Montag, 28. November 2022
30.08.2022 18:19
Luzern

Gefährlicher Schädling entdeckt

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Von: sda/blu

In Zell im Luzerner Hinterland treibt der Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB) sein Unwesen. Der besonders gefährliche Schädling bringt Bäume innert weniger Jahre zum Absterben. In der Schweiz wurde er bislang erst vier Mal gemeldet – und jeweils erfolgreich getilgt.

Aufmerksamen Anwohnenden waren einzelne Exemplare des Käfers in Zell aufgefallen, wie das Luzerner Umweltdepartement am Dienstag mitteilte. Der ALB gilt als einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge weltweit und ist in der Schweiz meldepflichtig.

2,5 bis 3,5 Zentimeter gross

Der Käfer ist 2,5 bis 3,5 Zentimeter gross, glänzend schwarz mit unregelmässigen hellen Flecken auf den Flügeldecken. Er befällt Laubbäume, wie etwa Ahorn, Pappel, Weide, Rosskastanie, Birke, Platane, Buche und weitere Laubholzarten. Die Larven fressen sich durch Bast und Baum und beschädigen damit die Leitgefässe, sodass der Baum abstirbt.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) wird vom Bundesamt für Umwelt als prioritärer Quarantäneorganismus eingestuft. Er hat in Europa keine natürlichen Feinde und muss daher bekämpft und getilgt werden. In die Schweiz gelange er aufgrund weltweiter Handelsströme meist in Verpackungsholz aus Ostasien.

Spürhunde und Kletterer

Hierzulande tauchte der Asiatische Laubholzbockkäfer 2011 erstmals auf. Zuletzt war er im Schädlingsgeplagten Kanton Freiburg 2019 ausgerottet worden. Da der Käfer als träge gilt und für seine Entwicklung im Holz meist zwei Jahre benötigt, habe man in Luzern «die berechtigte Hoffnung», dem Problem Herr zu werden.

Dazu kommen in Zell nun Suchteams mit Kletterspezialisten und Spürhunden zum Einsatz, die das betroffene Gebiet nach Käfern absuchen. Wirtsbäume müssen gefällt und gehäckselt werden. Die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden für betroffene Gebiete seien hoch.

Sammelstelle für Grüngut

«Wir sind auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Alle können mithelfen! Uns ist natürlich bewusst, dass die Situation nicht angenehm ist. Deshalb sind wir besonders dankbar für das Verständnis der Bevölkerung», sagte Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald der Dienststelle Landwirtschaft und Wald.

Für die Bevölkerung von Zell richtet der Kanton eine spezielle Sammelstelle für Grüngut ein. Wer einen verdächtigen Fund macht, solle den Käfer in einem Glas mit gelöchertem Deckel im Kühlschrank aufbewahren, bis das Tier von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald abgeholt wird.

Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB)
Der Asiatische Laubholzbockkäfer (lat. Anoplophora glabripennis) ist mit einem breiten Wirtsspektrum einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge weltweit. Der Käfer ist 2,5 bis 3,5 Zentimeter gross, glänzend schwarz mit ca. 20 unregelmässigen hellen Flecken auf den Flügeldecken. Die Fühler der Weibchen erreichen gut Körperlänge, diejenigen der Männchen mindestens die doppelte Körperlänge. Die beinlosen Larven werden rund 5 Zentimeter lang und sind auf dem Nackenschild mit einem zinnenförmigen Band gezeichnet.

Die Schäden entstehen durch den Larvenfrass – zunächst im Bast am lebenden Baum – danach im Holz. Die reiskorngrossen Eier werden im lebenden Baum unter der Rinde abgelegt. Der Larvenfrass beschädigt die Leitgefässe des Rindenbastes und des Splintholzes und unterbricht so den Saftstrom und der Baumteil stirbt ab. Mehrfacher und starker Befall führt zum Absterben von Kronenteilen und letztendlich zum Absterben des Baumes.

Daneben besteht die Gefahr von Windbruch bei befallenen Ästen. Befallene Bäume müssen auch aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Nach der Verpuppung nagen sich die Käfer im Spätsommer bis Herbst aus einem kreisrunden Loch von bis zu 15 mm Durchmesser und führen den Reifungsfrass an Blättern oder Rinde durch. Der Flugradius beträgt weniger als 500 Meter.

Weil er in Europa keine natürlichen Feinde hat, müsse der Käfer bekämpft und getilgt werde, teilten die Behörden mit.
Beat Wermelinger
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