3.04.2013 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Wald
Bäume gegen Käfer impfen
Der Laubholzbockkäfer ist ein gefürchteter Baumschädling. Zurzeit kann er nicht bekämpft werden. Nun hat ein Baumforscher zusammen mit Syngenta eine Baumimpfung entwickelt. Diese könnte gegen den Käfer wirken.

Der Forstingenieur Matthias Brunner hat zusammen mit Syngenta für die Schweiz eine Baumimpfung entwickelt – wobei es sich nicht um eine vorbeugende Impfung, sondern um eine Behandlungsmethode handelt. Angewendet wird sie heute gegen die Kastanienminiermotte. Doch Brunner hofft, dass er dereinst auch den Asiatischen Laubholzbockkäfer oder den Eichenprozessionsspinner damit bekämpfen kann.

Impfung über Splintholz

Der Laubholzbockkäfer wurde 2011 erstmals mit Verpackungsholz aus China in die Schweiz eingeschleppt. 2012 fand man über 140 Käfer in Winterthur ZH. Dort sind seither ausgedehnte Baumfällaktionen im Gang, die eine Ausbreitung des Quarantäneschädlings verhindern sollen. Der könnte gravierende Schäden in den Schweizer Wäldern anrichten.

Bei der Baumimpfung bohrt Brunner je nach Baumdurchmesser ein bis mehrere Löcher ins Splintholz. In sie appliziert er den Wirkstoff Emamectin. Der verteilt sich über die Wassertransportbahnen im ganzen Baum und tötet den Erreger nach einigen Tagen ab. Die Wirkung soll drei Jahre anhalten.

Emamectin, das weltweit auch als Arznei bei Fischen und Nutztieren eingesetzt wird, darf in der Schweiz nur in geschlossenen Intensivobstanlagen gespritzt werden. Die Anwendung in Form der Impfung wäre deshalb eine geeignete Technologie, Emamectin  gegen den Laubholzbockkäfer zu nutzen.

Syngenta: Bei guten Versuchsresultaten wird Zulassungsgesuch geprüft

Brunner arbeitet mit der Syngenta zusammen. Die Firma erwägt, die Emamectin-Injektion auch gegen den Laubholzbockkäfer bewilligen zu lassen. Norbert Locher, technischer Direktor bei Syngenta: «Wir analysieren gegenwärtig das Potenzial der Behandlungsmethode.» Man führe zusammen mit chinesischen Instituten verschiedene Versuche durch mit dem Ziel, eine nachhaltige Lösung zur Bekämpfung des Laubholzbockkäfers zu finden.

Ob man einen entsprechenden Zulassungsantrag, stelle, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem sei die lokale Bekämpfungsstrategie der offiziellen Pflanzenschutzstellen wichtig. «Falls unsere Technologie auf Interesse stösst und die Versuchsresultate gut sind, werden wir einen entsprechenden Zulassungsantrag prüfen.»

In Portugal werden die Bauminjektionen seit 2012 erfolgreich gegen Kiefernholznematoden angewendet. Und amerikanische Forscher kamen letztes Jahr zum Schluss, dass sie die einzige Chance im Kampf gegen den Eschenprachtkäfer ist, der in Nordamerika wütet.

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