16.11.2018 19:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Engler
Wald
Dem Wald geht Luft aus
Rund 200 Delegierte und Gäste besuchten am Freitag die Generalversammlung des Waldwirtschaftsverbandes St.Gallen und Liechtenstein im Thurpark in Wattwil. Turnusgemäss fand die Jahresversammlung unter dem Vorsitz von Präsident Thomas Ammann, Nationalrat, Rüthi, dieses Jahr im Toggenburg statt. Regierungsrat Bruno Damann, Vorsteher Volkswirtschaftsdepartement St.Gallen und Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner wohnten der Versammlung bei und überbrachten ihre Grussworte.

Kaum waren die Sturmschäden des Wintersturmes Burglind aufgearbeitet, mussten die Schäden, welche aufgrund der Trockenheit entstanden waren, angegangen werden. Ab August ergab sich dann noch eine grosse Menge Käferholz. Jetzt wo die Temperaturen zurück gehen und der Borkenkäfer seine Aktivität einstellt, sollten die Waldeigentümer aufatmen können. Doch der Sturm Vaia vom 29. und 30. Oktober verursachte teils schon wieder beachtliche Schäden. Dem Wald geht buchstäblich die Luft aus.

An der Generalversammlung wollten die Waldeigentümer eigentlich innehalten und Hoffnung tanken. Doch Präsident Thomas Ammann und weitere Referenten weisen alle auf schwierige Zeiten hin.

Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Verkauf von Co2 Zertifikaten 

Referent Felix Lüscher, Bereichsleiter Wald bei der Oberallmeinkorporation Schwyz zeigte den Versammlungsteilnehmer auf, wie die OAK Co2 Zertifikate auf dem freiwilligen Markt verkauft und wie der Vorratsaufbau der Wälder mit der normalen Pflege vereinbar ist.

Die Vermarktung der Zertifikate kann aber nur auf dem freiwilligen Markt geschehen, da es noch keine Gesamtlösung für die Schweizer Waldeigentümer gibt. Zurzeit beansprucht der Bund die Senkenleistung der Wälder für sich selbst. Die Eigentümer gehen leer aus.

Waldleistungen müssen vermehrt abgegolten werden 

Der Waldeigentümer erbringt häufig Leistungen für die Allgemeinheit, die am Markt nicht abgesetzt werden können. Diese werden aber von der Allgemeinheit gewünscht und bedeuten einen entsprechenden Mehraufwand. Mit den Holzerlösen lassen sich diese Leistungen nicht mehr finanzieren.

Deshalb haben sich in der Branche die Stimmen gehäuft, dass den Waldeigentümern die für die Bevölkerung erbrachten Leistungen abgegolten werden sollten (Nutzniesser-Prinzip). Einige Kantone kennen Abgeltungsmodelle für gewisse Leistungen oder es gibt einen Waldfünfliber. Der Vorstand hat das Thema «Inwertsetzung von Waldleistungen» aufgrund der Aktualität und nicht zuletzt aufgrund der Eingabe der Waldregion 1 St. Gallen an der letztjährigen Generalversammlung diskutiert.

Thomas Ammann erklärte den Mitgliedern, welche vier Stossrichtungen der Verband zum Thema Inwertsetzung von Waldleistungen vorantreiben möchte.

 

  • Stossrichtung 1: Mit dem Postulat «Perspektiven der Waldwirtschaft» soll es gelingen, im kan-tonalen Waldgesetz eine Anpassung mit einem Grundsatz herbeizuführen, welche es ermöglicht, künftig Leistungen des Waldes vermehrt Inwert zu setzen. Heute fehlt eine solche Grundlage im Gesetz. Für die Abgeltung von Wohlfahrtsleistungen ist eine offene Formulierung zu finden, welche die Wohlfahrtsbereiche Wandern, Biken (= klassische Erholungsfunktion), und Trinkwasser sowie allenfalls weitere Bereiche berücksichtigen. Der Bericht der Regierung zum Postulat sieht hier aber kein Handlungsbedarf und erkennt die Not der Waldeigentümer nicht. Aus der Perspek-tive der Subsidiarität und der Effizienz seien derartige Leistungen und deren Entschädigung auf lokaler Ebene zwischen den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern, den Gemeinden und/oder Dritten auszuhandeln. 

