29.07.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Wald
Borkenkäfer wüten weiter
Im vergangenen Jahr haben Borkenkäfer in den trockenheitsgestressten Wäldern grosse Schäden verursacht. Dieses Jahr sieht die Lage nicht besser aus – und die Sägereilager sind bereits voll.

Der zweitmildeste Winter seit Messbeginn hat dem Borkenkäfer gefallen. Viele überlebten die nicht allzu kühle Jahreszeit, was bereits für eine grosse Ausgangspopulation sorgte. "Grundsätzlich ist der Druck der Borkenkäfer sehr gross und mit 2019 vergleichbar", sagt Urban Brütsch, Vize-Direktor von Wald Schweiz. 2019 war das Jahr mit dem zweithöchsten je beobachteten Borkenkäferbefall.

Borkenkäfer mögen trockenes und warmes Wetter. Kühle Temperaturen und Regen könnten seine Ausbreitung jedoch bremsen."Wir gehen davon aus, dass die Witterung in den kommenden Wochen massgeblich die Anzahl Borkenkäfer beeinflusst und die dadurch verursachten Schäden entscheidend bestimmen wird", so Brütsch.

Die Sägereien sind voll

Die Situation ist dieses Jahr dadurch erschwert, dass Käferholz kaum direkt verarbeitet werden kann. Denn bereits im vergangenen Jahr mussten mittels Notfall-Übungen befallene Bäume aus dem Wald geholt werden. Die Lager in den Sägereien seien voll, sagt Brütsch. Und: "Wir sollten damit rechnen, dass mindestens so viel Käferholz wie 2019 anfällt."

Von Borkenkäfern betroffen ist in der Schweiz vor allem die Fichte, aber auch bei Tannen kommt der Käfer vor. Noch eher selten befallen worden sind bisher Föhre und Lärche, so Urban Brütsch. Aber auch bei diesen Baumarten ist ein Käferbefall möglich.

Rasch erkennen und reagieren

Gibt es überhaupt Möglichkeiten, die Schäden einzudämmen oder muss die Wald- und Holzbranche auf schlechtes Käferwetter hoffen? Durch intensive Beobachtung könnten befallene Bäume rechtzeitig erkannt werden, erklärt Brütsch. "Befallene Bäume müssen möglichst schnell gefällt und entrindet werden, solange die Käfer oder die Brut noch im Baum und in oder unter der Rinde sind", so der Vize-Direktor von Wald Schweiz.

Danach sollten die Baumstämme so rasch wie möglich abtransportiert und im Sägewerk verarbeitet werden. Wenn diese aber wie aktuell voll sind, können die Stämme auch ausserhalb des Waldes mit genügend Abstand gelagert werden. Werden diese Massnahmen beachtet, können weitere Schäden vermindert werden.

Der Buchdrucker macht am meisten Probleme

In der Schweiz leben über 100 Borkenkäfer-Arten. Der Buchdrucker ist dabei der wichtigste Waldschädling. Der rund 5 Millimeter kleine Käfer befällt vor allem Fichten. Die Fichte kann sich normalerweise gegen Insektenbefall mit Harz wehren. Wenn sie aber – wie im Fall von Trockenheit – geschwächt ist, funktioniert diese Abwehr nicht mehr richtig. Der Buchdrucker bohrt sich in die Rinde ein und paart sich. Das Weibchen legt dann seine Eier ab. Der Frass der Käfer und vor allem der Larven führt bei intensivem Befall zum Absterben des betroffenen Baumes. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) betreibt eine tagesaktuelle Simulation der Buchdrucker-Entwicklung in der Schweiz.

Im vergangenen Jahr ist in der Schweiz erstmals der Nordische Fichtenborkenkäfer entdeckt worden. Die Forstdienste von St. Gallen und des Fürstentums Liechtenstein wiesen ihn in Zusammenarbeit mit der WSL im Rheintal nach. Wie der Buchdrucker befällt auch dieser Borkenkäfer vor allem Fichten. Weil er an tiefere Temperaturen gewöhnt ist, fliegt er im Frühjahr zeitiger als der Buchdrucker. Zwar ist noch unklar, welche Schäden er in der Schweiz anrichten wird. Doch laut WSL scheint er in anderen Ländern bisher weniger Schäden anzurichten als der Buchdrucker, mit dem er in Konkurrenz um Brutplätze steht. 

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