10.10.2019 10:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Weinbau
Winzer tritt in Hungerstreik
Der Präsident der Schweizerischen Vereinigung der selbsteinkellernden Weinbauern, der Genfer Willy Cretegny, hat am Donnerstagmorgen gemeldet, dass er in einen Hungerstreik tritt. Er will damit auf die verzweifelte Lage der Winzer und der Natur aufmerksam machen. Am Freitag um 11 Uhr beginnt er mit dem Hungerstreik.

Die Biodiversität verschwinde, die Gletscher schmelzten, ganze Teile der lokalen Wirtschaft brächen weg, schreibt Willy Cretegny in Medienmitteilung. «Der Weinbau, mein Métier, mein Broterwerb, bietet meiner Tochter, die den Betrieb mit Mut und Motivation übernimmt, überhaupt keine positive Perspektive mehr. Trotzdem sei man als Familie seit 20 Jahren im Bioweinbau engagiert. Winzer, die sich heute dem Bioweinbau zuwandten, hätten es aber schwer, die nötigen Marktanteile zu finden.  

Mit der Vereinigung der selbsteinkellernden Weinbauern verhandle er seit Monaten mit den Behörden, bislang ohne Erfolg. Man prangere unermüdlich die Absurdität der freien Märkte und des Freihandels an, so Cretegny. Er kritisiert die Inkohärenz einer Politik, die von den Importen profitiere, zum Schaden der lokalen Produktion.

Nun stelle er sich nur noch die Frage, mit welcher Strategie man die Dinge ändern könne, wie man die allgemeine Verblendung durchbrechen könne. Nun hofft Cretegny mit dem Hungerstreik, den er am Freitag, 11. Oktober um 11 Uhr beginnen will, die nötige Aufmerksamkeit für die Schwere der Situation zu bekommen.

Die Kantone Wallis, Waadt, Genf und Neuenburg baten Bundesrat Guy Parmelin Mitte September um Unterstützung bei einer nationalen Werbekampagne zur Förderung der Schweizer Weine. Seit mehreren Jahren und trotz grosser Anstrengungen der Industrie in der Produktion sinke der Marktanteil der Schweizer Weine stetig.

Er liege heute noch bei rund 35 Prozent des gesamten Weinkonsums in der Schweiz, schrieben die vier Westschweizer Weinkantone in einem Communiqué. Dies sei zu wenig, um einen ausgeglichenen Absatz der einheimischen Produktion sicherzustellen. Darüber hinaus bestehe ein Risiko für die Rentabilität der Betriebe und den Fortbestand des Schweizer Weinbaugebiets.

Die schwierige Lage, in der sich die Schweizer Weinwirtschaft befinde, erfordere starke Massnahmen vonseiten der öffentlichen Hand, heisst es in einem Schreiben an den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Ausbildung und Forschung (WBF). Die Werbekampagne soll vom Branchenverband der Schweizer Reben und Weine (BSRW) geführt und vom Bund finanziell unterstützt werden. 

In der Romandie mit den Weinanbaugebieten in den Kantonen Wallis, Waadt, Genf und der Drei-Seen-Region befinden sich rund drei Viertel der Weinberge der Schweiz.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE