15.08.2019 11:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Dominik Senn
Wald
Borkenkäfer macht kurzen Prozess
Ein fataler Mix von Trockenheit und Hitze hat die Abwehrkraft der Fichte und anderer Baumarten im Unterland zum Erliegen gebracht und gleichzeitig die Buchdrucker-Population – ihren Todfeind – explodieren lassen.

«So etwas habe ich in meinen fast drei Dutzend Försterjahren noch nie erlebt», sagt Sebastian Meier vom Forstbetrieb Laufenburg und schüttelt resigniert den Kopf. Vor ihm liegt ein Fichtenstamm, von dem er ein tellergrosses Stück Rinde mit blossen Händen ablöst.

Bäume geschwächt

Darunter windet sich ein gutes Dutzend weissliche Larven in typisch verästelten Gängen. Erst jetzt sieht man auch die millimetergrossen Löcher durch die Rinde hindurch, gebohrt vom Buchdrucker, jenem Borkenkäfer, der vor allem Fichten, vorzugsweise die Gemeine Fichte, und seltener Lärchen, Douglasien usw. befällt. 

«Normalerweise wehrt die Fichte durch die Absonderung von Harz Insekten ab. Der Buchdrucker wird im Harz gefangen und ertränkt. Ist die Fichte aber in irgendeiner Form geschwächt, beispielsweise durch Sturmschäden, können sich Brutherde einnisten und ganze Bestände vernichten», so Meier.

60-jährigen Bestand gefällt

Wie Geschäftsführer Simon Geissmann die Situation auf dem Schadholzplatz im Laufenburger Forst erläutert, musste der Forstbetrieb Laufenburg einen gesamten Fichtenbestand auf rund zwei Hektaren fällen, rund 600 Festmeter bzw. rund 600 bis 800 Bäume mit Brusthöhen-Durchmesser von 25 bis 45 cm. Es handelt sich um einen etwa 60-jährigen Bestand, der eigentlich gerade in diesen Altersjahren den besten Zuwachs verzeichnet. Er wäre ohne Befall noch 15 bis 20 Jahre bis zur Nutzholzverwertung stehen geblieben.

Zügig und maschinell

Jetzt gelte es die befallenen Stämme möglichst rasch auszuräumen, bevor es zum erneuten Insektenflug kommt. Hier kommen Vollernter wie gerufen, die stündlich Dutzende Festmeter Stammholz aufzuarbeiten vermögen (entasten und ablängen). Die Geissmann Forst AG setzt hierfür den 280 PS starken Vollernter Ponsse Ergo ein.

Dieser arbeitet sich zum Entasten und Ablängen auf dem sich gleichzeitig bildenden Astteppich vorwärts und legt von den abgelängten Stämmen Haufen an, welche in einem zweiten Arbeitsgang mittels Forwarder ausgeräumt werden (rücken). Das Holz gelangt sodann entweder für die Schaltafeln-Produktion zu Tschopp, Buttisholz LU, für die Spanplatten-Produktion zu Kronospan, Menznau LU, oder in die neue Schnitzelheizung der DSM in Sisseln AG.

30'000 Franken Mindererlös

Braunes Bohrmehl rund um den Wurzelbereich verrät: Auch die benachbarten Fichten sind befallen. Doch wäre eine weiträumigere Ausräumung wirtschaftlich untragbar, denn das Schadholz gilt fast nichts und die Wiederaufforstung kostet Geld. Gemäss der Berechnung Geissmanns beträgt der Mindererlös aus den fraglichen 600 Festmetern mindestens 30'000 Franken.

Er schätzt das Gebiet längs des Rheins von Rheinfelden bis Koblenz, die Region Lenzburg, das Suhren- und das Wynental als regionale Befallsschwerpunkte ein. Nebst dem rechtzeitigen Fällen von Borkenkäferbäumen seien Fangbäume, Fangknüppelhaufen und Pheromonfallen Bekämpfungsstrategien, allerdings gegenüber dem Ausräumen bloss marginale.

Der gelernte Forstwart Simon Geissmann  hat die Firma im Jahre 2003 gegründet und ist Alleininhaber und Geschäftsführer. Der Mitarbeiterbestand liegt zwischen 12 und 15 Personen, die Mechanisierung umfasst drei Vollernter Ponsse, zwei Forwarder, drei Zangenschlepper, zwei Seilschlepper, einen Traktor mit Spezial-Tieflader zum Verschieben der Arbeitsmaschinen und jede Menge Kleingeräte.

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