5.05.2018 08:24
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Wald
Bangen vor dem Borkenkäfer
Nach Sturmschäden und Apriltrockenheit sitzen die Waldbesitzer wie auf Nadeln. Schon wurden Borkenkäfer an den am Boden liegenden Stämmen gesichtet. Experten beurteilen die Situation als sehr angespannt.

Anfang Januar fegte der Sturm «Burglind» durch die Schweizer Wälder. Hunderttausende Bäume wurden gefällt, über 1,3 Millionen Kubikmeter Sturmholz lag am Boden. Im April war es trocken und heiss, was den Wald je nach Region zusätzlich gestresst hat. 

Erste Käfer in der Luft


Nun beobachten die Waldbesitzer besorgt die Situation beim Borkenkäfer. «Es herrscht eine angespannte Stimmung», bestätigt Urs Wehrli, Leiter Kommunikation bei WaldSchweiz, dem Verband der Waldeigentümer, «die Waldbesitzer sitzen wie auf Nadeln.» Erste Borkenkäfer seien gesichtet worden: «Der Käfer fliegt und geht an die Stämme, die am Boden liegen.» 

Die Waldeigentümer hätten alles in ihrer Macht Stehende gemacht und das Sturmholz – insbesondere das Nadelholz – aufgeräumt und zu schützen versucht, weiss Wehrli: «Stämme wurden vereinzelt sogar in Schutznetze mit Insektizidbeschichtung eingepackt oder es wurde mit Insektiziden gespritzt, was im Wald nur mit Sonderbewilligung und durch Spezialisten sowie nur an bestimmten Orten gemacht werden darf.» Auch Nasslager seien errichtet worden. «Noch ist man nicht fertig», sagt Wehrli, «es ist noch Holz abzutransportieren und zu entrinden. Gleichzeitig gilt es, schnell zu reagieren, wenn  Käfer-Nester entstehen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern.» 

Aussichten nicht rosig

Beat Forster von der Forschungsanstalt WSL teilt die Einschätzungen von Wehrli: «Die Aussichten für das laufende Jahr sind nicht besonders rosig.» Beunruhigend ist laut der WSL die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren recht viele Käferbäume ungenutzt in den Beständen verblieben, in einzelnen Regionen über 20 Prozent. Mit den verbreiteten Sturmschäden vom Januar wurde zudem viel frisches Brutmaterial geschaffen.  

«Treten erneut ausgedehnte Hitze- und Trockenperioden auf, muss mit einem weiteren Anstieg der Käferpopulationen gerechnet werden», bilanziert Forster. Wie Wehrli sieht auch er als wichtigste Massnahme die rechtzeitige Räumung eines Grossteils der Sturm- und Käferschäden. «Vermehrte Kontrollgänge helfen, neuen Stehendbefall frühzeitig zu erkennen. Insbesondere Gebiete mit Sturmschäden und mit bereits erhöhtem Käferbefall aus dem Vorjahr sollten prioritär überwacht werden.» 

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