 

 

 

  • Stossrichtung 2: Der Bereich Trinkwasser gehört zu den Wohlfahrtsleistungen. Es wäre aber sinnvoll, wenn die Einschränkungen der Holzernte und Waldpflege in Trinkwassergebieten S1 und S2 aufwandsgerecht abgegolten werden könnten. Hier gibt es aber keine gesetzliche Ver-pflichtung. Es basiert heute auf freiwilliger Basis. Dieses Thema wird weiterverfolgt und es werden praxistaugliche Erhebungs- und Berechnungsgrundlagen eruiert.

  • Stossrichtung 3: Das Gesetz zur Co2-Senkenleistung wird aktuell auf Bundesebene diskutiert. Zurzeit ist ein Zertifikatshandel nur auf freiwilliger Basis möglich. Der verpflichtende Markt, wie es die Holzindustrie über den Verein Senkenleistung Schweiz gelöst hat, ist zurzeit nicht möglich, da die Branche eine Gesamtlösung aufbauen muss. Einzelne Verbände oder Waldeigentümer werden vom Bund nicht akzeptiert. Es ist abzuwarten, wie die Lösung im Co2-Gesetz verabschiedet wird und ob eine mögliche Senkenleistung des Waldes ermöglicht wird.

  • Stossrichtung 4: Der Verband baut im Lead und als Koordinator eine Marktplattform auf, um Projekte mit Kunden zu verbinden. Er generiert mit seiner Leistung Erträge, damit der Aufwand für den Verbandshaushalt neutral bleibt. Beispiel: Ein Waldeigentümer plant einen Sicherheits-holzschlag. Dieses Projekt wird aufgenommen und der Verband sucht das Gespräch mit der SUVA und verkauft die mediale Präsenz in Verbindung mit den gewünschten Sicherheitsfragen. Der Aufwand für Kommunikation, Information etc. zahlt der Kunde, in diesem Fall die Suva, und erhält damit die Möglichkeit Sicherheit am Arbeitsplatz an einem konkreten Beispiel zu präsentieren. Wald SG+FL wäre Katalysator für diese Projekte und würde eine Plattform zur Verfügung stellen, wo sich Anbieter und Nutzniesser finden können und wo auch entsprechende Unterlagen aufgeschaltet werden (z.B. Mustervereinbarungen, Best-Practice-Beispiele etc.). Dieses Thema wird auch weiterverfolgt.

 

 

Eine gemeinsame Bewältigungsstrategie ist wichtig

Geschäftsführer Heinz Engler zeigte den Versammlungsteilnehmer auf, wie sich der Holzmarkt seit Januar verändert hat und welche Massnahmen für die kommende Saison wichtig sind. Die Sturmholzmengen aus Burglind wurden massiv unterschätzt und die Exportkanäle zu wenig genutzt. Das viele Käferholz konnte von den regionalen Sägereien kaum mehr aufgenommen werden. Nun gehen wir mit einer sehr hohen Käferpopulation in den Winter hinein, was nächsten Frühling zu einer Massenvermehrung führen wird.

Darauf müssen sich die Waldeigentümer einstellen und in der gesamten Ostschweiz eine gemeinsame Strategie entwickeln, damit die Auswirkungen nächsten Sommer etwas abgeschwächt werden können. Dazu braucht es Solidarität und eine hohe Zurückhaltung in der Nadelholznutzung im privaten und öffentlichen Wald. Die Ostschweizer Verbände sind gefordert, eine gemeinsame Strategie auszuarbeiten und diese konsequent umzusetzen. Der Sturm Vaia vom 29. und 30 Oktober hat in Italien grosse Schäden verursacht. Diese Sturmholzmengen werden die Warenströme verändern und den Markt zusätzlich stark belasten. 

Auszeichnung vorbildlicher Lieferanten

Unter den ordentlichen Traktanden an der Generalversammlung wurden auch traditionsgemäss jene Mitglieder geehrt, welche ihr Holz über die Holzmarkt Ostschweiz AG verkaufen. Die Holzvermarktungsstelle ist eine Selbsthilfeorganisation der Waldbesitzer und in deren Eigentum. Pro Waldregion wird jenes Mitglied erkoren, welches im Verhältnis zu seiner Holznutzung am meisten Holz über die Holzmarkt Ostschweiz AG geliefert hat. Geehrt wurden folgende Waldeigentümer:

 

  • Gemeinde Triesenberg, 424fm (Festmeter)
  • Thurkorporation Oberbüren, 618fm
  • Ortsgemeinde Thal, 314fm
  • Ortsgemeinde Walenstadt, 777fm
  • Ortsgemeinde Amden, 567fm
  • Kloster Maria der Engel, 107fm

 

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