23.03.2020 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Barbara Schwarzwald
Holzwirtschaft
«Bauen mit Schweizer Holz macht Sinn»
Zahlreiche regionale Verbände setzen sich in der Schweiz für das Bauen mit Schweizer Holz ein. Eine davon ist die «Initiative Holz BE». An der Agrimesse präsentierten Fachpersonen den grossen Nutzen von Schweizer Holz.

Die noch junge Organisation «Initiative Holz BE» hatte am zweiten Agrimesse-Tag – kurz vor deren unerwarteter Schliessung – einen Referatsblock zu Themen rund um die Wald- und Holzwirtschaft organisiert. Mit «Herausforderungen für die Landwirtschaft bei der Waldbewirtschaftung» war das Referat von Grossrat und Bergbauer Ernst Wandfluh, Kandergrund, überschrieben.

Séverine Haldi, Bereichsleiterin Waldwirtschaft, Amt für Wald und Naturgefahren (AWN), informierte über den gesellschaftlichen Mehrwert durch die Waldbewirtschaftung. Und Holzbau-Unternehmer Christian Däpp, Aeschiried, wartete mit Praxisbeispielen von landwirtschaftlichen Bauten mit eigenem Holz auf. Moderiert wurde der Anlass durch «Initiative Holz BE»-Geschäftsleitungsmitglied und Projektleiter Thomas Lüthi.

Die Organisation lebt

«Initiative Holz BE» ist die kantonale Plattform der Berner Wald- und Holzwirtschaft für Holzabsatzförderung, Innovation und Kooperation. «Unser Ziel ist ganz klar die Steigerung der Nachfrage nach einheimischem Holz – infolgedessen auch die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung», war von Thomas Lüthi eingangs zu vernehmen.

«Initiative Holz BE» fördert unter anderem die Vernetzung innerhalb der Branche und nimmt Einfluss bei Bauprojekten im Kanton. Präsident ist SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal, Gstaad. «Initiative Holz BE» ist dem Verein BEO Holz unterstellt. Der Steuerungsausschuss besteht aus Präsidenten oder Delegierten der im Kanton Bern aktiven Wald- und Holzwirtschaftsverbände. Aktuell sind 20 Aktionen – darunter landwirtschaftliche Bauten – am Laufen. Erstmals wird «Initiative Holz BE» an der diesjährigen BEA anzutreffen sein.

Säger als Schlüsselfiguren 

Rund ein Drittel des Berner Waldes ist in landwirtschaftlichem Besitz. Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018 seien die Waldbewirtschaftung und Nutzung des Holzes gegenüber dem Vergleichsjahr 2007 um 26% zurückgegangen, war von Ernst Wandfluh zu vernehmen. «Wir verbrauchen rund eine Million Kubik Holz im Jahr», liess er wissen. Nachwachsen würden in der gleichen Zeit im Kanton Bern rund 1,7 Mio. m3. «Wir haben also ein sehr grosses Potenzial.»

Das Wichtigste für ihn ist die Wertschöpfung. Alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette müssten Geld verdienen können. Als Schlüsselfiguren bezeichnete Wandfluh die Säger. Könne das Holz nicht mehr regional gesägt und verarbeitet werden, sei das das Ende. Wichtig sei, den Sägereien frisches Holz zu liefern. Zu viel Holz verfaule im Wald. Weiter gelte es, die Holzernten effektiver zu bestreiten. Das heisst, die Waldbesitzer sollen sich zusammenschliessen, den Wald zur Nutzung übergeben, um die Kosten tiefzuhalten. In den Gemeinden und beim Kanton müsse für Fernheizungen geweibelt werden. 

Breiter Mehrwert 

Klimaveränderung, Sturmschäden, Biodiversitätsverlust, Borkenkäfer: Für all diese Probleme könne eine funktionierende Wald- und Holzwirtschaft, damit verbunden die Waldbewirtschaftung, ein ganz wichtiger Teil der Lösung sein, meinte Séverine Haldi vom Amt für Wald und Naturgefahren in ihrem Referat vor zahlreichen Zuhörern. «Eine erfolgreiche Waldwirtschaft nutzt die Ressource Holz und erbringt Leistungen im öffentlichen Interesse», so die Vision des Kantons.

Auf drei Waldleistungen (Holzversorgung, Schutz vor Naturgefahren und Artenvielfalt) ging Haldi näher ein. «Holz reduziert die CO2-Belastung in der Atmosphäre, weil Holz CO2 bindet», hielt sie fest. Mit der Nutzung von 1m3 Schweizer Holz wird durchschnittlich ein Ausstoss von 1,3 Tonnen CO2 vermieden. Holz wird energetisch zur Erzeugung von Wärme, Strom und zukünftig möglicherweise auch für Treibstoff für Fahrzeuge eingesetzt. Die Schweiz sei im europäischen Vergleich eines der Länder mit dem höchsten Holzvorrat. 

«Ja, es macht Sinn!»

«Bauen mit dem eigenen Holz. Macht das heute noch Sinn?» «Ja, es macht Sinn!», war von Holzbau-Unternehmer Christian Däpp als Antwort auf seine eigene Fragestellung zu vernehmen. Wenn als Beispiel bei einem Scheunenbau gesägtes Holz aus dem eigenen Wald und nicht gehobeltes und geleimtes eingesetzt werde, könne bis zur Hälfte des Preises eingespart werden.

Aber es müsse früh mit der Planung begonnen, der Holzbauunternehmer rechtzeitig bestimmt werden. Und der passende Wald sei Voraussetzung, um das nötige Sortiment bereitstellen zu können. Als prüfenswerte Alternative wurde das Gegengeschäft erwähnt, insbesondere eigenes Rundholz gegen Schnittholz oder Holzbauleistungen. Auch hier gilt die frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Holzbauer und der Sägerei. 

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