11.08.2013 08:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Waldwirtschaft
Den Waldeinwuchs bekämpfen
Die Waldfläche nimmt zu. Die Politik gibt nun Gegensteuer. Bis die Massnahmen greifen, wird es noch eine Weile dauern.

Der Schweizer Wald wächst und wächst. Um 1364 Hektaren legte die Waldfläche im letzten Jahr zu. Weiter rückläufig entwickelte sich dagegen die Holznutzung (–8,2%). Die geernteten 4'658'000 Kubikmeter liegen rund 10% unter dem Mittelwert der letzten zwanzig Jahre. Beim Nadelstammholz wurde gar die tiefste Erntemenge seit gut 30 Jahren ausgewiesen.

Hangbeiträge

Die schwierigen Rahmenbedingungen der inländischen Forstwirtschaft wurden auch auf die Waldbewirtschafter abgewälzt – der Erlös für Nadelstammholz ging 2012 laut dem Bund um rund 8% zurück. Vor einem Monat empfahl die Holzmarktkommission eine Anhebung der Nadelrundholzpreise um 5 Franken pro Festmeter. 

Sehr oft geht der Vormarsch des Waldes zulasten der landwirtschaftlichen Nutzfläche, was nicht nur die Direktzahlungen eines Betriebes, sondern auch Versorgungssicherheit und Artenvielfalt schmälert. Nun will die Politik Gegensteuer geben. Um steile Hänge landwirtschaftlich weiterzubewirtschaften, sollen die Hangbeiträge ab 35% Neigung erhöht und ein Steillagenbeitrag eingeführt werden. Auch für die Sömmerung steht mehr Geld bereit.

Kanton Wallis geht voran

Das revidierte Waldgesetz ist am 1. Juli 2013 in Kraft getreten. So sind neu auch ausserhalb der Bauzonen statische Waldgrenzen möglich; damit gelten die einwachsenden Bestockungen ausserhalb der Grenzen nicht mehr automatisch als Wald. Dafür müssen die Kantone aber Gebiete festlegen, in denen sie eine Zunahme des Waldes verhindern wollen. 

Laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) haben «einige Kantone bereits mit den Vorarbeiten begonnen». Etwas weiter ist der Kanton Wallis, wo laut einer Erhebung allein im Goms 570 Hektaren gutes Landwirtschaftsland von der Einwaldung bedroht sind. In der Gemeinde Grafschaft sind bereits 2000 Bäume markiert, die gerodet werden können.

Noch kein Rodungsgesuch 

Eine weitere Neuerung ist, dass ausdrücklich auf Rodungsersatz verzichtet werden kann, wenn mit der Rodung in den letzten dreissig Jahren eingewachsene Flächen für die Landwirtschaft zurückgewonnen werden. Die Rodung bleibt aber bewilligungspflichtig. Dem Bafu sind bis jetzt noch keine entsprechenden Gesuche bekannt.

Ohnehin bleibt die Bewirtschaftung des Waldsaums für die Landwirte eine dauernde Herausforderung. Der Kanton Aargau empfiehlt in einem Merkblatt, den Waldsaum mindestens einmal jährlich bis an die Stockgrenze zu mähen. Auch könne Waldsaum, der nicht als Ökofläche angemeldet sei, im laublosen Zustand gemulcht werden

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