte, die Monika und Alois Schilliger jedes Jahr ernten.

"Pfirsiche? Auf 630 Metern über Meer? Unmöglich." Dies oder Ähnliches mussten sich Monika und Alois Schilliger des Öfteren anhören, als sie mit ihren ersten Früchten auf den Bauernmärkten in Flawil und Oberuzwil erschienen. "Unsere Kundschaft konnte am Anfang nicht glauben, dass Pfirsiche in der Ostschweiz und auf dieser Höhenlage wachsen und reif werden können", erzählt das Betriebsleiterpaar des Hofes Häuslen in Niederglatt bei Flawil SG.

"Unsere Überzeugungsarbeit hat aber gewirkt. Die Leute haben sich an unsere Pfirsiche gewöhnt und freuen sich, wenn sie unsere Früchte kaufen können." Das ist auch gut so, denn die Ernte wird so umfangreich wie noch nie. Rund 2'000 Kilo sind es diese Saison.

Pfirsichversuch gelungen

Mit ihren Pfirsichen machen Schilligers nur positive Erfahrungen. "Schon die Blüte ist vor allem bei den 'Red Haven' ein fantastisches Bild", erklären sie. "Wenn dann die Früchte am Baum hangen, so ist unsere Freude perfekt." Klar gebe es Baumausfälle, aber im ertragbaren Ausmass. Trotzdem nehme der Ertrag von Jahr zu Jahr zu. Den Abgang verwerten die beiden als Konfitüre oder als Dörrobst.

"Wir würden den Versuch sofort wieder wagen. Vergrössern möchten wir Pfirsichanlage allerdings nicht, da unser Absatzpotential ausgeschöpft ist." Für grosse Abnehmer haben sie die Kapazitäten nicht und könnten mit dem Preis von drei Franken pro Kilo mit der ausländischen Konkurrenz nicht mithalten.

Pfirsich-Anbau in der Schweiz

In der Schweiz gibt es laut dem Schweizer Obstverband rund 46 Produzenten, die auf 7,4 Hektaren Pfirsiche anbauen. Sie sind vor allem im Waadtland, im Wallis und im Tessin zu finden. Abgesehen von zwei grösseren Produzenten beläuft sich die Pfirsich-Anbaufläche auf knapp 15 Aaren pro Betrieb. Somit ist und bleibt diese Frucht als Schweizer Produkt eine Exotin, die in der Regel im Direktverkauf abgesetzt wird.


Experimentierfreudige Familie

Der Aufbau dieses exotischen Nischenproduktes ist typisch für die Familie Schilliger. Schon Vater Alois Schilliger probierte Neues aus, liess sich für ungewöhnliche Ideen gewinnen und setzte diese konsequent um. Nicht erstaunlich also, dass auch sein Sohn zusammen mit seiner Frau auf diesem Weg bleiben. Sie haben am 1. Januar 2012 den Hof übernommen. "Im Feuerbrandjahr 2007 mussten wir 1,5 Hektaren Apfelbäume fällen", erzählt Alois Schilliger. "Da damals schon klar war, dass ich den Hof einmal übernehmen würde, konnte ich beim Wiederaufbau mitentscheiden."

Staffelung der Ernte

Da nun auf dem Hof Schilliger von den Zwetschgen über die Mirabellen und den Holunder bis zu den Pflaumen schon fast alle Fruchtarten vertreten waren, machten sich Schilligers auf die Suche nach einer Alternative, die sich auf dem Bauernmarkt und im hofeigenen Burelade anbieten liess. "So kamen wir auf Pfirsiche, Nektarinen und Aprikosen, obwohl wir kaum wussten, ob das funktionieren würde", erklärt Schilliger.

"Klar war damals aber, dass es nicht schlechter herauskommen konnte als mit dem Feuerbrand." 105 Pfirsich-, 35 Nektarinen- und 320 Aprikosenbäume sollten deshalb auf den 1,5 Hektaren neu wachsen. Andere Fruchtarten kamen zudem als Ersatz für die Äpfel dazu. "‚Dixired', ‚Red Haven' und ‚Suncrest' gedeihen prächtig, aber auch die andere Sorten, die wir damals fälschlicherweise geliefert bekamen und pflanzten. Heute sind wir froh, dass es so herausgekommen ist, denn die verschiedenen Sorten ergeben ein Staffelung der Ernte von normalerwiese ungefähr Mitte Juli bis Mitte September."

Lehrgeld bezahlt

So wie Schilligers nirgends erfuhren, ob dieser Versuch Chancen habe, fanden sie auch niemanden, der über das Schneiden von Pfirsichbäumen Bescheid wusste. "Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu tüfteln und Lehrgeld zu bezahlen", erzählen Monika und Alois Schilliger. Sie fanden nach dem zweiten Jahr heraus, dass starkes Zurückschneiden und einjährige Ruten von Vorteil sind, damit die Früchte optimal gedeihen.

"Wir merkten auch, dass wir bei Haselnussgrösse der Pfirsiche ziemlich stark auspflücken müssen und zwischen zwei Pfirsichen ein Abstand von mindestens einer Handbreite vorhanden sein muss. So geht die Kraft in die verbleibenden Früchte, die gross und stark werden. Kurze, stabile und steile Äste eignen sich zudem am besten." Heute erleben sie die Pflege als recht problemlos.

Aprikosengeschichte beendet

Ungefähr parallel zu den Pfirsichen verlief die Geschichte mit den Nektarinen der Sorten "Nectared 4" und "Nectared 6". Die rund 500 Kilogramm finden immer dankbare Abnehmer. Praktisch verschwunden sind allerdings die Aprikosenbäume, obwohl der Absatz kein Problem wäre. Nur einige wenige Bäume bleiben sozusagen als Erinnerung übrig.

"Nach drei bis vier Jahren wurden die ersten Bäume krank", sagen Monika und Alois Schilliger. "Entweder starben die Blütenknospen ab oder zum grossen Teil sogar die ganzen Bäume. Ob sie erfroren sind oder wo sonst die Ursache dafür liegt, wissen selbst Fachleute nicht genau."

Weiterer Versuch

Der Wissensdurst ist beim innovationsfreudigen Betriebsleiterpaar aber noch lange nicht gestillt. Bereits ist ein neuer Versuch im Gang. "Wir haben letztes Jahr eine halbe Hektare der grossen, grünen Pflaume Reineclaude gepflanzt." An Arbeit wird es also nicht fehlen, zumal die beiden 630 Hochstammobstbäume und mehrere tausend Niederstammbäume mit Früchten aller Art pflegen.

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