27.06.2017 07:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Gemüse
Spargel-Ernte deutlich höher
Frost, Hitze, Trockenheit: Das Wetter hat die Spargelproduzenten heuer gefordert. Dennoch können sie auf eine gute Saison zurückblicken: Die Erntemengen liegen deutlich über dem Vorjahr.

Die Spargel-Ernte ist vielerorts bereits zu Ende. Auch wenn definitive Erntemengen noch nicht vorliegen, zeichnet sich bereits ab: Die Saison 2017 fällt ertragsmässig gut aus. Knapp 790 Tonnen Spargeln haben die Produzenten gemäss Angaben der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen bis kurz vor Saisonschluss am 24. Juni (siehe Textbox) gestochen.

Das sind über 120 Tonnen mehr als im Vorjahr. Was auffällt: Dominierten über Jahre die grünen Spargeln den Schweizer Anbau, wurden heuer erstmals deutlich mehr weisse als grüne Spargeln geerntet. Grund dafür sind die Frostnächte im April, welche den oberirdisch wachsenden Grünspargeln erheblich zugesetzt haben, während Bleichspargeln, die in Erddämmen wachsen, weitgehend geschützt blieben.

Kaum Probleme mit Krankheiten

Raphael Peterhans, Betriebsleiter des Spargelhofs in Rafz ZH, spricht von einer guten bis sehr guten Saison. "Wir hatten einen super Start. Wir konnten fast zwei Wochen früher mit der Ernte beginnen als normal und dies bei trocken-warmen Bedingungen. Das war ideal", bilanziert Peterhans. In der zweiten Aprilhälfte brachen jedoch die Temperaturen ein, mehrere Frostnächte sorgten für Schäden an den Grünspargeln. "Wir konnten zwei Wochen lang nicht ernten", so Peterhans.

Gegen Ende Saison haben die Kulturen unter den sommerlich-heissen Temperaturen gelitten. "Ab 25 Grad wird es kritisch", sagt Peterhans. Teils habe die Qualität gelitten.  Insgesamt ist der Zürcher Spargelproduzent jedoch zufrieden: Das sonnig-warme Wetter habe die Spargeln spriessen lassen, die trockene Witterung das Ernten erleichtert – im Gegensatz zum nassen Vorjahr. Dafür musste Peterhans einmal die Felder bewässern, um zu verhindern, dass die Spargeln dünn bleiben. "In den Vorjahren mussten wir immer erst nach der Saison bewässern", erklärt der Spargelproduzent.

Das trocken-warme Wetter erleichterte die Produktion: "Der Krankheitsdruck auf den Stangen war klein", sagt Spargelproduzent Marius Brupbacher aus Oberstammheim ZH. Und: "Die Qualität war während der ganzen Saison überdurchschnittlich. Wir hatten nie Beanstandungen", freut sich Brupbacher.

Erste Spargeln besonders beliebt

Mit der Saison 2017 zufrieden ist auch Spargel-Vermarkter Jürg Weber, Geschäftsführer der Landi Hüttwilen und Umgebung. Der frühe Saisonstart Anfang April sei ideal gewesen, weil im Frühjahr der Appetit auf Spargeln besonders gross sei, betont Weber. Ab der zweiten Maiwoche sei der Absatz jedoch etwas ins Stocken geraten. Weber führt das auf die hohen Temperaturen zurück. Die Konsumenten würden dann eher auf andere Gemüsearten ausweichen.

Spargelproduzent Brupbacher mahnt die Branche zur Vorsicht. Man habe in diesem Jahr grosse Mengen als Aktionen vermarkten müssen. Für Brupbacher ist deshalb klar, dass die Anbaufläche künftig nicht – wie in den Vorjahren – beliebig ausgedehnt werden dürfe, weil sich allmählich eine Sättigung abzeichne.

Am 24. Juni ist Schluss

Die Spargelernte endet gemeinhin am Johannistag, dem 24. Juni, damit die Pflanze genug Kraft für das darauffolgende Jahr sammeln kann. Spargeln treiben nach dem letzten Schnitt nochmals aus und bilden einen grünen Busch. Dieser dient der Photosynthese, mit welcher der Spargel Energie „tankt”, die wiederum für den Austrieb im nächsten Jahr gebraucht wird.

Schweizer Spargeln sind auf dem Vormarsch

Schweizer Gemüseproduzenten haben in den letzten Jahren den Spargelanbau stark ausgedehnt und damit das Angebot an Schweizer Spargeln erhöht. Dennoch deckt die hiesige Produktion nur rund 6 Prozent des Bedarfs ab: Von den 11'000 Tonnen, die 2016 verkauft wurden, stammten lediglich 670 Tonnen von hiesigen Äckern. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum liebt bei 1,4 kg Spargeln.

 

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