29.12.2019 17:21
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Jahresrückblick 2019 (7/8)
Schweizer Wald leidet
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) zieht Bilanz über das Jahr 2019. In der achtteiligen Serie erfahren Sie das Wichtigste zum Landwirtschaftsjahr 2019. Im siebten Teil geht es um den Obst- und Traubenanbau und den Wald.

Erneut ein herausforderndes Jahr für die Schweizer Waldeigentümer: Wer hoffte, der Wald würde sich nach den Stürmen und der ausgeprägten Trockenheit von 2018 allmählich erholen, hat sich getäuscht. Die Borkenkäfer haben sich munter weitervermehrt und nicht mehr nur Fichten, sondern auch Tannen, Föhren und Lärchen befallen.

Im Frühling 2019 starben in den milderen Lagen unzählige Weisstannen ab - ein neues Phänomen und vermutlich die Folge der Trockenheit vom Vorjahr. Ausgerechnet die Tanne war betroffen, die in der Schweiz als trockenheitsresistente Hoffnungsträgerin gefördert wurde. Im Sommer, der wiederum vielerorts mit Rekordtemperaturen daherkam, ging es dann auch der Buche an den Kragen. Das Wort "Waldsterben" wird geflissentlich vermieden, dem Schweizer Wald geht es jedoch so schlecht wie schon lange nicht mehr, er verändert sich schneller und tiefgreifender als befürchtet.

Wohin mit Schadholz?

Landauf, landab und seit Monaten sind die Forstbetriebe und Forstunternehmen mit dem Fällen kranker Bäume und notfallmässigen Aufräumarbeiten beschäftigt. Grosse Schadholzmengen sind angefallen. Wohin damit? Die Lager der Sägereien sind übervoll, die Preise unter Druck.

Um die schwierige Situation zu meistern, haben die Waldeigentümer dieses Jahr auf politischer Ebene verschiedene Unterstützungsmassnehmen seitens Bund und Kantonen gefordert, wie etwa Erleichterungen bei der Errichtung von Rundholzlagern im und ausserhalb des Waldes oder die Förderung von Wiederaufforstungen mit klimafitten Baumarten. Weiter wird von den Kantonen eine sorgfältige Koordination aller Massnahmen erwartet.

Finanzielle Unterstützung gefordert

Damit der Wald einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten kann, sollen die Waldeigentümer motiviert werden, die Waldbewirtschaftung auf eine optimale CO2-Speicherung auszurichten - bei gleichzeitiger Nutzung des klimaneutralen Rohstoffs Holz. Verschiedene Bestrebungen sind im Gang, einen Zertifikatshandel zu Kompensation von CO2-Emissionen mit Waldprojekten zu etablieren (auf freiwilliger Basis).

Zudem machen sich die Waldeigentümer bei Revision des CO2-Gesetzes dafür stark, dass die CO2-Senkenleistungen das Waldes künftig finanziell abgegolten werden können.

Gute Qualität, schwieriger Markt

Trotz wechselhaften Wetterbedingungen erzielten die Obst- und Beerenproduzenten 2019 ansprechende Mengen. 

Tafeläpfel: Ziellagerbestand leicht übertroffen

Der Lagebestand per Ende November kommt mit 58'541 Tonnen über dem angestrebten Ziellagerbestand von 57'000 Tonnen zu liegen, verglichen mit dem Vorjahr aber etwas tiefer. Qualitativ fiel die Ernte 2019 sehr gut aus. Die Abverkäufe haben sich auch im November auf gutem Niveau gehalten. Die Abverkäufe von Tafeläpfeln auf Stufe Gross- und Detailhandel liegen leicht über dem Vorjahres-Index.

Tafelbirnen: Erfreuliche Abverkäufe im November

Die Birnenvorräte per Ende November 2019 liegen mit 10'361 Tonnen höher als 2018 mit 9'191 Tonnen. Den Hauptanteil des Lagerbestandes macht mit 6'397 Tonnen die Sorte Kaiser Alexander aus, gefolgt von Conférence mit 1'818 Tonnen, Gute Luise mit 1'248 Tonnen, anderen Sorten mit 583 Tonnen und Williams mit 315 Tonnen. Positiv ist der gute Abverkauf bei den Tafelbirnen.

Schwieriger Beerenmarkt

Im Vergleich zum Vorjahr konnten mehr Beeren und Kirschen geerntet werden, der Beerenmarkt blieb allerdings angespannt. Die Beerenernte 2019 fiel mit rund 10'209 Tonnen insgesamt gut aus. Wöchentliche Mengenschwankungen aufgrund des wechselhaften Wetters forderten den Markt heraus. Die Haupterntezeit fiel mitten in die Sommerferien, was sich negativ auf den Preis auswirkte. Ausserdem verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Beeren: die zollfrei importierten Heidelbeeren konkurrenzieren in den Ladenregalen direkt mit den Schweizer Brombeeren. Trotz sehr guter Zusammenarbeit mit dem Handel und einer Vielzahl von Aktivitäten gelangten nicht alle Beeren zu den Konsumentinnen und Konsumenten und mussten teilweise an die Industrie zurückgeführt werden.

Kirschenproduzenten waren gefordert

Der Blühet war lang, kühl bis frostig und bescherte den Kirschenproduzenten Regen, Schnee und Wind. Es ergab sich dadurch ein erhöhter Aufwand mit dem Schutz der Kirschenanlagen. Die Hitzewelle Ende Juni verzögerte die Reifung just in der Woche, als im Detailhandel die ersten grossen Aktivitäten liefen. Als Sofortmassnahme mussten insgesamt drei Importkontingente freigegeben werden. Ab Woche 28 konnte der Bedarf mit Schweizer Kirschen abgedeckt werden. 

Zwetschgen ohne Absatzprobleme

Die Zwetschgensaison 2019 verlief bezüglich Ernte und Vermarktung ohne grössere Probleme. Insgesamt fiel die Ernte jedoch 22% tiefer aus als erwartet. Die Ernte begann zwei Wochen später als 2018 anfangs August und endete bereits in den letzten Septembertagen. Die schwache Ernte ist zurückzuführen auf das Wetter wärhend der Blüte und die Alternanz aufgrund der Rekordernte 2018. 

Aprikosen: ein sicherer Wert

Die Aprikosensaison verlief erfolgreich. Zum Saisonstart waren Importkontingente notwendig, ab Mitte Juli deckte die inländische Produktion den ganzen Jahresbedarf ab.

Wein: übliche Menge, gute Qualität

Nach einer ausserordentlich grossen Ernte im Vorjahr können Winzerinnen und Winzer auf ein herausforderndes Weinjahr 2019 mit gewöhnlichen Mengen zurückblicken.

Im Frühling gefährdeten Fröste die Trauben, anschliessend war der Pilzdruck wegen der warmen und feuchten Sommerwitterung besonders stark. Der regenreiche Oktober brachte Herausforderungen bei der Koordination der Ernte.

In den Kantonen Luzern und Aargau fiel die Ernte knapp ein Viertel unter der Menge 2018 aus, im Vergleich zum 10-Jahres-Durchschnitt war die Menge in Luzern normal, in den Kantonen Aargau, Waadt und Wallis etwas kleiner. Aufgrund der langen Reifezeit fallen insbesondere Rotweine aromatisch aus.

Aufgrund der guten Vorjahresernte sind die Weinkeller noch immer voll. Weinbauern forderten Ende November eine Überprüfung der Einfuhrsteuern auf ausländischem Wein.

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