6.03.2013 10:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Kurt Bischof
Hochstamm
«Preiskampf auf dem Buckel der Hochstammbauern»
Die Hochstammbauern fordern faire Preise und wehren sich gegen den Preiskampf auf ihrem Buckel. An der Hochstammobsttagung in Hohenrain wurden Erwartungen an die Branche und an die Politik formuliert.

Robert Brunner von der Mosterei Brunner in Steinmaur ZH nahm an der Tagung kein Blatt vor den Mund: «Es ist höchste Zeit, dass sich die Hochstammproduzenten für ihre Rechte wehren und faire Preise verlangen.» Dabei geht es um Intensivanlagen und Hochstammbäume.

Überangebot an Mostobst

Probleme beim Markt mit Mostäpfeln und Mostbirnen stellte Bruno Jud, Präsident des Schweizer Obstverbandes (SOV), nicht in Abrede: «Das Mostäpfel-Angebot ist 20 Prozent zu hoch.» Die benötigten 80'000 Tonnen Mostäpfel pro Jahr werden lediglich mit 55'000 Tonnen von Hochstammbauern abgedeckt. Die beigemischten 44'000 Tonnen Anlagenäpfel bringen den vom SOV gesteuerten Markt aus dem Gleichgewicht.

Mengenmässig um den Faktor 10 kleiner, stehen grosse Schwierigkeiten bei den Hochstammbirnen an. «Das Mostbirnen-Angebot liegt 50 Prozent über dem Marktbedarf. Hier darf die Politik, welche die ökologisch wertvollen Birnbäume fördert, nicht auf halbem Weg stehen bleiben», fordert Jud. 

Kritik an Tafelobst

«Wir akzeptieren nicht länger, dass bei dieser Marktsituation die Anlagebauern auf dem Buckel von uns Hochstammbauern Preisvorteile holen», sagte in der Diskussion ein Teilnehmer. Damit peilte er das Rückbehaltsystem an. Mit dem Rückbehalt stellt der Schweizer Obstverband sicher, dass die ganze Mostobsternte übernommen, die Übermengen an Obstprodukten auf dem Exportmarkt abgesetzt und zugleich die Produzentenpreise auf dem heutigen Niveau gehalten werden. «Das stabilisiert die Branche», sagte Jud. 

Mosterei-Vertreter Robert Brunner entgegnete pointiert: «Die Mostereien sind nicht bereit, die Entsorgungsstation für Tafelobstüberschuss zu sein.» Ebenso meldeten sich verschiedene Votanten: «Hochstammbauern wollen nicht die Überproduktion der Anlagenbauern berappen. Das Rückbehaltsystem muss verbessert werden und differenziert die effektive Mostobstnachfrage nach Tafeläpfeln berücksichtigen.» 

Birnen

«Der Absatz der Mostbirne ist ein Problem», sagte Alois Schilliger, Obstbauer aus Niederglatt SG. In den letzten Jahren ist ein Rückgang der Nachfrage nach Birnensaft zu verzeichnen. Gleichzeitig sind die Lager in den Mostereien aufgrund von Rekordernten übervoll. In der Tat: Wenn die Mostbirnenernte 2013 erneut hoch ausfällt, könnten die Mostereien allenfalls zu Teilmengenabnahmen übergehen. bw

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