23.04.2020 11:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Weinbau
Schweizer Weissweine auf Vormarsch
Erfolg für die Schweizer Weinbranche: Im Jahr 2019 ist der Marktanteil von Schweizer Wein weiter gewachsen. Besonders gross war das Interesse an Schweizer Weisswein, davon wurde 10,3 Prozent mehr konsumiert als im Jahr zuvor. Trotzdem ist die Lage bei den Winzern angespannt.

Der Verbrauch von Schweizer Weisswein erhöhte sich um 4,5 Millionen Liter auf rund 48 Millionen Liter, wie das Bundesamt für Landwirtschaft am Donnerstag mitteilte. Der Konsum von Schweizer Rotwein stieg um 1,6 Prozent auf 44,3 Millionen Liter.

40 Flaschen pro Person

Auch insgesamt wurde in der Schweiz mehr Wein getrunken als 2018: Rund 255 Millionen Liter Wein wurden konsumiert (+4,7 Prozent im Vergleich zu 2018). Dies entspricht knapp 40 Flaschen à 0,75 Liter pro Person.

Der Konsum von ausländischem Weisswein stieg laut BLW ebenfalls etwas an, er beläuft sich auf rund 41 Millionen Liter (+2,3 Millionen Liter; + 5,9 Prozent). Der ausländische Rotweinkonsum verzeichnet einen Zuwachs um 3,9 Millionen Liter und liegt bei 119,8 Millionen Litern (+ 3,4 Prozent). Weiter gestiegen sei auch der Konsum von Schaumwein, nämlich um 3,3 Prozent auf rund 20 Millionen Liter.

Etwas mehr Marktanteil gewonnen

In den Jahren 2018 und 2019 bevorzugten die Schweizer Konsumenten Schweizer Weine. Ihre Marktanteile verzeichneten laut BLW einen «erfreulichen Anstieg» von 1,6 Prozent im Jahr 2018 und 0,4 Prozent im Jahr 2019. Der erneute Marktanteilsgewinn sei ein Resultat der guten Arbeit der Schweizer Winzerinnen und Winzer und der daraus resultierenden «hervorragenden Qualität der Schweizer Weine».

Der volumenmässige Marktanteil der Schweizer Weine von acht der grössten Detailhändler der Schweiz beträgt gemäss Jahresbericht des Schweizerischen Observatoriums des Weinmarktes (OSMV) 27,5 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weil Restaurants und Bars wegen der Covid-19-Pandemie seit Mitte März geschlossen sind, wird erwartet, dass der Weinkonsum im laufenden Jahr sinken wird. Detaillierte Zahlen zur Weinproduktion und zum Weinkonsum sind im Bericht «Das Weinjahr 2019» zu finden.

Winzer fürchten um ihre Existenz

Zu viel Schreibtischarbeit und zu hohe Kosten: Die unabhängigen Weinbauern protestieren gegen die neue Weinverordnung des Bundes. Besonders in Rage sind die Winzer in der Romandie. «Die neue Verordnung stellt an uns die gleichen Anforderungen wie an den Weinhandel. Die Folgen sind ein erheblicher Anstieg der Verwaltungskosten im Vergleich zu der Zeit, als die Kellerinspektionen von den Kantonen durchgeführt wurden», erklärte der Genfer Winzer und SVSW-Präsident Willy Cretegny die Gründe für den Zorn der kleinen Weinbauern im März.

Zudem machen sich die unabhängigen Winzer angesichts der aktuellen Situation auf dem Schweizer Weinmarkt Sorgen um ihre Zukunft. Der Schweizer Wein verliere Jahr für Jahr an Boden gegenüber den Importen. «So kann es mit dem Freihandel nicht weitergehen», kritisiert Cretegny. Aufgrund der hohen Lagerbestände sind die Preise für Schweizer Weine, insbesondere aus der Romandie, deutlich gesunken. Um für den Jahrgang 2019 Platz zu schaffen, haben Winzer aus den Kantonen Genf und Waadt Wein von 2018 an den Detailhandel praktisch verschenkt.

Die Winzer fürchten deshalb um ihre Existenz. Sie sehen sich ihrer Perspektive beraubt und fordern vom Staat, dass er die Weinwirtschaft besser schützt. In der Romandie mit den Weinanbaugebieten in den Kantonen Wallis, Waadt, Genf und der Drei-Seen-Region befinden sich rund drei Viertel der Weinberge der Schweiz.

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