3.12.2014 10:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Wald
«Auf den Eichen wachsen die besten Schinken»
Der Allschwiler Wald ist eine Hochburg der Eiche. Dass sie aber auch hier nicht überall natürlich wächst und auch um ihren Absatz trotz grosser Nachfrage gekämpft werden muss, erklärte das Amt für Wald beider Basel.

Ihr Wipfel wankt, obwohl es windstill ist. Über 20 Meter hoch ist die Eiche, die gleich krachend fallen wird, und 150 Jahre alt. Nun geht es ihr an den Kragen, oder genauer: ans Fundament. Die Kettensäge heult, jeder Schnitt sitzt anscheinend millimetergenau. Dann treibt der Forstwart-Lehrling einen Keil in den Stamm, ein paar Zentimeter dick nur, Hammerschläge hallen durch das farbige Laub. Er reicht, um den mächtigen Baum genau in die gegenüberliegende Schneise fallen zu lassen. Dann ist es still.

Der Allschwiler Wald ist eine Hochburg der Eiche. Hier stehen unverhältnismässig viele davon. Betrug ihr Anteil einst gar 70 Prozent, so sind es heute noch 38, doch selbst dies liegt deutlich über dem Kantonsdurchschnitt von acht Prozent. Und weil die Traubeneiche der Baum des Jahres 2014 ist, lud das Amt für Wald beider Basel die Medien auf eine Besichtigung in den Allschwiler Wald ein.

Eichen stark gefördert

Die Eiche geniesst in der grössten Ortschaft Basellands vor den Toren Basels eine grosse Bedeutung. Sie ist auch mitten im Dorfkern auffällig oft anzutreffen – in Form von Balken der Fachwerkhäuser, die Allschwil seinen besonderen Charme verleihen. Darum wurde die Eiche in den vergangenen Jahrhunderten stark gefördert, denn auf natürlichem Weg hätten sich hier Erlen, Buchen und Eschen durchgesetzt. Das hat dem Allschwiler Wald einen Platz im kantonalen Inventar geschützter Naturobjekte gesichert.

Zwischen 1870 und 1950 wurden die Eichen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr gefördert. Heute fehlen entsprechende Bestände komplett, erst seit 1950 wird der Eichenbestand dank gezielten Pflanzungen systematisch verjüngt. Dazu gehört auch, Bäume erst ab einem Alter von rund 150 Jahren zu schlagen, nicht schon mit 120 Jahren.

Auf den Eichen wachsen die besten Schinken. Diese überlieferte Redewendung belegt, dass der Wald einst noch mehr Verwendungszwecken diente als heute. In Zeiten, in denen Bauern ihre Schweine nämlich ins Gehölz trieben, damit diese sich dort an Eicheln mästeten, war der Wald mehr als Erholungsgebiet und Holzlieferant.

Holz von guter Qualität

Die Eiche hat sich im Raum Basel einerseits ihres ökologischen Werts, andererseits aber vor allem ihrer starken Marktposition wegen halten können. Der durchschnittliche Erlös liegt im Gegensatz zu anderen Laubbäumen bedeutend höher. Sie hat sich entgegen dem
bodenlosen Fall der Verkaufserlöse für Laubholz behaupten können. Die eingangs gefällte Eiche  hat eine Qualität, wie
sie sich Revierförster Markus Lack wünscht. Er will sie als Stammholz verkaufen, denn die Jahresringe sind fein und gleichmässig, der Stamm steckengerade. Einen Erlös von 800 Franken, schätzt Lack, könnte er pro Kubikmeter erreichen.

Holz für Schweizer

Dann erklärte er, was während der 150 Jahre, in denen der Baum gedeiht, an Arbeit anfällt. Eichen sind aufwendig in der Pflege, ihr Lichtbedarf führt dazu, dass ihr besonders in jungen Jahren Konkurrenz von anderen Arten vom Leib gehalten werden muss. «Zudem ist der Anteil der allerbesten Qualität sehr gering. Auch sie decken den hohen Aufwand kaum», erläuterte Lack.

Die Preise für das Eichenholz unterliegen zunehmend globalen Finanzströmen. Das erklärte Roman Wettstein von der Raurica Holzvermarktung AG. Sie will künftig vermehrt nach Europa exportieren. Das eigentliche Ziel ist allerdings, den Schweizer Markt mit Schweizer Holz versorgen zu können – zahlbar und nachhaltig. Wettstein meinte, dass Eichenholz über alle Qualitäten hinweg einen mindestens doppelt so hohen Erlös generiere als die Hauptholzart Buchenholz, das besonders betroffen ist vom Preiszerfall im Laubholzsegment.

Eine der wenigen eichenverarbeitenden Sägereien der Schweiz ist die Albiez AG im aargauischen Rheinfelden, 20 Autominuten vom Allschwiler Wald entfernt. Ihr Inhaber Lukas Albiez erklärte, dass sich sein Unternehmen erfolgreich auf Spezialaufträge fokussiert und die Konkurrenz aus dem Ausland gerade durch diese Nischenproduktion in Schach halten kann. Er betonte, dass Eichenholz auch nach dem Wachsen einer speziellen Behandlung bedarf, denn ihre Trocknung müsse besonders behutsam vonstatten gehen, damit sich keine Risse bildeten. Eine Reihe von lokalen Schreinern verarbeitet das Holz etwa zu Möbeln, Parkett und Riemenböden.

Das Ende der Esche

Das aktuelle Sorgenkind der Waldbewirtschafter heisst derzeit aber Esche. Schätzungen gehen davon aus, dass das Triebsterben 90 Prozent der Eschenpopulation in Europa auslöschen wird. Auch im  basellandschaftlichen Allschwil stehen Eschen, denen der Befall mit der Pilzkrankheit selbst im Winterkleid anzusehen ist. «Früher oder später müssen wir die Bäume fällen», sagt Revierförster Markus Lack kopfschüttelnd. Für den Verarbeitungsmarkt bedeutet dies grössere Veränderungen, wenn dieses Eschenholz auf den Markt kommt. Eschenholz wird besonders für Werkzeuge verwendet. Und in den Basler Trams sass man früher auf Eschenbänken. Vielleicht findet das beliebte Holz hier wieder Verwendung.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE