15.08.2020 17:49
Quelle: schweizerbauer.ch - idw/mge
Rispenhirse
Rispenhirse war Grundnahrungsmittel
Im bronzezeitlichen Europa (vor zirka 3'500 Jahren) rückte neu die Rispenhirse auf den Speisezettel. Eine gross angelegte Studie zeigt anhand von archäologischen Funden von Überresten der Rispenhirse, wie dieses damals neue Lebensmittel die ökonomische Veränderung beeinflusste.

Schon damals bestanden intensive Handels- und Kommunikationsnetzwerke, die eine erstaunlich schnelle Ausbreitung dieser neuen, fernöstlichen Kulturpflanze ermöglichten. „Heutzutage dominieren Weizen, Mais und Reis unser Getreidespektrum. Hirse wird hauptsächlich als Sonderfrucht für Vogelfutter wahrgenommen“, erklärt Professorin Wiebke Kirleis. Als glutenfreies Lebensmittel erfahre dieses Getreide aktuell aber wieder wachsende Aufmerksamkeit, um so spannender seien die Erkenntnisse der Studie.

Reich an Mineralien und Vitaminen

Rispenhirse wurde im Nordosten Chinas um 6'000 vor Christus domestiziert und schnell zu einem Grundnahrungsmittel. Sie ist ein trockenheitsresistentes, schnell wachsendes Getreide, das reich an Mineralien und Vitaminen ist. Mit einer Wachstumsdauer von nur 60 bis 90 Tagen von der Aussaat bis zur Ernte wurde es sowohl von Landwirten als auch von Hirten angebaut.

Hirse diente der Ernährung von Menschen und Vieh. Mit der Hirse im Gepäck breiteten sich pastorale Gruppen über tausende von Jahren von Ostasien nach Westen aus. Die früheste Hirse in Zentralasien stammt von archäologischen Stätten in Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und dem Kaschmir-Tal und wird auf etwa 2'500 vor Christus datiert.

Hirseanbau auf zwei Kontinenten

„In Europa war Rispenhirse seltsamerweise in einigen Ausgrabungen der Jungsteinzeit gefunden worden, die je nach Region zwischen 6'500 und 2'000 vor Christus datieren“, so Kirleis. Wie konnte es möglich sein, dass Hirse fast gleichzeitig in China domestiziert wurde? Weizen, Gerste und unsere Haustiere benötigten tausende von Jahren bis sie nach ihrer Domestikation im Gebiet des „fruchtbaren Halbmondes“ nach Europa eingeführt wurden.

Eine Forschungsgruppe machte sich daran, diese Frage zu beantworten. Sie erforschten nicht nur die Ausbreitung des Hirseanbaus in Europa, sondern richteten zudem das Augenmerk auf die Akzeptanz dieses exotischen Getreides in der prähistorischen Bevölkerung und überprüften, welche landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Phänomene mit dieser Innovation verbunden waren.

Schnelle Vegetationszeit hat viele Vorteile

Da Hirse innerhalb von drei Monaten nach der Aussaat reift, kann sie zwischen der Sommerernte und der Winteraussaat von Weizen oder Gerste in Zentral- und Südeuropa als Zwischenfrucht angebaut werden. Weiter nördlich diente sie wohl als Ersatzfrucht, wenn Spätfrost die jungen Pflanzen der Hauptsaat zerstört hatte. Die Hirse ermöglichte es, einen zusätzlichen Ertrag – Surplus – zu erwirtschaften, sie erhöhte die Ernährungssicherheit und begünstigte ein stetes Bevölkerungswachstum.

Die rasche Ausbreitung über weite Teile Mitteleuropas vor 3'500 Jahren, weise auf weitreichende Handels- und Kommunikationsnetzwerke zur Bronzezeit hin. Aber die Untersuchungen zeigen auch, dass die Rispenhirse schnell und weithin als vielseitige Ergänzung zur damals von Weizen und Gerste dominierten Küche anerkannt wurde, schließt Kirleis.

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