18.05.2015 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Matthias Zurflüh, lid
Innovation (3/4)
Relaunch einer „Vergessenen“
Beat Gisin setzt sich dafür ein, dass Mirabellen in der Schweiz wieder vermehrt produziert und konsumiert werden. Mit Erfolg, in den letzten Jahren konnte der Inlandanteil verdoppelt werden.

Was zeichnet die Mirabellen aus?
Mirabellen gehören in die Gruppe der europäischen Pflaumen und sind eigentlich eine „alte“ Frucht. Es dominierte über lange Zeit eine Hauptsorte, die “Mirabelle de Nancy”. Sie ist kleinfruchtig, süss, aber beschränkt haltbar.

Warum bestand Interesse daran, diese Frucht zu fördern?
Mirabellen wurden über längere Zeit nicht mehr neu gepflanzt. Es gab einen gewissen Bestand an Nancy Pflanzungen, alle aber schon relativ alt. So war die Produktionsmenge in der Schweiz je nach Jahr sehr unterschiedlich und lag zwischen 10 und 30 Tonnen. Die Vermarktung konnte wegen fehlender Kontinuität nie richtig geplant werden. Mit der Züchtung von neuen Mirabellensorten ergaben sich neue Perspektiven wie ein erweitertes Angebot, bessere Fruchtgrösse und bessere Haltbarkeit.

Welches sind die Absatzkanäle für Mirabellen?
Wir richteten uns klar auf den Verkauf via Detailhandel aus. Bis vor zehn Jahren lag das Markvolumen bei rund 100 bis 150 Tonnen. Wir waren und sind aber überzeugt, dass das Marktpotenzial deutlich höher ist. Dabei denken wir weniger an die „traditionellen Mirabellenkonsumenten“ als vielmehr an das Kundensegment, welches die Frucht gar nicht mehr kennt. Es bringt etwas Abwechslung in das Steinobstsortiment im Bewusstsein, dass sie immer eine Nische bleiben wird. Mittlerweile ist das Marktvolumen im Detailhandel bei gut 200 Tonnen. Dabei konnte der Anteil der Inlandproduktion verdoppelt werden.

Kann man es als Innovation bezeichnen, wieder vermehrt Mirabellen zu produzieren?
Ich würde mehr von einem „Relaunch“ sprechen, wobei dies etwas zu hoch gegriffen ist. Ziel war es, eine Nische wieder stärker zu besetzten und damit Wertschöpfung für die ganze Branche zu schaffen.

Was war die Motivation der Partner dieses Produkt ins Sortiment aufzunehmen?
Mit dem Trend zur Globalisierung gibt es gerade im Bereich der Lebensmittel auch eine Gegenbewegung. Man will wieder mehr wissen, woher ein Produkt kommt, wie es angebaut wird und man legt Wert darauf, dass die Transportwege Mass halten. Zudem passen die Mirabellen in die Programme der Förderung der regionalen Produktion wie zum Beispiel „Aus der Region – für die Region” oder „Miini Region”.

Wie gross schätzen sie das Potenzial für Mirabellen ein?
Das Potenzial liegt in der Schweiz vielleicht bei rund 300 Tonnen – je nach Einsatz der Marketinginstrumente. Das Potenzial für „gelbe Pflaumen aus der Schweiz“ sehe ich aber deutlich höher. Damit meine ich, dass wenn wir das Produkt am Verkaufspunkt gut positionieren, viele Kunden ansprechen, welche die Mirabellen gar nicht mehr kennen, aber von der gelben wunderbaren Frucht angetan sein werden.

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