9.10.2013 10:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wein
Westschweizer Weinernte geringer - aber gute Qualität
Weinliebhaber dürfen sich freuen: Westschweizer Winzer rechnen dieses Jahr mit einem qualitativ sehr guten Wein. Allerdings dürfte die Erntemenge wegen des ungünstigen Wetters geringer als üblich ausfallen. Der Hagel richtete grossen Schaden an.

«Das regnerische und kühle Wetter im Juni hat zu einer schlechten Bestäubung geführt», sagte Pierre-Antoine Héritier, Präsident des Walliser Winzerverbands, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Wir werden deshalb von vielen Rebsorten etwa zehn Prozent weniger ernten als üblich.» Die Produktion werde auf weniger als eine Flasche pro Quadratmeter sinken. 

Trauben von guter Qualität

Die Qualität hingegen dürfte umso besser ausfallen. «Da die Pflanzen weniger Früchte tragen, sind die Aromen und der Zucker konzentrierter», erklärt Héritier. Die Trauben hätten zudem ein schöneres Fruchtfleisch als üblich. 

Anders als im Frühling fielen die Monate Juli, August und September recht trocken aus. Auch die Temperaturen seien ziemlich gut gewesen, sagte Yann Huguelit von der Neuenburger Winzervereinigung. Die Trauben seien deshalb von guter Qualität. Die geringer ausfallende Menge hat aber auch eine schlechte Seite. «Wir werden weniger präsent sein auf dem Markt», sagte Gilles Cornut, Präsident der Branchenorganisation der Waadtländer Winzer. 

Nächste Woche entscheidet 

Die gute Qualität sollte nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass die Weinlese dieses Jahr erst spät in Angriff genommen werden kann. Entscheidend werde das Wetter in der nächsten Woche sein, sagte Cornut: «Es muss schön sein.» 

Denn wenn es regne, könnten die Trauben nicht rechtzeitig gelesen werden - und würden überreif oder gar faul. «Wir drücken die Daumen.» Laut Héritier findet die Weinlese dieses Jahr nicht aussergewöhnlich spät statt. «Vielmehr haben uns die vergangenen Jahre häufig frühe Weinlesen gebracht.» 

Hagel richtete grosse Schäden an 

Auch von Unwettern wurden die Weinbauern dieses Jahr nicht verschont. Insbesondere Hagel richtete ausser im Wallis grossen Schaden an: Zwei Drittel des 600 Hektar grossen Weingebiets im Kanton Neuenburg waren davon betroffen. Der Schaden beläuft sich auf 11 Millionen Franken. 

Der finanzielle Ausfall dürfte sich dieses Jahr in Grenzen halten, da die meisten Winzer versichert sind. Schwierigkeiten könnten aber ab nächstem Jahr wegen Traubenmangels auftreten. Der Hagel hat nicht nur Trauben und Blätter zerschlagen, sondern teilweise auch das Holz der Weinstöcke, so dass diese weniger treiben und damit auch weniger Trauben wachsen. Neuenburg hilft mit Darlehen aus. Bisher habe aber niemanden den Kanton darum gebeten, sagte Huguelit. 

In der Waadt, wo Ausfälle von 8,5 Millionen Franken zu verzeichnen sind, greift der Kanton den Winzern mit Steuererleichterungen unter die Arme. Maximal die Hälfte der von der Hagelversicherung ausgeschütteten Entschädigung kann aufs nächste Steuerjahr gelegt werden - um grobe Ausschläge zu vermeiden, erklärte Winzerpräsident Cornut. 

Solidarität unter Berufskollegen

Der Kanton Genf (3,5 Millionen Schaden) hat hingegen keine speziellen Massnahmen geplant. Die Genfer Winzer verlassen sich auf die Hagelversicherung und auf die Solidarität ihrer Berufskollegen. 

Das funktioniert recht gut, sagte Guillaume Potterat, der technische Verantwortliche für Weinbau und -kunde in der Genfer Landwirtschaftsdirektion. Viele vom Hagel heimgesuchte Weinbauern hätten sich bei der Ernte mit Kollegen arrangiert, um direkt in deren Weinbergen ernten zu können und so auf vernünftige Mengen zu kommen. 

In Neuenburg kauften wenige Winzer in anderen Kantonen Trauben zu, um die Hagelschäden auszugleichen. Die Kantonsbehörden hatten die zulässige Zukaufsmenge aus anderen Kantonen vorsorglich verdoppelt. Die Weinbauern ziehen es aber vor, im eigenen Kanton zu kaufen, um so die geschützte Herkunftsbezeichnung zu behalten, wie Huguelit erklärte.

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