28.08.2018 13:28
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Botanik
Samen wittern Gefahr
Samen können einen Krankheitserreger in unmittelbarer Nähe wahrnehmen und ihre Keimung hinauszögern. Wie sie die Gefahr «wittern», beschreiben Forschende der Universität Genf.

Im Samen ist der Pflanzenembryo gut geschützt, aber als Keimling ist er sehr empfindlich. Zum Keimen braucht es deshalb optimale Bedingungen was Licht, Temperatur und Feuchtigkeit angeht. Aber auch vor Bakterien, Pilzen und Kleinstlebewesen müssen sich Pflanzen schützen, um diese fragile Phase ihres Daseins zu überleben.

Forschende der Universität Genf berichten nun, wie Samen der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana die Anwesenheit eines Bakteriums namens Pseudomonas aeruginosa feststellen. Dieser Keim wächst in feuchter Umgebung und kann sowohl bei Pflanzen als auch bei Mensch und Tier zu Infektionen führen, wie die Universität am Dienstag mitteilte. Er gilt auch als gefährlicher Spitalkeim, der unempfindlich gegen mehrere Antibiotika ist.

Samen nehmen Giftstoff wahr

Das Forschungsteam um Luis Lopez-Molina und Jean-Luc Wolfender von der Uni Genf identifizierten einen Giftstoff namens AMB, den der Keim ausschüttet. Eigentlich dient dieser Stoff den Bakterien zur Kommunikation untereinander, um die Produktion von Virulenz- und Resistenzfaktoren zu koordinieren. Die Ackerschmalwand hat jedoch gelernt, AMB ebenfalls wahrzunehmen und es als Signal zu nutzen, um die Keimung hinauszuzögern. Davon berichten die Forschenden im Fachblatt «eLife».

«Der Prozess, den AMB auslöst, dient vermutlich dazu, Keimlinge vor grösseren oder gar fatalen Schäden durch das Bakterium zu bewahren», erklärte Studienautor Hicham Chahtane gemäss der Mitteilung. «Sobald die Gefahr vorüber ist, keimen die Samen und entwickeln sich zu gesunden Keimlingen.»

AMB spiele auch bei Infektionen von Menschen mit P. aeruginosa eine Rolle, schrieb die Uni Genf weiter. Die Produktion dieses Giftstoffs wurde demnach auch bei Patienten mit zystischer Fibrose und der Augenentzündung Keratitis festgestellt. Das spreche dafür, dass AMB zur Aggressivität dieses Keims beiträgt, und zwar sowohl bei Mensch und Tier als auch bei Pflanzen.

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