23.09.2013 18:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner, LID
Tafeltrauben
Thurgauer Tafeltrauben auf dem Vormarsch
15 Bauern produzieren im Kanton Thurgau auf rund neun Hektaren Tafeltrauben. Für Markus Frei aus Uesslingen ist dies zu einer Herzensangelegenheit geworden.

Etwas ausserhalb von Uesslingen im Kanton Thurgau fällt eine Anlage auf, die so gar nicht ins gewohnte Bild der Kulturen in dieser Gegend passt. In 20 Reihen stehen Rebstöcke, geschützt unter einem Dach aus Plastik. Was sich darunter befindet, ist noch sehr jungen Ursprungs, denn Tafeltrauben aus dem Thurgau gibt es erst seit wenigen Jahren. In wunderschön anzusehenden Traubendolden hängen sie an den Rebstöcken, bereit für die Ernte. "Nachdem die Reifung der Trauben lange Zeit rund zwei Wochen verspätet war, hat sie durch das bessere Wetter der vergangenen Monate stark aufgeholt", erzählt Markus Frei, dem die 1,3 Hektaren grosse Anlage gehört. "Sie ist nur noch eine Woche bis zehn Tage später als sonst."

Erhebendes Gefühl

"Der Anblick der reifen Trauben fasziniert mich jedes Jahr wieder", sagt der Landwirt strahlend. "Ein Jahr lang haben wir die Trauben gehegt und gepflegt. Dass sie nun in den Verkauf kommen, ist ein erhebendes Gefühl." Besonders freut sich der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Tafeltraubenproduzenten Thurgau, dass er und seine 14 Kollegen den Konsumentinnen und Konsumenten Tafeltrauben aus der Region anbieten können.

Aus der Region

Rund 65 Tonnen Thurgauer Tafeltrauben erwartet Frei in diesem Jahr. 51 Tonnen werden ab dem 23. September über die Tobi Seeobst AG an die Migros Ostschweiz und andere Wiederverkäufer geliefert. Je rund sieben Tonnen vermarkten die Landwirte selber als Tafeltrauben und als Traubensaft. Bei Frei entsteht sogar ein Sauser und ein Traubenschnaps aus der Muscat bleu. Ein anderer Bauer stellt ein Traubenshorley her. Organisiert sind die Produzenten in einer Arbeitsgemeinschaft, in der nicht nur die Qualitätsrichtlinien festgelegt werden, sondern auch über Strategien und Vermarktungsmassnahmen entschieden wird.

Kurze Transportwege

Die Tafeltraube ist weltweit eine der beliebtesten Fruchtarten. Rund 36'000 Tonnen werden pro Jahr in die Schweiz importiert. Die 65 Tonnen aus dem Kanton Thurgau, so viel wie noch nie, sind also eine verschwindend kleine Menge. "Trotzdem ist der Anbau dieses Nischenproduktes bei uns sinnvoll", betont Frei. "Konsumentinnen und Konsumenten schätzen die hohe Qualität. Immer wichtiger ist ihnen auch die Sicherheit, dass die Transportwege sehr kurz sind."

Bewährte Sorten

Begonnen hat das Unternehmen Tafeltrauben vor bereits zehn Jahren. Damals nahmen einige Thurgauer Bauern unter der Leitung von Bruno Hugentobler, damaliger Leiter Fachstelle Obst und Weinbau Arenenberg, das Projekt in Angriff. Als erstes waren bei Markus Frei und seinen Kollegen Investitionen von rund 150'000 Franken pro Hektare notwendig. Denn sie mussten die Rebstöcke anschaffen und für die Abdeckung sorgen, alles auf 20 Jahre ausgelegt. "Unsere Trauben müssen ab spätestens Mitte August gedeckt sein", sagt Frei. "Dadurch wollen wir verhindern, dass durch den Regen Krankheitskeime auf die Trauben fallen, unsere Trauben also gesund bleiben, vor Hagel geschützt sind und wir auch weniger Pflanzenschutz benötigen. Einzelne faule können wir dadurch weitgehend verhindern und Wespen fernhalten."

Aromatische "Muscat bleu"

Die eigentliche Pionierarbeit bestand in der Auswahl der Sorten. Die Bauern mussten zuerst herausfinden, welche Trauben in ihrer Region gedeihen. 40 Prozent der Sorten eigneten sich nicht. "Bewährt haben sich bis heute die weissen Sorten Fanny und Lilla", erklärt Frei. "Bei den roten ist es vor allem die Muscat bleu. Sie ist eine zwar kleine, aber sehr aromatische Traube, die richtig Freude macht beim Essen. Zudem ist sie recht pilzresistent." Bei den rosaroten Trauben erwähnt er die "Pirovana 185". Die Suche nach geeigneten Sorten geht aber weiter.

Menge langsam steigern

Trotz des grossen Anfangsaufwandes und der Investitionen ist Markus Frei froh, dass er den Schritt in diese Nische gewagt hat. "Für keinen anderen Produktionsbereich bekommen wir immer wieder so herzliche Komplimente", sagt er. "Viele haben Freude, dass sie Tafeltrauben aus der Region kaufen können, auch wenn sie einiges teurer sind. In Euphorie werden wir aber nicht verfallen. Das heisst, dass wir gerne wachsen wollen, aber langsam."

www.thurgauer-tafeltrauben.ch

 

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