3.06.2013 10:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Thomas Güntert
Weinbau
Première: Reben in eine Folie gesetzt
Markus Simmler und Armin Gredig verwirklichen ihre Idee vom Rebberg, an dem die Reben in Folien gepflanzt werden.

Der neue Rebberg befindet sich auf 470 Meter über dem Meeresspiegel beim Erlebnis-Bauernhof «Lindenhof», den Markus und Susanne Simmler-Leissl erfolgreich bewirtschaften. Simmler baut in der Schaffhauser Enklave Buchberg, die eingebettet im Kanton Zürich liegt, zudem zweieinhalb Hektar Reben an, vorzüglich die Sorten Blauburgunder und Regent.

Der Wein verkauft sich gut in der Besenbeiz, die es mittlerweile seit 25 Jahren gibt. «Sie war neben der Besenbeiz Stammheim die erste dieser Art in der Schweiz», erinnert sich Simmler.

Pioniergeist erwacht

Mit seinem neuen Rebhang kam bei dem Buchberger wieder neuer Pioniergeist auf, denn so etwas gab es in der Schweiz bisher noch nicht. Zuerst musste der Buchberger «Erlebnisbauer» das Wiesenland umzonen lassen, da es sich nicht im Rebkataster befand. Mittlerweile hat er auf 20 Aren 1000 Stöcke reblausresistente Hochstammreben in eine Folie gesetzt, wie sie beim Gemüseanbau verwendet wird.

Hochstammreben sind frostunempfindlicher, da sich die Veredlungsstellen 60 Zentimeter über dem Boden befinden. Zudem haben die Hochstämme gegenüber niedrigen Unterlagen den Vorteil, dass die Wurzeln nicht ausschlagen und in den Boden wachsen, wodurch die Reblausresistenz aufgehoben würde.

«Die Pflanzen kosten das Doppelte, dafür ist durch die ergonomische Höhe eine einfachere Bewirtschaftung möglich», so Simmler. «Punkto Erziehung gewinnt man ein Jahr», betont er zudem. Auf den amerikanischen Unterlagen wurde die pilzresistente Edelrebe Johanniter gepfropft. Bei der 1968 neu gezüchteten weissen Rebsorte handelt es sich um eine Kreuzung aus Riesling, Gutedel, Ruländer und Seyve-Villard. Die Weine haben Ähnlichkeit mit dem Riesling, die Ernteergebnisse zeigen gegenüber dem Riesling jedoch einen höheren Ertrag, ein höheres Mostgewicht sowie eine geringere Mostsäure.

Alternativen finden

Pilzresistente Sorten verlangen nicht den Spritzaufwand herkömmlicher Rebsorten. «Die Schweiz ist im Pflanzenschutz gegenüber den Nachbarländern eingeschränkt», sagt Armin Gredig von der GVZ Rossat. Langfristig müssen Alternativen bezüglich des Pflanzenschutzes gefunden werden. «Das ist auch im Sinne des Produzenten», betont Simmler.

Die Folie, ein wasser- und luftdurchlässiges Gewebe, wurde mit einem Folienverleggerät eingegraben. Die Löcher, in die später die Reben eingesetzt wurden, wurden bereits vor dem Verlegen in die Folie geschnitten, was sich allerdings im Nachhinein als Fehler herausstellte. Die Folien mussten dadurch zentimetergenau in der Flucht verlegt werden, was einen höheren Zeitaufwand verlangte. Es zeigte sich auch, dass ein nachträgliches Einschneiden der Löcher problemlos möglich ist.

Durch diese Aufzuchtform muss das Gras um die Rebstöcke nicht mehr mit Herbiziden abgespritzt werden. Die Folie fördert zudem den kapillaren Wasseraufstieg, und das Wasser kann unter der Folie nicht verdampfen, wodurch die Aktivitäten der Bodenorganismen gefördert werden.

Demonstrationshang

Zusätzlich will Simmler noch 20 Aren der roten Sorte Prior anpflanzen. Die pilzresistente Sorte wurde 1987 am staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg aus den Sorten Joannès-Seyve 23-416Blauer Spätburgunder und Bronner gekreuzt. Die Weine sind kräftig, farbstoffreich und kräftig an Tanninen.

Die GVZ Rossat will den Buchberger Rebberg als Demonstrationshang für fortschrittlichen Rebbau, von der Pflanzung über die Erziehungsmethode bis hin zum Vogel- und Kulturschutz, nutzen. Dazu kommt noch eine Tropfbewässerung, wo jede Rebe bis zu anderthalb Liter Wasser pro Stunde bekommen kann. Der Hang wurde so angelegt, dass man ihn mit allen modernen Mechanisierungsmöglichkeiten bearbeiten kann.

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